Review: Cro >>Melodie

cro

Vor über zwei Jahren wanderte ein Video ins Netz und schließlich auch in die Musikprogramme deutscher Fernsehsender. Dieses Video löste einen Hype aus, der bis heute anhält. Nicht nur in der Musik, sondern auch in Sachen Mode und Selbstdarstellung. Hypes entstehen durch tausende Bewunderer, bringen aber auch tausende Hater mit sich.

Natürlich rede ich hier von Cro. Der Rapper mit der Pandamaske hat dieser Tage ein neues Album auf den Markt gebracht. Doch bevor ich mich der Rezension des Albums widme, möchte ich für den jungen Künstler einstehen. Denn das hat er verdient. Von vielen wird er verspottet und nicht als Rapper angesehen. Seine Musik sei zu kommerziell, zu pop wird ihm vorgeworfen. Die Kritiker übersehen anscheinend, dass Cro seinen Erstling bewusst „Raop“ genannt hat, weil er eben genau diese neue Nische besetzten wollte.

„Raop“ war bestimmt nicht das HipHop Album das sich viele nach „Easy“ erhofft hatten und sein Mixtape „Sunny“, das er einfach mal kostenlos in die Menge geschossen hat, hatte neben ein paar Rohdiamanten auch viel Murks dabei. Cro hat aber richtig Bock auf Musik, er hat Bock seine Kreativität rauszulassen und er lebt den Zeitgeist. Deswegen kann er die Jungen und Junggebliebenden so mitreisen und eben das beweist er auch eindrucksvoll auf seinem Neuling „Melodie“.

Cro hat sich in der Vorlaufphase des Albums anders verhalten, als viele andere Künstler in letzter Zeit. „Traum“ ist die einzige Single, die vorab veröffentlicht wurde. Dafür erschienen in den letzten Wochen zahlreiche Interviews des Rappers, wo er schon deutlich richtig Hater schießt. In diese Richtung geht auch das Intro „I can feel it“. „Ich kann verstehen, dass du sauer bist, denn du rappst schon viel länger als ich“, geht schon in die richtige Richtung und zeigt mal eine andere Seite der immerfrohen Schwaben. Dazu noch ein paar Erfolge aufzählen, Trompeten und fertig ist das Ding. Geil!

In „Meine Gang (Bang Bang)“ wird uns eine catchy Hook präsentiert, die typisch nach dem Pandamann klingt. Außerdem ist auf diesem Song (als einziger Feature-Gast auf dem Album) Dajuan vertreten, der mich ein bisschen an Karuzo (Genetikk) erinnert. „Erinnerung“ erinnert mich ebenfalls an jemanden, und zwar an niemand geringeren als Sido mit seinem Chartstürmer „Bilder im Kopf“. Die Thematik ist die gleiche und das Lied genauso feierbar wie Sidos Version.

Ein humoristischer Höhepunkt ist mit Sicherheit „Bad Chick“, der mich einige Male zum Schmunzeln brachte, auch wenn die Hook ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. „Never Cro Up“ und „2006“ zielen beide in die Richtung des nicht erwachsen werden wollen und der Weiterentwicklung die ganz nebenbei stattfindet. Wie schon auf dem Mixtape „Sunny“ findet man auch auf „Melodie“ einen pubertären Song, auf den ich hätte verzichten können. „Cop Love“ mag ganz witzig zu sein, aber kein Song, den man sich öfter anhören möchte. „Hey Girl“ ist eines der vielen Liedern, in der Cro seine fiktive Traumfrau besingt, besonders gut fand ich da die Line „Wärst du ‘n Porno ja dann hätte ich nen Oberlippenbart“, die Hook finde ich hier aber etwas langweilig. Auch Shindy finde ich stilistisch auf dieser Veröffentlichung. „Rennen“ hört sich stimmlich und textlich nach dem Bushido-Schützling. Auch wenn der Text sich darauf bezieht, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht ständig daran zu denken, irgendetwas zu verpassen, kommt der Song eher belanglos daher.  „Vielleicht“ ist eine kleine Überraschung, da sehr untypisch für Cro Verhältnisse und greift Themen wie Zukunftsängste und eigene Zweifel auf. Der Song fügt sich aber sehr schön an das Ende des Albums an. Auch wenn er ein bisschen nach 90s Pop klingt, finde ich ihn nicht schlecht geraten. Generell finde ich es gut, dass Cro sich auch mal traut, ernstere Themen anzusprechen und auch mit der musikalischen Untermalung darauf hinzuweisen. „Jetzt“ greift die momentan sehr im Trend liegenden Girly Vocals auf. Dabei wird die „Lebe den Moment“-Philosophie aufgegriffen und bietet für Teenager bestimmt eine Menge von zitierfähigen Passagen. Kann man aber auch durchaus als Fast-Erwachsene noch hören.

 „Wir waren hier“ klingt nach Indie-Pop und einer schönen Sommerbrise. Textlich kein Bringer, dass Feeling wird aber transportiert. Das Ende bildet der namesgebende Track „Melodie“, der wieder typisch nach Cro klingt und der logische Abschluss des Albums ist.

„Melodie“ ist noch nicht, das Über-Album, zu dem Cro bestimmt fähig wäre. Einige Tracks  höre ich mir unheimlich gerne an, andere wirken eher wie Lückenfüller.  Wenn der junge Mann sich mal für 2, 3 Jahre zurückziehen würde, würde das daraus resultierende Album wahrscheinlich alles platt machen.

Viele Songs des Albums haben mich an andere Musiker und Musikstücke erinnert. Cro scheint ein Meister im Beobachten zu sein und selber viel Musik konsumieren. Kaum ein Rapper heutzutage kann so gut abschätzen, was ankommt. Trotzdem kann er den Liedern seine eigene Note geben. Obwohl die Musik massentauglich ist und eigentlich wenig Platz zum Anecken bietet, wird es weiterhin böse Worte über den Rapper geben. Ihm kann das, wie er im Intro ja schön beweist, herzlich egal sein. Insgesamt wirkt das Album reifer und runder als es noch bei „Raop“ der Fall war. Es ist mehr Rap als sein Debütalbum und bringt natürlich wieder ein unschlagbares Sommergefühl rüber.

Gratulation an Chimperator und Cro für Platz 1 der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz!

Melodie Cover

 

Cro “Melodie”

14 Titel

VÖ :06.06.14

Chimperator

 

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