Frei und unabhängig; aber nicht allein

Freiheit und Unabhängigkeit. Danach streben wir doch alle. Leider hab ich viel zu lange gedacht, so richtig frei und unabhängig könnte ich nur alleine sein.

Wer frei sein will, muss auch damit klar kommen allein zu sein“. Diesen Satz habe ich vor Jahren mal auf Twitter gelesen. Und er ist hängen geblieben, weil ich dachte, dass er wahr ist.

Machen was man will. Entscheidungen treffen und nur sich selbst fragen. Einfach reisen und umziehen und sich ein Tattoo stechen. Kleine, wie große Dinge, die man einfach tun kann ohne jemand anderen Rechenschaft zu schulden.

Ich glaube nicht an Freiheit als Tatsache. Freiheit ist ein Gefühl. Unabhängigkeit auch. Es geht nicht darum, wie frei von Konventionen man wirklich ist. Wie unabhängig von Familie, Job und Staat. Sondern darum, dass man sich so fühlt. Das Mindset muss stimmen.

Freiheit fühlen, Gemeinschaft wertschätzen

Wie ein wandelndes Klischee, habe ich mich auf meiner Südostasien-Reise das erste Mal so richtig frei gefühlt. Mit dem Scooter alleine durch Ubud fahren, allein an einem Flughafen ankommen ohne das mich jemand abholt. Morgens aufstehen und gehen wohin der Wind mich trägt. Ohne Kompromiss.

Andererseits habe ich während meines Auslandssemesters in Indonesien auch Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit so richtig zu schätzen gelernt. In einem fremden Land hab ich tolle Freunde und Bekannte gefunden, die mein Leben wirklich bereichert haben.

Und zwischen diesen beiden Welten habe ich verstanden, was Unabhängigkeit und Freiheit bedeuten. Ich kann mein eigenes Leben leben. Sachen allein wuppen, mein Ding machen. Und trotzdem wunderbare Menschen um mich haben.

Unabhängig zu sein, bedeutet auch andere einfach machen zu lassen. Selbstbewusste Entscheidungen treffen und auch anderen in ihr Leben nicht reinreden. Und wenn sich dann die Wege kreuzen, trotz der hunderten Möglichkeiten, die man hat, ist das doch der schönste Umstand der Welt. Eine Gruppe von Menschen, die sich gefunden hat, weil jeder einzelne gerne dort ist. Gemeinsam einen Moment genießen und die absolute Freiheit spüren.

Du bist nicht frei, du bist egoistisch!

Ich glaube, dass wie Unabhängigkeit zu oft mit Egoismus verwechseln. Immer darauf bestehen, sein eigenes Ding zu machen, ist vor allem egozentrisch. Keine Verpflichtungen eingehen zu wollen, zeigt meistens nur, dass wir uns dazu nicht bereit fühlen. Dass wir selbst als Mensch und Individuum noch nicht gefestigt sind.

Du kannst frei und unabhängig sein und trotzdem einen festen Freundeskreis haben oder in einer erfüllenden Partnerschaft. Sich frei zu fühlen heißt letztendlich mit sich selbst zufrieden zu sein. Nicht mehr das Gefühl von Rechtfertigung verspüren. Und keine selbstbezogenen Erwartungen mehr an andere zu stellen.

Love Fool: Wir glauben an die Liebe!

In Zeiten von proklamierter Beziehungsunfähigkeit gehen die Redakteurinnen vom amazed mag einen anderen Weg. Sie glauben nicht nur an Liebe, sie feiern sie.

Liebe bestaunen wir in Filme und traurigen Liedern. Aber wir selbst brauchen Freiheit und Unabhängigkeit; zumindest denken wir das.

Lass’ uns doch mal was Verrücktes tun und wieder an Liebe glauben!

Daran glauben, dass es einen Menschen gibt, mit dem dieser ganze Wahnsinn in der Welt zu ertragen ist. Mit dem man gern sein Bett teilt. Und seine Pizza. Jemand, der unsere Freiheit nicht einschränkt, sondern uns neue Perspektiven bietet.

Ja, klingt alles etwas kitschig. Aber auch sehr schön.

Die Mädels von amazed glauben noch an die Liebe. Und um die schöne Alltäglichkeit der Liebe zu beweisen, hat Antonia die Serie “Love Fool” geschaffen. Bisher hat sie mit einer Hochzeitsplanerin und einer Standesbeamtin gesprochen.

