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Kritik: Christiane F. >>Mein zweites Leben<<

 

„Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ prägte nicht nur unsere Generation, sondern vor allem die unserer Eltern. Der schamlose Bericht eines drogensüchtigen Teenagers, der für die Sucht seinen Körper verkauft ging um die Welt und berührt auch über 30 Jahre später Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Seit dem Erfolg des Buches gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen über das weitere Schicksal von Christiane F. – ihr zweites Buch klärt uns endlich auf.

ChristianeF-collage

Schon 2013 veröffentliche Christiane F. mithilfe der Journalistin Sonja Vukovic ihre Autobiographie „Christiane F. – Mein zweites Leben“. Die mittlerweile 52jährige reflektiert den damaligen Erfolg, nimmt uns mit in viele Jahre Unsicherheit und erzählt und von Weggefährten und –begleitern ohne die Christiane heute vielleicht nicht mehr unter uns weilen würde.

Sonja Vukovic gibt einen Einblick in ihre Motivation über den Mythos Christiane F. zu schreiben und betrachtet von außerhalb die Entstehung des Antihelden durch den riesen Erfolg des Buches. Christiane berichtet offen über weitere schlimme Jahre der Drogensucht, aber auch über schöne Tage mit ihrem Sohn. Die Erzählstruktur ist oft wirr und voller Lücken. Was aus jenen Menschen geworden ist, wie sich Situationen aufgeklärt haben – vieles erfährt man nicht in ihrer Biographie.

Vielmehr versucht sie vieles richtig zu stellen, was damals falsch wiedergegeben oder aus jugendlicher Naivität preisgegeben wurde. Ihr Vater sei kein gemeiner, alkoholsüchtiger Mann, wie man es damals in „Wir Kinder von Bahnhof Zoo“ lesen konnte. Doch all die Beteuerungen nimmt man ihr nicht immer ab. Ebenso schwer vorstellbar ist ihr dargestellter Umgang mit ihrer Vergangenheit auf dem Kinderstrich. Sie selbst mache daraus kein großes Ding mehr, wenn man jedoch von ihren Reisen und Problemen liest, ist man sich als Leser sicher, dass ihre Jugend tiefe Narben hinterlassen hat.

Ihre eigene Vergangenheit betrachtet sie oft nüchtern, ihre Geschichten und Gedanken wirken sorglos und trotzdem fängt man an sie zu bedauern, weil das alles für einen Menschen, der wohlbehütet aufwuchs, schwer vorstellbar ist. Über ihr Verhalten ärgert man sich anderer Stelle aber auch. Ihre fehlende Weitsicht und ihre nie verlernte Naivität machen fassungslos. Auch den eigenen Starkult den sie mit dem Buch versucht um sich aufzubauen, löste bei mir Befremdlichkeit aus. Sie zählt Stars und Berühmtheiten auf, mit denen sie rumhing und wie unspektakulär sie sich am Ende herausstellten. Sie versucht sich als Nabel der Welt zu verkaufen und scheitert dabei.

Fazit

Das Buch hat mich unheimlich bewegt und mich beim Lesen kaum losgelassen. Die 333 Seiten habe ich innerhalb eines Tages gelesen, weil ich unbedingt hinter die teils wirren Gedanken von Frau F. kommen wollte. Auch nach der Lektüre bleiben viele Fragen zurück, vor allem aber bleibt das Bild einer Frau, die nie gelernt hat auf sich selbst aufzupassen und trotzdem in vielen Momenten Stärke bewiesen hat.

 

TV-Kritik: Kay One sucht Prinzessin

Schon als die Show, in der der Rapper Kay One seine Traumfrau sucht, angekündigt wurde, war klar, dass sie für Furore sorgen wird. Nicht nur sämtlich Rapkollegen, sondern auch alle Liebhaber und Kritiker des Trash-TVs werden sich über jede Sekunde das Maul zerreißen. Schlussendlich ist die Show zwar öffentlichkeitswirksamer Klamauk – bietet aber durchaus Unterhaltung.

Prince Kay One hat sich an der Seite von Bushido einen Namen als Rapper machen können. Vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit erreichte der endgültige Splitt zwischen ihm und seinem früheren Mentor. Ein paar Disstracks und unzählige gehässige Kommentare im Web folgten. Kay hat inzwischen ohne ersguterjunge ein Album veröffentlicht, sowie in der DSDS Jury neben Dieter Bohlen gewaltet. Bei RTL 2 sucht er seit gestern Abend seine Prinzessin.

Das Setting

Nach einem ellenlangen Einspieler einzelner Sequenzen, wird Kay One als millionenschwerer und unglaublich erfolgreicher Rapper vorgestellt. Es folgt die Präsentation der Unterkunft für die nächsten Tagen: Eine weiße 1000 qm2 Villa auf Mallorca. Wie üblich, gehört die Villa natürlich nie Kay One, sondern wurde einzig für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Zusätzlich fährt Kay One mit einem weißen Lamborghini vor, der ihm auch nicht gehört. Er erklärt auch gleich, warum er das Fernsehen gewählt hat, um seine Traumfrau zu finden. Die bisherigen Frauen, die er kennengelernt hat, hatten einfach keinen guten Charakter. Frauen, die es sogar wagen für ihn ins Fernsehen zu gehen (und sich bloßstellen), denen liegt wirklich etwas an Kay, so seine Theorie.

