Leider nur durchschnittlich: “Im Westen Nix Neues” von Prinz Pi

Mit den drei im Vorfeld veröffentlichten Songs hat Prinz Pi unterschiedliche Facetten gezeigt und große Hoffnung auf sein zwölftes Album gemacht. Diese Versprechen kann “Im Westen Nix Neues” leider nicht halten.

Fast einem Jahr nach seinem Prinz Porno Rival kehrt Prinz Pi wieder zu seinem neuen Selbst zurück. Statt dreckigem Sound und betont überheblicher Rhetorik, kommen mit Pi nachdenkliche Texte und ergreifende Melodien zurück.

Brücke zu “Kompass ohne Norden

Gleich mit dem ersten Song “Rebell ohne Grund (Kompass Reprise)” schlägt Prinz Pi eine Schleife zu seinem Vorgängerwerk von 2013. “Ist mir auch heut nicht peinlich, jede Zeile passt für immer” nimmt er allen Kritikern den Wind aus den Segeln, die die Themen von KoN als zu jugendlich für einen 30-Jährigen empfanden.

Ansonsten klingt das Album allerdings deutlich ernster als der Vorgänger. Auch der Wiedererkennungswert fehlt bei den meisten Songs. “Familienalbum Seite 19” schafft es allerdings gerade durch den eingängigen Refrain im Gehör zu bleiben und erinnert im Sound sehr an “Rebell ohne Grund“.

Die lyrische Eleganz fehlt

Die größte Stärke von Pi war immer das Geschichtenerzählen. Die Treffgenauigkeit seiner Texte hat mich oft berührt, mich gestärkt und mir weiter geholfen.

Auf IWnN gibt es wenige Zeilen, die sofort aus meinem Herzen sprechen. Beim ersten Hören ist kaum ein Song hängen geblieben. Die Themen, die Pi auf dem Album behandelt sind klasse und wichtig. Ob das Lügengebilde, das wir um uns herum schaffen (“Die Füllung von Kissen“) oder die Kritik an der hiesigen (Konsum)gesellschaft wie in “Kartenhaus“.

Während ältere Songs aber meist mindestens eine prägnante Zeile hatten, sucht man diese heute teils vergeblich. Die Message der Songs ist großartig, aber es fehlt die Zitierfähigkeit.

Viel musikalische Abwechslung

Der musikalische Feinschliff auf “Im Westen Nix Neues” ist erneut großartig. Mal fette Beats (“Weiße Tapete“, “Werte“), mal tolle musikalische Instrumentierung. Dadurch wirkt es abwechslungsreich und erzeugt durchaus eine gewisse Spannung beim Hören.

Die große Ballade fehlt leider. Auch wenn “1,40” schön ist und tolle Ideale anspricht, ist es zu mainstream, um richtig zu berühren. “Ballade für Jojo” beschäftigt sich mit den Wirren des Liebesleben Pis. Wirkt aber leider lieblos geschrieben und kommt nicht im Ansatz an Klassiker wie “Du bist” heran.

Fazit: Leider enttäuschend

Nach den tollen Vorab-Veröffentlichungen habe ich mit Großem gerechnet. Leider kommt das Album nicht im Entferntesten an meine Erwartungen heran. Ich hab mehr Tracks wie “Weiße Tapete” erwartet und auf ein neues schönes Liebeslied gehofft.

Allerdings muss ich auch sagen, dass das Album mit jedem Hören besser wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Songs erst nach mehrmaligem Hören ihr volles Potential entfalten. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das Album besonders oft hören werde.

 

Lesetipps: Bücher zu Weihnachten

Für Menschen, die gerne und viel lesen sind Bücher das perfekte Weihnachtsgeschenk. Vorausgesetzt natürlich, dass der Beschenkte, das Buch noch nicht gelesen hat. Daher heute Bücher, die auch Leseratten nicht unbedingt kennen.

Gelöscht” von Teri Terry / Drama, Jugendbuch

Im England der Zukunft werden auffällige Jugendliche “geslatet”. Ihre Erinnerung werden gelöscht und sie werden in eine neue Familie integriert und bekommen so eine zweite Chance Teil der Gesellschaft zu werden. Auch Kyla wurde geslated, merkt aber schnell, dass bei ihr nicht alle Erinnerungen gelöscht wurden. Obwohl sie sich gut in ihre neue Umgebung integrieren konnte, beginnt sie, dass System in Frage zu stellen.