Beide Frauen können bestätigen: Liebe gibt es noch. Egal ob sie für drei Monate im Höhenflug oder drei Jahrzehnte reicht. Die Zahl der Paare, die zum Traualtar spaziert, steigt seit Jahren. Und dabei ist das Bild der Liebe längst nicht so antiquiert, wie man uns gerne glauben lassen möchte. Aber lest selbst:

Love Fool: Feiert die Liebe!

Wir brauchen ein Gegenstück – Hochzeitsplanerin

Let’s get married – Standesbeamtin

Liebe ist was persönliches. Wir alle haben unsere Erfahrungen und unsere Geschichten zu erzählen. Ob wir an Traumprinzen, Schicksal oder sonst was glauben ist jedem für sich überlassen.

Einen Gegengewicht zu setzen, gegen forever alone und dem komischen Verständnis von Unabhängigkeit, finde ich trotzdem wichtig.

Danke amazed💚

Black Friday: Gar nicht mal so cool

Black Friday und Cyber Monday locken jeden November Millionen Nutzer in Online-Shops und Geschäfte. Doch immer mehr Shops wehren sich gegen den Konsumwahn und setzen mit kreativen Ideen dagegen.

Passend zur Weihnachtszeit werden online und offline viele Produkte runtergesetzt. Mit Black Friday und dem Cyber Monday gibt es gleich zwei amerikanische Marketing-Feiertage, die nach Deutschland geschwappt sind. Möglichst viel und möglichst billig ist die Devise.

Dabei wurde Konsumverzicht in den letzten Jahr zum Trend. Minimalismus, Zero Waste, Decluttering sind nur einige Buzzwords mit denen man sich mittlerweile gerne schmückt. Secondhand und Vintage lassen die Herzen jedes Modemädchens höher schlagen. Verzicht ist längst zum Zeichen von Charakterstärke geworden. Magazine und Blogs sind voll mit Tipps für die Veränderung zu einem fairen Leben. Man könnte meinen, Nachhaltigkeit oder zumindest das Bewusstsein ist in den Köpfen angekommen.

Auf der anderen Seiten laufen Jugendliche und junge Erwachsene immer noch mit braunen Papiertüten durch die Gegend, in denen sich 12 Teile für nur 90 Euro sammeln. Billig hat also immer noch eine Anziehungskraft, die alle gute Vorhaben zerschellen lässt. Minimalismus und Nachhaltigkeit sind zu Lifestylebegriffen avanciert. Leere Worthülsen, die jeder selbst mit Inhalt füllt.


Black Friday ist der Tag nach dem amerikanischen Thanksgiving. Da Thanksgiving immer auf einen Donnerstag fällt, wird der darauf folgende Freitag gerne als Brückentag genutzt. Viele nutzen den freien Tag für ihre ersten Weihnachtseinkäufe. Der stationäre Handel, sowie Onlineshops locken zudem mit vielen günstigen Angeboten. 2006 hat Apple das Konzept nach Deutschland gebracht, mittlerweile haben sich viele anderen Läden und Marken angeschlossen.

Cyber Monday folgt auf den Black Friday. Ursprünglich war der Cyber Monday die Antwort der Online-Shops auf den Black Friday. Der Black Friday wurde anfangs nämlich nur von stationären Ladengeschäften durchgeführt. Mittlerweile finden jedoch Cyber Monday und Black Friday offline wie online statt.


Konsumgier ist so 90s

Die 90er waren laut, schrill und aufdringlich. Statussymbole waren wichtig, vor allem die Sichtbarkeit von ihnen. Zu große Pullover mit großem “Helly Hansen”-Aufdruck, teure Autos und viel Schnickschnack. Ich dachte, wir hätten das hinter uns gelassen. Minimalismus und Zurückhaltung wäre attraktiv geworden. Doch der Lifestyle scheint nicht mehr zu sein, als Platzfüller in Magazinen und netter Gesprächsstoff, der dich in ein positives Licht rückt.

Sobald das Sale-Schild ruft, sind all die guten Gedanken und Vorhaben vergessen. Wir verrückt wird in die Geschäfte gerannt und Quatsch, den man eigentlich nicht braucht, gekauft. Es wird wieder getrumpft. Mehr Tüten suggerieren mehr Erfolg auf der Jagd nach Schnäppchen.

