Kritik: Christiane F. >>Mein zweites Leben<<

 

„Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ prägte nicht nur unsere Generation, sondern vor allem die unserer Eltern. Der schamlose Bericht eines drogensüchtigen Teenagers, der für die Sucht seinen Körper verkauft ging um die Welt und berührt auch über 30 Jahre später Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Seit dem Erfolg des Buches gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen über das weitere Schicksal von Christiane F. – ihr zweites Buch klärt uns endlich auf.

ChristianeF-collage

Schon 2013 veröffentliche Christiane F. mithilfe der Journalistin Sonja Vukovic ihre Autobiographie „Christiane F. – Mein zweites Leben“. Die mittlerweile 52jährige reflektiert den damaligen Erfolg, nimmt uns mit in viele Jahre Unsicherheit und erzählt und von Weggefährten und –begleitern ohne die Christiane heute vielleicht nicht mehr unter uns weilen würde.

Sonja Vukovic gibt einen Einblick in ihre Motivation über den Mythos Christiane F. zu schreiben und betrachtet von außerhalb die Entstehung des Antihelden durch den riesen Erfolg des Buches. Christiane berichtet offen über weitere schlimme Jahre der Drogensucht, aber auch über schöne Tage mit ihrem Sohn. Die Erzählstruktur ist oft wirr und voller Lücken. Was aus jenen Menschen geworden ist, wie sich Situationen aufgeklärt haben – vieles erfährt man nicht in ihrer Biographie.

Vielmehr versucht sie vieles richtig zu stellen, was damals falsch wiedergegeben oder aus jugendlicher Naivität preisgegeben wurde. Ihr Vater sei kein gemeiner, alkoholsüchtiger Mann, wie man es damals in „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ lesen konnte. Doch all die Beteuerungen nimmt man ihr nicht immer ab. Ebenso schwer vorstellbar ist ihr dargestellter Umgang mit ihrer Vergangenheit auf dem Kinderstrich. Sie selbst mache daraus kein großes Ding mehr, wenn man jedoch von ihren Reisen und Problemen liest, ist man sich als Leser sicher, dass ihre Jugend tiefe Narben hinterlassen hat.

Ihre eigene Vergangenheit betrachtet sie oft nüchtern, ihre Geschichten und Gedanken wirken sorglos und trotzdem fängt man an sie zu bedauern, weil das alles für einen Menschen, der wohlbehütet aufwuchs, schwer vorstellbar ist. Über ihr Verhalten ärgert man sich anderer Stelle aber auch. Ihre fehlende Weitsicht und ihre nie verlernte Naivität machen fassungslos. Auch den eigenen Starkult den sie mit dem Buch versucht um sich aufzubauen, löste bei mir Befremdlichkeit aus. Sie zählt Stars und Berühmtheiten auf, mit denen sie rumhing und wie unspektakulär sie sich am Ende herausstellten. Sie versucht sich als Nabel der Welt zu verkaufen und scheitert dabei.

Fazit

Das Buch hat mich unheimlich bewegt und mich beim Lesen kaum losgelassen. Die 333 Seiten habe ich innerhalb eines Tages gelesen, weil ich unbedingt hinter die teils wirren Gedanken von Frau F. kommen wollte. Auch nach der Lektüre bleiben viele Fragen zurück, vor allem aber bleibt das Bild einer Frau, die nie gelernt hat auf sich selbst aufzupassen und trotzdem in vielen Momenten Stärke bewiesen hat.

 

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