Gelöscht” ist der erste Band einer dreireihigen Serie. Das erste Buch ist wirklich spannend und die gezeichnete Welt nimmt euch sofort in ihren Bann. Auch wenn ich die anderen Bücher der Serie noch nicht gelesen habe, ist das für mich ein ganz heißer Kanditat für Liebhaber von “Tribute von Panem” und Co.

Auf den ersten Blick” von Danny Wallace / Roman

Jason wurde von seiner letzten Freundin verlassen und blickt seitdem eher kritisch in die Zukunft. Als er eines Tages eine Frau beim Einsteigen in ein Taxi hilft, ist es sofort von ihr begeistert. Leider hat er in all der Aufregung kaum ein Wort herausgebracht. Beim Einsteigen hat die Frau allerdings eine Einwegkamera verloren, die Jason entwickeln lässt. Mit Hilfe der zwölf Fotos versucht er die Frau zu finden.

Liebesgeschichten aus der Perspektive eines Mannes sind ja eher eine Seltenheit. In “Auf den ersten Blick” begleitet man nicht nur den äußerst sympathischen Jason, sondern wird auch Zeuge eine eher ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Zusammen mit seinem besten Freund Dexter ergibt sich ein wunderbares Duo, die man auf ihrer gemeinsamen Suche wirklich gern begleitet.

Tschick” von Wolfgang Herrendorf / Roman

Mark hat nicht viele Freunde und wird die Ferien wahrscheinlich am Pool seiner Eltern verbringen. Und dann steht Tschick vor der Tür. Tschick, der Klischee-Ausländer, der mit Plästiktüte als Schultasche zum Unterricht kommen. Ohne Ziel und Plan fährt das ungleiche Duo mit einem geklauten Auto durch die Republik und erlebt jede Menge unvorhersehbare Abenteuer.

Dieses Buch sollte eigentlich jeder kennen. Da ich aber gehört habe, dass es tatsächlich Menschen gibt, die dieses Buch noch nicht gelesen haben, musste es mit auf diese Liste. Die Geschichte ist wunderbar rührend, komisch und ein bisschen neben der Spur. Ein toller Roadtrip, der 2016 auch in die Kinos kommen wird.

 

Forbidden” von Tabitha Suzuma / Drama

Maya und Lochan sind selbst noch Teenager müssen sich aber  gemeinsam um ihre drei jüngeren Geschwister kümmern. Ihr Vater ist vor vielen Jahren verschwunden und auch die Mutter schaut nur noch sporadisch vorbei, da sich inzwischen einen neuen Freund hat. Mit der Zeit entdecken Lochan und Maya das sie mehr füreinander fühlen als es für Geschwister üblich ist. Sie beginnen heimlich eine Beziehung. Immer mit der Angst, ihre Geschwister oder gar das Jugendamt bekommen Wind von der Sache.

Das Buch legt immer wieder Spagat hin, zwischen Gefühlen und Gesellschäftsnorm. Auch wenn das Buch am Anfang ein paar Längen hat, passiert am Ende auf einmal alles Schlag auf Schlag. Empfehlenswert für jeden, der sich gerne mit kontroversen Themen beschäftigt. Und das Ende ist ziemlich diskussionswürdig.

Tausendundein Tag” von Hera Lind /Biografie

Katharina hat ein eindrucksvolles Leben hinter sich. Nach ihrem hervorragenden Abitur heirratet sie den Piloten Frank und verbringt nunmehr die Zeit mit Haus putzen und Wäsche waschen. Als ihre Liebe scheitert, findet sie ihr Glück mit einem neuen Mann und folgt ihm in den Iran. Dort lebt sie verschleiert und wird täglich mit der schmerzhaft anderen Kultur konfrontiert.

Tausendundein Tag” ist ein eindrucksvolles Buch, das auf einer wahren Begebenheit beruht. Auch wenn der Schreibstil nicht unbedingt mein liebster ist, ist die Geschichte unglaublich berührend. Auch hier kommen Fans bewegender Lebensgeschichten voll auf die Kosten.