Glücklicherweise gibt es Shops, die da nicht mitmachen wollen. Als Alternativprogramm zum Black Friday hat das Label Kancha 2014 den White Friday ins Leben gerufen. Statt zu sparen, zahlen Kunde und Shop drauf – für den guten Zweck. Andere Shops rufen uns ins Gedächtnis, dass Dinge repariert und recycelt werden können, statt sie neu zu kaufen. Eine Übersicht:

Jan’n’June

Der Onlineshop für faire Mode setzt auf Reparieren statt auf Neukauf. Auf dem Blog gibt es eine Tipps zum Aufpeppen von alten Jeans, das Annähen eines neuen Knopfs oder eines Reisverschluss.

Kancha

Kancha stellt nachhaltige Accessoires her. Das Design ist minimalistisch und richtet sich vor allem an technikinteressierte, junge Leute. Das Angebot reicht von Rucksäcken, über Kameragurte bis hin zu Geldbörse. Kancha fördert am Black Friday Empower Blind People in Kirgistan. Die Organisation bietet Hilfe im Umgang mit Blindheit für Betroffene und für Eltern mit blinden Kindern.

SoulBottles

Soulbottles designen und produzieren wunderschöne Trinkflaschen aus Glas. Hergestellt wird in Deutschland und das vollkommen plastikfrei und nachhaltig. Soulbottler unterstützen am White Friday WASH der Welthungerhilfe in Nepal, dass Menschen Zugang zu sauberen Trinkwasser ermöglicht.

Mehr Infos zum White Friday hier.

Auf wenn die Aktion vorüber ist, lohnt es sich in den entsprechenden Shops vorbei zugucken. Die Produkte sind fair und nachhaltig produziert und die Händler engagieren sich auch außerhalb der Weihnachtszeit für gute Zwecke.

H&M und Zign: Feminismus verkauft’s besser – oder?

H&M ist ein Riese im Modegeschäft und zeigt sich in seiner jüngsten Werbekampagne provokant. Eine Frau mit Glatze, eine andere mit Kurven und wieder eine andere zelebriert ihre Achselhaare. So sieht Weiblichkeit heutzutage aus. Doch wie kommt das an?

In den letzten Jahren brodelte der Feminismus vor allem im Internet. Alice Schwarzer war längst als Lachnummern verschrien, an Simone de Beauvoir erinnerte sich kaum jemand. Dann kam der #Aufschrei und anstatt zuzuhören, machte sich die Mehrheit lieber über den Netzfeminismus lustig und speiste Sexismus als Randphänomen ab.

Mit “Als Frau ekelt der Feminismus mich an” folgte ein anderer glanzloser Höhepunkt, der Feminismus auch in verstaubten Ecken zum Thema macht. Doch nach uns nach wurden die Feministinnen immer lauter und Meinungsführer, Blogger, Influencer hoben das Thema auf ihre Agenda. Nun ist überall von Anti-Bodyshaming die Rede und jeder Fashionblog schmückt sich in Girl-Gang-Garderobe.

Feminismus im Mainstream

Feminismus ist da angekommen, wo wir in immer haben wollten: Im Mainstream. Nur leider aus den falschen Gründen. Denn Feminismus ist nicht mehr gerecht, überfällig und fair, sondern einfach im Trend. Feministin zu sein ist ein bisschen edgy, zum Beispiel wenn wir unsere Haare wieder sprießen lassen oder Makel bewusst in Szene setzen. Davon lassen sich einige gerne provozieren und an der Tastatur beginnt ein kleiner Austausch von Gemeinheiten und Vorwürfen. Dabei geht es stets um “leichte” Themen, die sich schnell durch die Sozialen Medien schreien lassen. Zu kompliziert, umstritten, anachronistisch sind die Statements nicht. Klassischer Low-Risk-Aktivismus an der Tastatur.

Nun muss nicht jede Frau zur Femen werden und mit blanker Brust Protestparolen zum Besten geben. Wir müssen Frauen nicht weiter kategorisieren und sie in schlechte und gute Feministinnen einteilen. Und doch ist es scheiße, dass Themen und gesellschaftliche Missstände für viele erst zum Thema werden, wenn sie im Trend sind. Die ersten Mauern mussten andere durchbrechen, sich beschimpfen lassen. Wenn das Thema dann präsent ist und nicht mehr ganz so kontrovers, hüpfen andere mit aufs Pferd und schreiben sich den Erfolg mit auf die Fahne. Nachschreien was die Großen sagen für Anfänger.

