Warum die Insolvenz von American Apparel schrecklich ist

American Apparel war jahrelang seiner Zeit voraus. Mode von der Stange für Menschen, die sich dem Mainstream nicht zugehörig fühlen. Nun hat das Textilienunternehmen Insolvenz angemeldet. Ein Kommentar.

American Apparel. Das sind doch die mit den halbangezogenen Models in engen Bodies. Die Kleidung, die mehr nach Gymnastik, als nach Mode aussieht. Das Unternehmen, das mit beschamhaarten Schaufensterpuppen schockierte.

Das Textilunternehmen wurde 1997 in Amerika gegründet. Damals war der Leitfaden von AA innovativ: Faire, in Amerika produzierte Mode zu bezahlbaren Preisen. Auch wenn es die Kleidung an der Stange zu kaufen gibt, so sieht sie lange nicht so aus. Die Kleidung ist hauteng, bedeckt häufig nur kleinteilig die privaten Zonen.

American Apparel war damals seiner Zeit voraus. Mittlerweile wurde das Unternehmen von der Zeit überholt; gar überrollt. Auch wenn ich die Kleidung oft belächelt habe, so droht doch eines der wichtigsten Modelabels der Jetztzeit unter zugehen.

American Apparel kämpft sein jeher gegen das gängige Schönheitsideal ohne dafür Applaus einzufordern. Die Models ähneln nicht den Laufstegpilgerinnen oder den Plakatschönheiten. Es sind Frauen aus der Wirklichkeit, die sich auch mal unvorteilhaft in den viel zu engen Bodies räkeln. Immer provokant, aber nie nach Aufmerksamkeit bettelnd.

2013 wollte American Apparel eines der bescheuersten Tabus unserer Zeit brechen: Das Schamhaar. Die Schaufenster in New York wurden von Puppen ohne abrastiertes Scham geschmückt, das kess unter der Unterwäsche hervorlugte. Obwohl Sex Sells längst ein Marekting-Garant ist, sorgten die Schaufenster weltweit für Empörung. In einer Gesellschaft, in denen schon jungen Mädchen eingebläut wird, Behaarung – außer auf dem Kopf – sei eklig, war das ein mutiger und wichtiger Schritt.

Doch am Wichtigsten sind wohl die Arbeitsbedingungen unten denen AA seine Kleidung fertigt. Eingenäht in den Pullis und Shirts ist nicht etwa ein “Made in Bangladesh”-Emblem, sondern “Made in USA”. AA produziert in Los Angeles und setzt sich dort stark für die Rechte von Immigranten ein. So zahlt das Unternehmen den doppelten Mindestlohn und bietet den Beschäftigten eine Krankenversicherung.

Auch wenn die Insolvenz nicht das Ende von American Apparel bedeutet, so sollte es uns doch in Aufruhr versetzten. Läden, die rein von Profit getrieben Umwelt und Menschenrechte vergessen, haben modeliebende Fans ohne Ende, während die Pioniere dabei sind unterzugehen.

Quellen:

American Apparel: About us

Zeit Magazin: Gegen die Wand von Alex Bohn

Spiegel Online: Schamhaar-Provokation in New York 

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