Kanada” von Richard Ford / Roman

Dell ist gerade 15 Jahr alt, als seine Eltern eine Bank überfallen. Durch ihre amateurhafte Flucht werden die beiden schon bald geschnappt. Damit Dell nicht ins Jugendheim muss, organisierte seine Mutter noch vor ihrer Verhaftung die Flucht nach Kanada. Dort lebt Dell unter falscher Identität und entdeckt die sonderbaren Charaktere und ihre Geschichten.

Die erste Hälfte des Romans lebt von Dells Eltern und ihrem missglückten Banküberfall. Das ist großartig und anschaulich beschrieben und lässt einen so manches Mal den Kopf schütteln. Es ist generell die Erzählweise, die das Buch zu einem perfekten Schmöker für kalte Wintertage macht.

Mein zweites Leben” von Christine F. / Biografie

Über dieses Buch habe ich bereits einen Beitrag verfasst. In dieser Biografie erzählt Christiane F. von ihrem Leben nach “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die Lebensgeschichte der Frau ist wirklich kaum zu glauben. Manchmal schön, manchmal endlos traurig und oft auch ziemlich wirr.

Ich hab das Buch innerhalb eines Tages verschlungen, weil ich die Geschichte so spannend und gleichzeitig unwirklich fand. Wer sich für Persönlichkeiten interessiert, liegt mit diesem Buch genau richtig.

 

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Serientipp: The Affair

Bei Beziehungen zwischen zwei Menschen gibt es immer zwei Blickwinkel – und die Wahrheit. Darum geht es auch in der Serie “The Affair”. Sie erzählt eine Liebesgeschichte aus der Sicht beider Liebenden.

Noah und Alison sind in einer Beziehung, allerdings nicht miteinander. Beide leben in einer glücklichen Ehe, bis sie in einem Ferienort aufeinandertreffen. Alison arbeitet und lebt dort, Noah ist im Familienurlaub. In dem kleinen Ort treffen die beiden sich immer wieder und es kommt zum Unvermeidlichen.

Das Besondere an “The Affair” ist aber nicht die Geschichte, sondern die Erzählweise. Abwechselnd wird aus der Sicht von Noah und Alison erzählt. Die Geschehnisse überschneiden sich oft und doch ähneln sie sich nur. So gibt aus Alisons Sicht Noah die Impulse für die Affäre, während es aus Noahs Perspektive natürlich andersherum ist. Die Serie zeigt, wie trügerisch unsere Erinnerungen sind und wie wir sie selbst manipulieren. Aber auch unsere eigene Moral wird hinterfragt. Darf man betrügen? Wie ehrlich muss man zum Partner und Expartner sein?

Der Erzählton ist meist ruhig. Unangenehme Momente werden ausgereizt, die schönen ausgekostet. Die Gefühle der Charaktere lassen sich wunderbar an den Gesichtern ablesen. Durch die verschiedenen Blickwinkel, in der 2. Staffel werden es sogar noch mehr, nimmt die Story natürlich nur langsam Fahrt auf. Aber die Details, die Unstimmigkeiten in den Schilderungen sind genau das, was die Serie ausmacht. Ich bin auf jeden Fall sehr begeistert.

Die  2. Staffel ist derzeit bei Amazon Prime zu sehen. Jeden Dienstag gibt es eine neue Folge. Die 1. Staffel ist außerdem auf DVD erhältlich.

Nostalgie & Wahnsinn: Radio Nukular

Videospiele, animierte Serien und lustige Comics werden viele mit ihrer Kindheit und Jugend verbinden.  Oft und gerne denken viele an die schöne Zeit als das größte Problem noch das Erreichen des nächsten Levels war und man sich nachmittags zum spielen verabredet hat. Noch heute vergehen heute im Freundeskreis viele Abende gefüllt mit Anekdoten Erinnerungen. 

Quelle: radionukular.de
Quelle: radionukular.de

Unter dem Namen Radio Nukular widmen sich drei Herren, die die Liebe zum Fandom vereint, genau dieser Nostalgie. Max Nachtsheim, der vielen unter seinem Rapper-Pseudonym “Rockstah” bekannt sein dürfte. Chris, Redakteur bei gameswelt und damit einer der Glücklichen, die ihr Lebensunterhalt mit Videospielen verdienen. Komplettiert wird das Trio von Dominik Hammes, der als Teil von der Medien-KuH bereits Podcast-Erfahrungen mitbringt.