H&M und das Label Zign knüpfen genau da an. Körper abseits des Schönheitsideals laufen schon seit Jahren durch die Dove-Werbung. Nun ziehen die großen nach. Während H&M sich bemüht möglichst viele Körpertypen zu zeigen, zeigt Zign die Ästhetik des vermeintlich Unperfekten. Beide Kampagnen sind wunderbar produziert und sorgen für das gewollte Medienecho.

Zign Schamhaare Herbstkampagne

Feminismus als Absatztreiber

Die Journalistin Xenia Mayer beschrieb schon von mehreren Wochen auf ihrem Blog „Groschphiloshophin“ dass Feminismus und die Facetten der Weiblichkeit von der Bewegung zum Verkaufsargument verkommen. Das Marketing von H&M und Zign ist danach weniger mutig, sondern eher berechnend. Sympathiepunkte für die Marke.

Doch während Blogs und Online-Magazine die Werbekampagne trotz einiger kritischer Töne loben, offenbart ein Blick in die Kommentarspalten das eigentliche Problem: Der Schönheitsanspruch an Frauen hat sich nicht verändert. Auch in den Köpfen vieler Frauen und Mädchen nicht. Wer die Twitter-Timeline voller Feministinnen hat und sich den ganzen Tag durch Blogs und linke Magazine klickt, wird den Feminismus als stark und präsent wahrnehmen. Doch, nicht jeder liest Blogs und Meinungsmedien. Ein Großteil denkt beim Feminismus eben immer noch an Alice Schwarzer und fasst ein Po-Grapscher als Kompliment auf.

Die Kommentare für die H&M-Kampagne sind bei Youtube deaktiviert. Doch natürlich lassen sich Befürworter und Gegner auf anderen Netzwerken nicht den Mund verbieten. Und dem Hashtag “Ladylike” sammeln sich in sozialen Medien die Kommentare, Online-Publikationen berichten breit über die Kampagne. Dazu gibt es unheimlich viele positive Kommentare, vorwiegend von Mädchen und Frauen, die sich endlich verstanden fühlen. Die sich darüber freuen, dass sehr trainierte und pummelige Frauen nebeneinander funktionieren können.

“Hart abartig”

Dann sind da noch die anderen Kommentarschreiber. Der eine findet Achselhaare “hart abartig”, ein anderer schlicht “unhygienisch”. Andere finden, jeder sollte sein dürfen wie er will, aber doch bitte nicht auf “nüchteren Magen” in der Werbung. Ein Facebook-User findet den Ausdruck “ungepflegte Dinger” passend.

Die Facetten der Weiblichkeit zu zeigen ist nur ok, solang sie ins eigene Ideal gedrückt werden kann. Und bei den Kommentaren geht es meist nicht um die Modifikation des Körpers durch Muskeln oder Glatze, sondern um Natürlichkeit. Dicke Frauen, im besten Licht, durch Photoshop ein bisschen glatter gebügelt, das stört nur noch die letzten Idioten. Haare, Dehnungsstreifen, schiefe Zähne und unreine Haut regt die Masse auf. Nicht generell, sondern erst wenn sie es sehen müssen. Vielleicht, weil es an die eigenen Makel erinnert. Oder weil es einfach nicht in das eigene Weltbild passt.

Zign Herbstkampagne Braces

Ob positiv oder negativ, H&M hat eine Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen. “Richtig gutes Marketing” attestierten viele dem schwedischen Modekonzern. Doch so einfach ist das nicht. Was ist schon gutes Marketing? Dazu gibt es zahlreiche Theorien, Leitfäden und Geheimrezepte. Doch im Konsens stehen am Ende immer Emotionen. Gute Werbung berührt. Sie sorgt für Freude, Wut, Ärger.

Eine Frau, die sich bereits intensiv mit Feminismus und Körperkult beschäftigt hat, wird bei der H&M-Kampagne nur müde lächeln. Sie kauft bei Marken, die längst realistische Frauenbilder zeigen, für sie ist das nichts neues. Erst bei Menschen, die im Alltag nicht mit diesen Dingen konfrontiert sind, wird die Werbung zum Ereignis. Und die Reaktion zur Emotion. Vielleicht können die Kampagnen bei ihnen von Ablehnung oder Unwissen zum Verständnis führen.

