Warum ich nicht mehr vegan lebe

warum ich nicht mehr vegan lebe

Mit der Zeit haben sich drei vier Gründe herauskristallisiert. Keiner davon ist unumstößlich, mindestens einer bestimmt eine Ausrede. Was meint Ihr?

warum ich nicht mehr vegan lebe

Der Veganismus hat mir sehr geholfen. Ich habe mehr auf meinen Körper geachtet, ganz natürlich gesünder gegessen und mich mehr mit mir auseinander gesetzt. Nach drei erfolgreichen veganen Wochen und meiner auch heute größtenteils pflanzlichen Ernährung, habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich möchte nicht streng vegan leben.

Es ist umständlich

Natürlich schreit hier die Bequemlichkeit aus jeder Zeile. „Bequemlichkeit“ ist ein dummer Grund, werden sich viele denken. Ja, auch den ersten Blick scheint es so. Eigentlich ist unsere Bequemlichkeit aber ziemlich entscheidend. Wann hast du das letzte Mal etwas aus Bequemlichkeit nicht getan? Wahrscheinlich erst gestern.

Und in vielen Fällen ist das ok. Weil zwischen Job, Studium und Haushalt manchmal kein Platz mehr für anderes ist. Wer nicht in der Großstadt lebt, ist nicht gerade umzingelt von veganen Restaurants oder flexiblen Speiseplänen. Nicht immer ist Zeit, Veganes selbst herzustellen. Und wer vegan einkauft, zahlt gerne bis zum Vierfachen des normalen Preises.

Natürlich ist ein veganes Leben umsetzbar. Man hat schnell raus, wie der Hase läuft. Vegan zu leben bedeutet aber erst einmal viele Gewohnheiten ändern, den ein oder anderen Verzicht und entweder kostet es viel Zeit oder viel Geld. In machen Phasen des Lebens (Hallo Stress!) ist das einfach schwer umsetzbar. Vielleicht ein dummer Grund, aber leider verdammt wahr.

Nachtrag 17. Juni. 16:

Aufwand und Selfcare

Veganismus hab ich ausprobiert, als ich mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt habe. Das Problem ist: Damit hört es nicht auf. Ich möchte auch möglichst wenig Müll produzieren, regional essen, faire Kleidung tragen, mich viel bewegen. Wenn man all das zusammenzählt, wird es irgendwann zu viel.

Man vergisst sich selbst unter all den Vorsätzen. Man versucht so sehr ein guter Mensch zu sein, dass man irgendwann nur noch verzichtet. Oder sich schlecht fühlt, nur weil man einmal seine eigene Vorgaben nicht eingehalten hat. Das ist Mist.

Mein Ziel ist es, bewusst und reflektiert zu leben. Dafür ist es wichtig, auf mich selbst zu hören. Auch wenn mein Verlangen eine Currywurst oder eine H&M-Hose ist.

Nährstoffmangel

Veganer haben erfahrungsgemäß oft Mangelerscheinungen. Gerade Vitamin D, Vitamin B12 und Calcium kommen bei pflanzlicher Ernährung oft zu kurz (Quelle: PETA). Durch eine bewusste Ernährungsweise können Veganer diesen Mangel natürlich ausgleichen. Sehr oft bleibt aber doch nur der Griff zu Präparaten. Und das ist die Krux.

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Mir ist es zuwider, Pillen jeglicher Art einzunehmen. Gerade, wenn es sich um die Abdeckung von Vitaminen und Nährstoffen handelt, die wir eigentlich ganz natürlich aufnehmen. Noch dazu sind die Präparate synthetisch hergestellt. Wie Ungewiss die Wirkung solch unnatürlicher Vitamine ist, wird hier aufgeführt.

In vielen Präparaten finden sich außerdem Stoffe, die selbst bei Veganer gar nicht supplementiert werden müssen. Mehr dazu hier. Medikamente, egal welche, schaden zudem immer der Niere.

