Lessons learnt: Meine Erfahrungen als FreiberuflerIn – Teil 2

FreiberuflerIn Erfahrungen

Rund um das Freiberuflertum gibt es viele falsche Annahmen und Illusionen. So erlebe ich das freiberufliche Arbeiten:

Vor ein paar Monaten habe ich bereits über meine Erfahrungen im Home Office und als Freiberuflerin geschrieben. Da die zuvor genannten 5 Punkte längst nicht alles beinhalten, was man wissen sollte, gibt es heute den zweiten Teil:

6. Sei nicht so streng mit dir

Wie bereits erwähnt, zuhause arbeiten wir meist konzentrierter. Die Zeiterfassung darf man deswegen nicht so eng nehmen. Jedes Mal wenn ich mir ein Glas Wasser hole oder doch mal die Nachricht einer Freundin beantworte, stoppe ich meinen Timer längst nicht mehr. Denn diese kurzen Erholungspausen gehören genauso zur Arbeit, wie das Schreiben, Recherchieren und Beantworten von Mails.

Du musst lernen die Waage zu halten. Wer die Arbeitszeiten zu locker nimmt, bekommt irgendwann Ärger mit dem Auftraggeber. Und wenn du zu streng mit dir bist und nur jede absolute produktive Minute abrechnest, betrügst du dich selbst.

7. Hardware, Software und Wissen liegt in deiner Hand

Im Büro setzt du dich normalerweise ins gemachte Nest. Ein eigener Computer, Schreibtisch und Bürounterlagen sind selbstverständlich. Für Getränke und Snacks wird in vielen Büros auch gesorgt. Zuhause hast du diese Infrastruktur nicht.

Du benutzt deinen eigenen Computer, musst ihn dir für die Arbeit selbst herrichten und bei Problemen bist du selbst dein Ansprechpartner. Du bist dein eigener Systemadmin. Auch Fort- und Weiterbildungen liegen in deiner Hand. Das sorgt für eine Menge Freiheit, aber auch für viel Verantwortung. Du darfst den Anschluss nicht verlieren!

8. Ach, du liebe Rechnung

Dass du Aufträge und Arbeit selbst an Land ziehen musst, ist kein Geheimnis. Den Rattenschwanz, den akquirierte Aufträge mit sich bringen, sehen aber die wenigsten.

Rechnungen schreiben ist so ein Ding, mit dem ich mich wohl nie anfreunden werde. Und ich kann noch nicht einmal erklären, woran das genau liegt. Ebenso wenig mag ich es übrigens, E-Mails mit meiner angefügten Rechnung zu schreiben. Ich finde es immer wieder aufs neue komisch zu schreiben “Hey, bezahl’ mich!”. Aber das ist wohl eine Eigenart von mir.

9. Was sind Sozialkontakte?

An Tagen, an denen ich viel arbeite, sehe ich teilweise gar keine mir bekannten Menschen. Außer den lieben Mitarbeitern im Supermarkt. Ich bin gern allein, aber irgendwann fühle selbst ich mich etwas desozialisiert.

Durch meinen etwas unkonventionellen Arbeitsrhythmus werden Verabredungen mit Freunden oder der Familie schwer. Ich muss mich nach den Leuten mit festen Arbeitszeiten richten. Als Freiberuflerin habe ich eh das Standing, ja immer arbeiten zu können. Das kreative Arbeit nicht 9-to-5 planbar ist, vergessen Freunde gerne einmal.

Wer freiberuflich arbeitet, sollte sich also darauf gefasst machen, ab und an mal den Kürzeren zu ziehen. Und sich selbst bewusst machen, dass eine flexible Arbeitsplanung nicht heißt, die Arbeit um Termine mit Freunden herum zu bauen. Job ist Job und muss am Ende Rechnungen bezahlen. Wer während der Woche gerne gemütlich mit Freunden frühstückt, muss dafür vielleicht am Wochenende ran.

10. Das Leben ist kein Plan

Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr. So sehen deine Arbeitszeiten im Home Office einfach nicht aus. Planung und Gewissheit ist schön und gut, bringt als Freiberufler aber nicht den gewünschten Effekt.

Wer von der Auftragslage abhängig ist, kann sein Leben schwer vorausplanen. Natürlich kann und muss ich mir bestimmte Termine freihalten. Aber oft genug gibt es neue Aufgaben, die quasi sofort erledigt werden müssen. Am besten noch früher.

Wer zuviel plant, wird sicherlich nicht glücklich mit diesem Job. Generell kann man in kreativen Berufen kaum vorausahnen, wann einem “DIE IDEE” kommt.

Dazu kommen immer wieder Verzögerungen. Du bist mit deiner Aufgabe fertig und wartest nun auf die Freigabe eines anderen Mitarbeiters? Vielleicht kommt sie gleich, vielleicht um Mitternacht, vielleicht auch erst morgen Abend. Du weißt es nicht.

Lessons learnt: Ein halbes Jahr Home Office – Teil 1

Im Endeffekt ist die Arbeit als FreiberuflerIn Typsache. Die einen arrangieren sich mit den Nachteilen, die anderen sind einfach froh, wenn sie pünktlich um 5 Uhr das Büro verlassen.

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1 thought on “Lessons learnt: Meine Erfahrungen als FreiberuflerIn – Teil 2”

  1. Ein wirklich toller Beitrag, den ich so voll und ganz unterschreiben kann – gerade der Punkt mit den sozialen Kontakten, da geht es mir genau so. Werde mir nun erstmal deinen ersten Beitrag dazu durchlesen. 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Tina

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