Die Werbekampagnen und Blogbeiträge sorgen für ein erstes Bewusstsein. Sie verschaffen Aufmerksamkeit und heben das Thema in das Zentrum der Gesellschaft, wo es eigentlich schon lange sein sollte. Wo ich dachte, dass es schon ist. Nun liegt es an uns, unsere wohlwollenden Kommentare auch in der Realität wahr zumachen. Unsere Meinung auch dann zu sagen, wenn uns kein Display schützt.

Menstruationstasse – Weg mit dem Ekel

Die Menstruationstasse ist die neue Alternative zu Binden und Tampons. Warum sich ein genauer Blick lohnt. Und was das alles mit einem besseren Körpergefühl zu tun hat.

In der Pubertät habe ich meinen Körper gehasst. Ich hab mich nicht einmal sonderlich mit ihm auseinander gesetzt, weil ich mich selbst nicht mochte. Ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zur eigenen Sexualität war gar nicht möglich. Zum Glück hat sich das inzwischen geändert. Daher finde ich es heute umso wichtiger, auf meinen Körper zu hören und anderen ein positives Körperbild zu vermitteln.

Hör auf, dich selbst ekelig zu finden

Wenn es um Menstruation geht, verziehen viele Männer angewidert das Gesicht. Schon das ist traurig genug. Doch auch viele Mädchen und erwachsene Frauen kommen mit dem, was jeden Monat passiert, nicht wirklich klar. Tampon rein und fertig!

Während wir beim Sex alle möglichen Schweinereien machen, werden Körperflüssigen sobald wir angezogen sind auf einmal widerlich. Nein, niemand muss Blogartikel darüber schreiben oder Gespräche über die Konsistenz führen. Doch ein natürlicher, selbstständiger Umgang mit der Menstruation ist wichtig. Schon allein für die Beziehung zu deinem eigenen Körper. Es ist nicht eklig oder abnormal. Es ist auch nicht unhygienisch. Es ist dein Körper.

Was ist eine Menstruationstasse?

Die Menstrautionstasse ist, wenn man denn will, ein kleiner Schritt zu mehr Kontrolle und Natürlichkeit während der Periode. Die Erfindung ist relativ neu und seit ein paar Monaten im Internet heiß diskutiert.

Es handelt sich um eine Silikontasse, wobei die Form eher an einen Fingerhut erinnert – nur etwas größer. Statt Tampons oder Binden können diese Tassen während der Periode benutzt werden, um das Blut aufzufangen, statt einzusaugen.

Die Menstrautionstasse fühlt sich dank des Materials sehr angenehm an. Statt jedes Mal aufs neue Tampons zu kaufen, kann die Tasse mehrere Monate, vielleicht sogar Jahre benutzt werden. Außerdem entsteht kein Müll. Und die Vaginaflora wird durch das Silikon nicht beeinflusst.

Tragen kannst du die Menstruationstasse 4 bis 12 Stunden, je nach Stärke deine Menstruation . Den Rhythmus findest du bestimmt schnell selbst heraus. Beim Wechseln wird die Tasse kurz mit heißen Wasser ausgespült. Nach dem Ende der Periode wird der Silikonhut einmal mit heißem Wasser drei Minuten abgekocht. Der Aufwand hält sich also in Grenzen.

Die Benutzung ist am Anfang etwas weird

Die Vorteile haben mich überzeugt es auszuprobieren. Und was soll ich sagen. Am Anfang ist es ziemlich merkwürdig. Die kleinste Größe hat einen Durchmesser von ca. 3 cm und wir durch ein Knicken des Materials eingeführt. Ganz schön kniffelig am Anfang.

Auch das Herausbekommen ist am Anfang ungewohnt. Mithilfe der Beckenbodenmuskulatur musste ich selbst etwas nachhelfen. Am Anfang komisch und mühsam, aber nach ein paar Mal hatte ich den Dreh raus. Sobald ich etwas geübter war, ging das Wechseln auch genauso schnell wie mit einem Tampon.

Die Benutzung erfordert in jedem Fall ein bisschen mehr Körpereinsatz. Ein bisschen Körpergefühl und -bewusstsein können daher nicht schaden. Doch am Ende ist die Verwendung eben auch nur eins: Gewohnheit. Die ersten Versuche mit Tampons waren für dich mit Sicherheit auch merkwürdig. Doch spätestens beim dritten Zyklus gewöhnt man sich dran.