Jede Folge beschäftigen sich die drei mit einem anderen Thema, dass die Kindheit und Jugend vieler Menschen begleitet hat. So geht es mal um Videospiele, Fernsehserien oder gleich um eine bestimmte Konsole. Die Themen spiegeln nicht nur ihre Interessen wieder, sondern beschäftigen sich mit Dingen, die früher (und zum Teil noch heute) allgegenwärtig waren. Selbst wenn man Spiele wie Call of Duty oder Resident Evil nie gespielt hat, unterhält einen die Mischung aus lustigen Geschichten, Insiderinfos und Spielerfahrungen.

Die einzelnen Episoden haben eine Dauer von bis zu vier Stunden, wobei man nicht selten liebend gern an der Unterhaltung mitwirken würde. Das funktioniert auch aufgrund der großartigen Zusammenspiels der Akteure. Dominik sorgt immer wieder für die nötige Struktur und hat vor allem bei TV und Kino viel Hintergrundwissen, während Max besonders gut auf den Punkt bringen kann, was an Spielen, Filmen usw. so richtig stört. Seine kleinen Tobsuchtsanfälle sind ebenso witzig wie die Informationen von Chris interessant. Seine Erfahrungen und sein Wissen als Redakteur lässt er wunderbar mit einfließen.

Neben all dem Rumgealber und “Wissensgewichse” bleibt aber auch Platz für ernste Themen. In der Zeit in der sich die Geschichten von Radio Nukular abspielen, waren bunte Comichelden auf der Leggins und Videospielaffinität noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Nicht umsonst trägt der Podcast den Untertitel “Ein Vergangenheitsbewältigungsposcast”. Umso schöner ist es zu erleben, was Chris, Max und Dominik aus ihrer Leidenschaft machen konnten und wie viele positive Erfahrungen sie mittlerweile damit verbinden können.

Von “Radio Nukular” sind bisher fünf Episoden erschienen. Hier könnt ihr euch den Spaß runterladen. Viel Spaß!

Kritik: Christiane F. >>Mein zweites Leben<<

 

„Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ prägte nicht nur unsere Generation, sondern vor allem die unserer Eltern. Der schamlose Bericht eines drogensüchtigen Teenagers, der für die Sucht seinen Körper verkauft ging um die Welt und berührt auch über 30 Jahre später Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Seit dem Erfolg des Buches gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen über das weitere Schicksal von Christiane F. – ihr zweites Buch klärt uns endlich auf.

ChristianeF-collage

Schon 2013 veröffentliche Christiane F. mithilfe der Journalistin Sonja Vukovic ihre Autobiographie „Christiane F. – Mein zweites Leben“. Die mittlerweile 52jährige reflektiert den damaligen Erfolg, nimmt uns mit in viele Jahre Unsicherheit und erzählt und von Weggefährten und –begleitern ohne die Christiane heute vielleicht nicht mehr unter uns weilen würde.

Sonja Vukovic gibt einen Einblick in ihre Motivation über den Mythos Christiane F. zu schreiben und betrachtet von außerhalb die Entstehung des Antihelden durch den riesen Erfolg des Buches. Christiane berichtet offen über weitere schlimme Jahre der Drogensucht, aber auch über schöne Tage mit ihrem Sohn. Die Erzählstruktur ist oft wirr und voller Lücken. Was aus jenen Menschen geworden ist, wie sich Situationen aufgeklärt haben – vieles erfährt man nicht in ihrer Biographie.

Vielmehr versucht sie vieles richtig zu stellen, was damals falsch wiedergegeben oder aus jugendlicher Naivität preisgegeben wurde. Ihr Vater sei kein gemeiner, alkoholsüchtiger Mann, wie man es damals in „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ lesen konnte. Doch all die Beteuerungen nimmt man ihr nicht immer ab. Ebenso schwer vorstellbar ist ihr dargestellter Umgang mit ihrer Vergangenheit auf dem Kinderstrich. Sie selbst mache daraus kein großes Ding mehr, wenn man jedoch von ihren Reisen und Problemen liest, ist man sich als Leser sicher, dass ihre Jugend tiefe Narben hinterlassen hat.

