Politik 2053: Zwischen Party und Müsli-Pics

Nach gefühlten Monaten gefüllt mit Debatten um die Koalitionsverhandlungen hat es die politische Landschaft in Deutschland nun geschafft und stellte vor ein paar Tagen die neue Regierung vor. In den Ministerien sitzen alte Bekannte und neue Gesichter. Neben den beruflichen Qualitäten wird auch das familiäre Umfeld der Abgeordneten von der Öffentlichkeit durchleuchtet.

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In der Regel versuchen unsere Politiker ihr Privatleben zu schützen. Es sei denn die hübsche Ehefrau und die braven Kinder passen gerade ganz gut ins Bild. Unangenehmes aus der Vergangenheit kommt erst recht nicht oft ans Licht. Ab und an mal ein alter Schulkamerad, der dann doch zugibt, dass Politiker xy in der Schule doch „eher unauffällig gewesen ist“.

Nun versetzt euch mal in das Jahr 2053. Unsere Politiker wurden in den späten Achtzigern und Neunzigern geboren. Den Mauerfall haben sie vielleicht noch im Kinderbett miterlebt. Inflationen und Wirtschaftskrisen kennen sie, wobei das was sie erlebt haben, kein Vergleich zu dem ist, was die vorherigen Generationen kennen.

Internationale Angebotsvielfalt ist Standard, ebenso wie die Technisierung. Damit einhergeht auch das Internet und der Mangel an Privatem. Es gibt schließlich kaum einen Menschen, über den man im Internet nichts findet.

Merkel wurde 1954 geboren und hatte nach eigenen Angaben eine schöne Kindheit in der DDR. Sie lebte für ihre Zeit ein vollkommen normales Leben, von dem man kaum Ausreißer kennt. Richtige Skandale kennt man von ihr nicht. Dass das Internet aber durchaus mal prominenten Politiker zum Verhängnis wird, wurde z.B. 2011 öffentlich. Der CDU-Politiker Christian von Boetticher hat über Facebook eine 16jährige Schülerin kennen gelernt und ist gleich mal mit ihr in die Kiste gesprungen. Obwohl der 40-jährige Christian nachher gestand, dass es Liebe zwischen den Beiden war, konnte das seine politische Karriere nicht retten und er trat von seinem Amt zurück.

Wir, die Kinder der Achtziger und Neunziger, die mit dem Internet aufgewachsen sind, kennen durch das Internet hervorgerufene Skandälchen aus der Schule.

Wir wuchsen mit maßlosem Konsumverhalten auf und kennen Rebellion nur vom Küchentisch zu Hause. Werden die künftigen Machtinhaber unseres Landes durch peinliche Party-Fotos und Instagram Schlagzeilen machen? Haben sie in ihrer Jugend im Internet Mist gebaut oder die ach-so-gefährlichen Ballerspiele gespielt? Sich sonntags auf Twitter über „Schwiegertochter gesucht“ lustig gemacht?

Wie oft werden wir davor gewarnt, im Netz Spuren zu hinterlassen. Nichts was mal online war, ist jemals wieder offline.  Was für ein ereignisloses Leben muss der künftige Politiker führen, damit man ihm später nichts anhängen kann?

Könnten wir also auch nackte Beine an einem freien Tag in der Sonne hoffen? Auf ewig alte Posts vergangener Verflossener auf der Facebookpage? Sehen wir Müsli und Kaffeetassen made by president? Ist die Frau, die mal Verteidigungsministerin wird, heute eine beliebte Modebloggerin? Und wäre diese Entwicklung eigentlich schlimm? Was schockt heutzutage eigentlich noch und was wird uns in 40 Jahren noch schocken?

Der Gedanke, das Angela Merkel morgens ihr Frühstück fotografiert und nachmittags von dem Blick aus dem Fenster des Kanzleramtes ein Foto postet ist für mich durchaus amüsant Und  es würde weitaus mehr Bürgernähe symbolisieren, als diese bescheuerten Twitter-Accounts der Politiker, die von deren Sekretärinnen geführt werden.

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