Ich bin momentan in Jakarta. Hier gibt es nur Binden, aber keine Tampons zu kaufen. Über meine Menstruationstasse bin ich also wirklich dankbar. Außerdem bin ich froh, in einem Land mit Müllproblem nicht noch mehr dazu beizutragen.

Ihh, Blut

Zurück zu dem Ekel vor Blut. Mal ganz abgesehen davon, dass der Ekel vor deinem eigenen Körper unbegründet ist, ist auch die Benutzung von Binden und Tampons nicht blutfrei. Ihr alle kennt den Badezimmermüll oder das Massaker, wenn Ihr zu spät den Tampon wechselt.

Natürlich erfordert es am Anfang Überwindung direkt mit dem eigenen Menstruationsblut konfrontiert zu sein. Es macht keinen Spaß. Dafür hast du dich wieder mehr selbst unter Kontrolle. Und baust ein intime und gesunde Beziehung zu dir selbst auf. Schon deswegen lohnt sich das Ausprobieren.

Menstruationstassen findest Du zum Beispiel bei Amazon.

 

Benutzt du die Menstrautionstasse? Oder hast du noch Fragen vor der ersten Verwendung? Her damit, ich freue mich zu antworten.

 

Thinx: Unterwäsche für Frauen, die bluten

Menstruation verbinden die wenigsten mit Komfort und Wohlfühlen. Thinx will das ändern.

Thinx menstraution

Gespräche über Menstruation sind – soweit sie überhaupt stattfinden – oft verkrampft. Wie wichtig es ist, den eigenen Körper zu akzeptieren, habe ich bereits erklärt, als ich Euch Clue vorgestellt habe.

Als ich mich gestern Nacht im Internet herumgetrieben habe, bin ich auf ein weiteres interessantes Startup gestoßen: Thinx. Das Unternehmen aus New York stellt Unterwäsche für Frauen her. Im Gegenteil zu normaler Unterwäsche sind die Thinx genau auf die Periode von Frauen ausgelegt. Also für die Tage, wo herkömmliche Unterwäsche normalerweise versagt.

Alternative zu Tampons & Co

Die Slips bestehen aus mehreren Lagen, die das Blut absorbieren und auch die Bakterien bekämpfen. Die erste Schicht bleibt dabei immer trocken, so dass man nicht das Gefühl hat, in seinem eigenen Blut zu laufen.

Thinx

Klingt nach Windel? Sieht aber nicht so aus. Ganz im Gegenteil, die Slips, Hotpants und Strings sehen richtig gut aus und verleihen euch keinen gepolsterten Babypopo.

Den String gibt es bereits für 24 Dollar, er ist aber eher für leichte Tage gedacht. Für die schweren Tage gibt es die Hiphugger für 34 Dollar (etwa 30 Euro).  Zusätzlich kann an schweren Tagen eine Menstrautionstasse verwendet werden.

Im Gegensatz zu Tampons sind die Slips von Thinx natürlich deutlich besser für die Umwelt, da kein Abfall entsteht. Nach dem Benutzen könnt Ihr die Teile einfach kalt auswaschen und später mit der richtigen Wäsche waschen.

Thinx Modelle

Worth the try?

Ich werde mir Thinx auf jeden Fall merken und kann mir gut vorstellen, mir in der Zukunft ein, zwei Modelle zuzulegen. Gerade für die leichten Tage finde ich das eine super Idee, die auch noch toll aussieht. Ansonsten bleibe ich aber bei meiner Menstruationstasse.

Ich persönlich kann mir momentan nicht vorstellen, dass die Unterwäsche mich während der ganzen Periode begleitet, aber wer weiß, was ich nach dem ersten Ausprobieren sage. Kann eine von Euch von ihren Erfahrungen mit Thinx bereits berichten? Oder seid ihr dem gegenüber eher skeptisch und setzt auf bewährte Methoden?

 

Clue: Der digitale Menstruationskalender

Das eigene Körpergefühl per App tracken klingt intim und befremdlich. Es bringt uns aber auch mehr Bewusstsein für unseren Körper bei.

Die weibliche Menstruation ist tabuisiert. Erwachsene Männer scheuen sich aus Ekel und auch Frauen laufen bei dem Thema oft rot an. Eine moderne Auseinandersetzung mit dem Thema ist längst überfällig. Die App Clue bringt die Periode nicht nur ins digitale Zeitalter, sondern erleichtert auch das Bewusstwerden über den eigenen Körper.