Ihre eigene Vergangenheit betrachtet sie oft nüchtern, ihre Geschichten und Gedanken wirken sorglos und trotzdem fängt man an sie zu bedauern, weil das alles für einen Menschen, der wohlbehütet aufwuchs, schwer vorstellbar ist. Über ihr Verhalten ärgert man sich anderer Stelle aber auch. Ihre fehlende Weitsicht und ihre nie verlernte Naivität machen fassungslos. Auch den eigenen Starkult den sie mit dem Buch versucht um sich aufzubauen, löste bei mir Befremdlichkeit aus. Sie zählt Stars und Berühmtheiten auf, mit denen sie rumhing und wie unspektakulär sie sich am Ende herausstellten. Sie versucht sich als Nabel der Welt zu verkaufen und scheitert dabei.

Fazit

Das Buch hat mich unheimlich bewegt und mich beim Lesen kaum losgelassen. Die 333 Seiten habe ich innerhalb eines Tages gelesen, weil ich unbedingt hinter die teils wirren Gedanken von Frau F. kommen wollte. Auch nach der Lektüre bleiben viele Fragen zurück, vor allem aber bleibt das Bild einer Frau, die nie gelernt hat auf sich selbst aufzupassen und trotzdem in vielen Momenten Stärke bewiesen hat.

 

TV-Kritik: Kay One sucht Prinzessin

Schon als die Show, in der der Rapper Kay One seine Traumfrau sucht, angekündigt wurde, war klar, dass sie für Furore sorgen wird. Nicht nur sämtlich Rapkollegen, sondern auch alle Liebhaber und Kritiker des Trash-TVs werden sich über jede Sekunde das Maul zerreißen. Schlussendlich ist die Show zwar öffentlichkeitswirksamer Klamauk – bietet aber durchaus Unterhaltung.

Prince Kay One hat sich an der Seite von Bushido einen Namen als Rapper machen können. Vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit erreichte der endgültige Splitt zwischen ihm und seinem früheren Mentor. Ein paar Disstracks und unzählige gehässige Kommentare im Web folgten. Kay hat inzwischen ohne ersguterjunge ein Album veröffentlicht, sowie in der DSDS Jury neben Dieter Bohlen gewaltet. Bei RTL 2 sucht er seit gestern Abend seine Prinzessin.

Das Setting

Nach einem ellenlangen Einspieler einzelner Sequenzen, wird Kay One als millionenschwerer und unglaublich erfolgreicher Rapper vorgestellt. Es folgt die Präsentation der Unterkunft für die nächsten Tagen: Eine weiße 1000 qm2 Villa auf Mallorca. Wie üblich, gehört die Villa natürlich nie Kay One, sondern wurde einzig für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Zusätzlich fährt Kay One mit einem weißen Lamborghini vor, der ihm auch nicht gehört. Er erklärt auch gleich, warum er das Fernsehen gewählt hat, um seine Traumfrau zu finden. Die bisherigen Frauen, die er kennengelernt hat, hatten einfach keinen guten Charakter. Frauen, die es sogar wagen für ihn ins Fernsehen zu gehen (und sich bloßstellen), denen liegt wirklich etwas an Kay, so seine Theorie.

Als Entscheidungshilfe dient Goldpinsel, dessen Namensurspung ich bis heute nicht ganz verstanden habe, der aber sonst super sympathisch wirkt und eigentlich die ganze Zeit mit den Mädels rumhängt. Daneben tritt Kays bester Freunde Alex in Erscheinung, der absolut keine Aufgabe und Relevanz in dem Spektakel hat. Negativ aufgefallen ist Kay One persönlicher Buttler names Kay Two, der von einem kleinwüchsigen, älteren Mann dargestellt wird. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder Einspieler, wo “Kay Two” den Boden mit einer Zahnbürste putzt oder ähnliches. Einen Sidekick kann man durchaus charmanter wählen und präsentieren. Finde ich vollkommen unangebracht.

Die Kandidatinnen

Der wichtigste Bestandteil der Sendung sind natürlich die Frauen. Vor 18 bis 32, von blond bis grün, alles ist dabei. Nachdem uns die Berufe der Frauen vorgestellt wurden (vorwiegend im Erotikbereich), dürfen sich alle erstmal richtig blöd dabei anstellen, die Steintreppe zur Villa hoch zu steigen. Es wird geschimpft und geflucht. Das dauert, bis alle oben sind. So stolpert und z.B. die 18jährige Nadine vor die Füße, die gerade ein Haus baut (“Also die Planung steht schon”), aussieht wie KimGloss und eher besessen als verliebt in Kay One ist. Als die sehr sympathisch wirkende Sarah ein Date mit dem begehrten Prinzen hat, dreht Nadine mental fast durch. Eine blonde Dame, die sagenhafte sieben Intimpiercings vorweisen kann und im Einzelgespräch eher durch Taten als durch Worte zu überzeugen versucht, macht sich binnen zwei Minuten bei allen Mädchen unbeliebt. Außerdem gecastet wurde die Serbin Sasa, die zugibt ein kleines Geheimnis zu haben, welches sie ganz offensichtlich zwischen ihren Beinen verbirgt. Böses Produktionsfirma. Daneben gab es noch 7 andere Mädchen, die alle aus irgendeinem Grund ins Fernsehen wollen.