Medizin und Gesundheit ist für mich als Nicht-Mediziner ein undurchsichtiges Feld. Meine eigene Gesundheit ist mir aber sehr wichtig. Ich möchte mich möglichst natürlich ernähren und nicht von Präparaten oder ähnlichem abhängig sein.

Ethische Bedenken

Mein Onkel ist ausgezeichneter Milchbauer. Als kleines Kind habe ich selbst die Milchmaschine an die Euter der Kühe gesteckt. Jede der rund 100 Kühe hat einen Namen. Ich kenne die ruhigen Milchkühe und den Bullen, vor dem ich noch heute tiefen Respekt habe.

Natürlich weiß ich auch, dass es nicht überall so läuft. Trotzdem darf man nicht den Fehler machen und alle Landwirte in eine Tonne stecken. In vielen tierischen Produkten steckt gute Milch von glücklichen Tieren.

Klar ist auch, dass die große Nachfrage der Masse nicht durch solch ethisch korrekte Höfe gesättigt werden kann. Drei Liter Milch in der Woche zu trinken kann nicht gut sein. Den Verzehr von Milchprodukten grundsätzlich zu verteufeln ist aber einfach Unsinn.

Das Gleiche gilt für Eier und Fleisch. Wer Kontakt zum Landleben hat, kennt bestimmt viele Landwirte, die sich beispielhaft um ihre Tiere kümmern. An Lebensmitteln aus guter Haltung kann ich keinen Fehler entdecken.

Viel mehr sollte es doch Ziel sein, sich bewusst zu ernähren. Nichts in Massen zu essen, sondern ausgewogen. Sich zu überlegen, welche tierischen Produkte notwendig sind und welche man ersetzen kann, ohne das es einen Unterschied macht. Kuhmilch durch Hafermilch zu ersetzen oder mit Apfelmus statt Eiern zu backen ist schließlich entsetzlich einfach.

Meine Learnings

Ich würde niemals wieder unreflektiert alles in mich reinstopfen. Ich kaufe keine Eier mehr im Supermarkt. Kuhmilch hab ich durch Soja- und Hafermilch ersetzt. Auch Fleisch gibt es bei mir nicht, da ich mir Biofleisch nicht leisten kann. Und mir Gemüse und Nudeln eh besser schmecken. In Restaurants erfreue ich mich hingegen an Biofleisch. Mein Last sind ganz klar Joghurt, Quark und Frischkäse.

Nachdem ich meine drei Gründe genannt habe, würde ich mich sehr über Eure Kommentare freuen – Kritik ausdrücklich erwünscht.

Vielleicht sind das auch nur drei Ausreden, vielleicht mach ich mir selber etwas vor. Für mich sind das momentan aber drei plausible Gründe, nicht mehr streng vegan zu leben. Ändern kann sich das jederzeit.

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2 thoughts on “Warum ich nicht mehr vegan lebe”

  1. Ich kann dich da echt gut verstehen und finde überhaupt nicht, dass das nur Ausreden sind. Letztendlich musst schließlich du wissen, was für dich am besten ist und wie du dich am wohlsten fühlt, egal wie unwichtig die Gründe auch zu sein scheinen 🙂 Und vor allem beim Thema Bequemlichkeit bin ich 100% bei dir – es ist einfach nicht das Gleiche, wenn man sich ständig Essen vorbereiten muss, schon für den ganzen Tag planen muss etc. Das ging mir als Studentin genauso und irgendwann hat mich das alles mehr gestresst als befreit.

    1. Hallo Sarah,
      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Ich bin froh, dass jemand versteht, dass das eben machmal der Tropfen Stress ist, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt. Nicht streng pflanzlich zu essen, heißt ja auch nicht, dass ich stattdessen wie wild Fleisch und Käse in mich reinstopfe 😀

      Lieben Gruß,
      Jana

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