Wie funktioniert das?

Clue ist mittlerweile eine recht umfangreiche App. Die Grundfunktion ist allerdings die Dokumentation der Menstruation. Dazu dient ein Kalender, indem du einfach die Tage vermerkst, in denen du deine Periode hast. Zusätzlich kann auch die Schwere der Blutung eingetragen werden.

Außerdem kannst du Daten zu deinem allgemeinen Wohlbefinden eintragen, in etwa Übelkeit oder Schwindel. Wenn du möchtest, kannst du auch Geschlechtsverkehr eintragen. Clue eignet sich nach eigener Angabe aber nicht zur natürlichen Verhütung.

Wenn du möchtest, erinnert dich Clue an deinen nächsten Zyklus, dem bevorstehenden Eisprung oder dem Ende deiner fruchtbaren Phase. Die Benachrichtigungen kannst du selbst einstellen und anpassen, damit du über das informiert wirst, wann dich interessiert. Die Push-Nachrichten sind für mich eine der nützlichen Punkte der App.

Clue App Menstruationskalender

Bringt das was?

Sein Körper- und Wohlbefinden zu notieren – ob online oder offline – ist Gewöhnungssache. Dass es Sinn macht, sich über seinen eigenen Körper mehr bewusst zu werden, muss ich wohl niemanden erklären. Clue unterstützt mich dabei von Monat zu Monat besser.

Dabei geht es nicht nur um die Regelmäßigkeit meiner Periode. Auch Unterleibs- oder Brutschmerzen werden dadurch getrackt. Für eine eigene Übersicht ist das super. Auch Zusammenhängen kann ich mir dadurch klar machen. Eine ärztliche Untersuchung und Absicherung kann eine App natürlich nicht ersetzen.

Bald sollen die Daten übrigens auch mit dem Partner teilbar werden. So sieht diese_r, ob ihre gerade Eure Periode habt oder dich andere Beschwerden beeinträchtigen. Für aufgeschlossene Paare sicherlich eine spannende neue Möglichkeit.

Was passiert mit meinen Daten?

Daten zur Gesundheit und zum Zyklus sind höchst privat – und das sollen sie auch bleiben! Deswegen halte ich den Blick auf die Datenschutzerklärung für dringend notwendig.

Clue lässt sich ohne Anmeldung nutzen. Wenn du das tust, sind die eingetragenen Daten nur auf deinem Gerät zu finden und Clue hat auf sie keinen Zugang. Per Mail kannst du deine Daten übrigen auch backuppen, wenn du keinen Account hast.

Wenn Ihr Clue mit Account nutzt, werde die Daten möglicherweise anonymisiert für klinische Studien zur Verfügung gestellt. Damit soll langfristig der weibliche Zyklus weiter untersucht und erforscht werden. Und natürlich soll Clue dadurch verbessert werden.

Wer steckt dahinter?

Intime Daten möchte ich eigentlich nur Vertrauenspersonen anvertrauen. Daher sind mir die Gesichter, die hinter der App stehen, wichtig. Ich möchte sicherstellen, dass wir die selben Ideale vertreten, wenn es um die Intimsphäre geht. Dass die App nicht von heute auf morgen ihre Datenschutzerklärung ändert oder meine Daten für Dritte verfügbar macht.

Hinter Clue steht Ida Tin. Die Dänin wurde 2015 sogar zur “Female Entrepreneur of the year” gekürt. In Interviews mit ihr wird schnell klar, dass sie Clue vor allem als Möglichkeit sieht, das eigene Körpergefühl zu verbessern. In Zukunft soll Clue durch die Auswertung der Daten dir vorhersagen können, wann du körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen bekommst. Und wann es besser ist, einen Arzt aufzusuchen. Laut Tin soll die App irgendwann bei der Kommunikation mit dem Arzt helfen und eine Schnittstelle bilden.

Ob du deine intimsten Daten mit einer App teilen möchtest, ist natürlich dir überlassen. Wenn du aber oft körperliche Beschwerden hast oder ständig vergisst, wann du das nächste Mal deine Tage bekommst, ist das Ausprobieren für dich bestimmt spannend und hilfreich.

Kennst du weitere Apps oder Webadressen, die die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit moderner machen?

Ich hab übrigens schon vor zwei Wochen darüber geschrieben, wie sich das Frauenbild in den letzten Jahren verändert hat > “#Girlboss: Was ist das eigentlich?