Der Verlauf

Zunächst lernt Kay alle Mädchen im Gespräch kennen, in dem er die Frauen beispielsweise fragt, wann sie zuletzt Sex hatten oder die Mädchen ausfragt, welche Songs sie denn von ihm als Rapper kennen. Auch wenn der Millionär Kay nicht möchte, dass eine Frau ihn seines Geldes wegen datet, ist ihm schon wichtig, dass sie seine Musik kennt. Nach dem ersten Eindruck dürfen auch schon die ersten zwei Mädchen wieder gehen. Es folgt ein Abendessen, bei denen er die Frauen immer wieder vor den Kopf stößt und offensichtlich Gefallen daran findet, sie gegenseitig gegeneinander aufzuhetzen. Am nächsten Tag darf sich die liebe Sarah auf ein richtiges Date mit Kay freuen, welches leider jäh unterbrochen wird, weil ein Mädchen in der Villa vollkommen überstürzt ausziehen will, aber schließlich doch bleibt. Angesicht dieses Theaters reagieren die anderen Mädels eher ungehalten, wobei sie leider “New York” aus “The Flavor of Love” keine Konkurrenz machten. Im Gesamten werden die Teilnehmerinnen objektiviert und stark auf ihr Äußerliches beschränkt. Wer gehaltvolle Gespräche erwartet wird hier bestimmt nicht fündig.

Immer wieder kündigt Kay One Challenges an, denen sich die Frauen stellen müssen. De facto gab es zwei zu sehen. Die erste Challenge bestand aus der Aufgabe sich einen knappen Bikini überzustreifen und dann zu Kay Ones Musik sexy zu tanzen (übrigens längst nicht so spannend wie es klingt), während in der zweiten Aufgabe drei ausgewählte Mädels ein Rapgedicht über den Beschwärmten schreiben mussten. Das war genauso peinlich wie es klingt.

Die Präsentation

Da von der Show nur zwei Ausgaben geplant sind, wurde das Tempo ganz schön angezogen. Die Stimme aus dem Off kommentiert die Geschehnisse mit einer gewissen ironischen Überlegenheit, wodurch klar wird, dass niemand das Ganze so richtig ernst nimmt. Eine klare Struktur ist jedoch schwer erkennbar. Das Augenmerk liegt eher in der Präsentation der verschiedenen Mädchen. die sich in der Sonne räkeln und komisches Zeug von sich geben. Dates, vertraute Gespräche und eine gewisse Entwicklung finden hingegen wenig Platz.

Kay One  selbst präsentiert sich als Macho und benimmt sich an der ein oder anderen Stelle wie ein pubertierender Jugendlicher. Man merkt ihm allerrdings an, dass er Spaß hat und sich in seinem Element befindet, auch wenn all das an der ein oder anderen Stelle eher befremdlich ist.

Mein Fazit

“Prinzessin gesucht” ist keine Dating Show im eigentlichen Sinne, sondern eher ein gefilmter Partyurlaub mit ein paar Flirts zwischendurch. Dadurch werden auch Entscheidungen nicht so ewig hingezogen und in 2 Stunden passiert verhältnismäßig viel. Die Darstellung ist witzig und unterhaltsam. Da die Kandidatinnen allesamt Frauen sind, die die Öffentlichkeit nicht scheuen, lacht man auf eine abstruse Art auch mit ihnen und nicht etwa über die Damen. Kay One zeigt sich nicht immer charmant, ist für mich als Person aber gut hinnehmbar, solange ich ihn nur im TV beobachten muss. Ob er sich mit dieser Show einen Gefallen tut sei dahin gestellt. Fest steht jedoch: Jede Folge von X-Diaries ist schlimmer.