Als Entscheidungshilfe dient Goldpinsel, dessen Namensurspung ich bis heute nicht ganz verstanden habe, der aber sonst super sympathisch wirkt und eigentlich die ganze Zeit mit den Mädels rumhängt. Daneben tritt Kays bester Freunde Alex in Erscheinung, der absolut keine Aufgabe und Relevanz in dem Spektakel hat. Negativ aufgefallen ist Kay One persönlicher Buttler names Kay Two, der von einem kleinwüchsigen, älteren Mann dargestellt wird. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder Einspieler, wo “Kay Two” den Boden mit einer Zahnbürste putzt oder ähnliches. Einen Sidekick kann man durchaus charmanter wählen und präsentieren. Finde ich vollkommen unangebracht.

Die Kandidatinnen

Der wichtigste Bestandteil der Sendung sind natürlich die Frauen. Vor 18 bis 32, von blond bis grün, alles ist dabei. Nachdem uns die Berufe der Frauen vorgestellt wurden (vorwiegend im Erotikbereich), dürfen sich alle erstmal richtig blöd dabei anstellen, die Steintreppe zur Villa hoch zu steigen. Es wird geschimpft und geflucht. Das dauert, bis alle oben sind. So stolpert und z.B. die 18jährige Nadine vor die Füße, die gerade ein Haus baut (“Also die Planung steht schon”), aussieht wie KimGloss und eher besessen als verliebt in Kay One ist. Als die sehr sympathisch wirkende Sarah ein Date mit dem begehrten Prinzen hat, dreht Nadine mental fast durch. Eine blonde Dame, die sagenhafte sieben Intimpiercings vorweisen kann und im Einzelgespräch eher durch Taten als durch Worte zu überzeugen versucht, macht sich binnen zwei Minuten bei allen Mädchen unbeliebt. Außerdem gecastet wurde die Serbin Sasa, die zugibt ein kleines Geheimnis zu haben, welches sie ganz offensichtlich zwischen ihren Beinen verbirgt. Böses Produktionsfirma. Daneben gab es noch 7 andere Mädchen, die alle aus irgendeinem Grund ins Fernsehen wollen.

Der Verlauf

Zunächst lernt Kay alle Mädchen im Gespräch kennen, in dem er die Frauen beispielsweise fragt, wann sie zuletzt Sex hatten oder die Mädchen ausfragt, welche Songs sie denn von ihm als Rapper kennen. Auch wenn der Millionär Kay nicht möchte, dass eine Frau ihn seines Geldes wegen datet, ist ihm schon wichtig, dass sie seine Musik kennt. Nach dem ersten Eindruck dürfen auch schon die ersten zwei Mädchen wieder gehen. Es folgt ein Abendessen, bei denen er die Frauen immer wieder vor den Kopf stößt und offensichtlich Gefallen daran findet, sie gegenseitig gegeneinander aufzuhetzen. Am nächsten Tag darf sich die liebe Sarah auf ein richtiges Date mit Kay freuen, welches leider jäh unterbrochen wird, weil ein Mädchen in der Villa vollkommen überstürzt ausziehen will, aber schließlich doch bleibt. Angesicht dieses Theaters reagieren die anderen Mädels eher ungehalten, wobei sie leider “New York” aus “The Flavor of Love” keine Konkurrenz machten. Im Gesamten werden die Teilnehmerinnen objektiviert und stark auf ihr Äußerliches beschränkt. Wer gehaltvolle Gespräche erwartet wird hier bestimmt nicht fündig.

Immer wieder kündigt Kay One Challenges an, denen sich die Frauen stellen müssen. De facto gab es zwei zu sehen. Die erste Challenge bestand aus der Aufgabe sich einen knappen Bikini überzustreifen und dann zu Kay Ones Musik sexy zu tanzen (übrigens längst nicht so spannend wie es klingt), während in der zweiten Aufgabe drei ausgewählte Mädels ein Rapgedicht über den Beschwärmten schreiben mussten. Das war genauso peinlich wie es klingt.

Die Präsentation

Da von der Show nur zwei Ausgaben geplant sind, wurde das Tempo ganz schön angezogen. Die Stimme aus dem Off kommentiert die Geschehnisse mit einer gewissen ironischen Überlegenheit, wodurch klar wird, dass niemand das Ganze so richtig ernst nimmt. Eine klare Struktur ist jedoch schwer erkennbar. Das Augenmerk liegt eher in der Präsentation der verschiedenen Mädchen. die sich in der Sonne räkeln und komisches Zeug von sich geben. Dates, vertraute Gespräche und eine gewisse Entwicklung finden hingegen wenig Platz.

Kay One  selbst präsentiert sich als Macho und benimmt sich an der ein oder anderen Stelle wie ein pubertierender Jugendlicher. Man merkt ihm allerrdings an, dass er Spaß hat und sich in seinem Element befindet, auch wenn all das an der ein oder anderen Stelle eher befremdlich ist.

Mein Fazit

“Prinzessin gesucht” ist keine Dating Show im eigentlichen Sinne, sondern eher ein gefilmter Partyurlaub mit ein paar Flirts zwischendurch. Dadurch werden auch Entscheidungen nicht so ewig hingezogen und in 2 Stunden passiert verhältnismäßig viel. Die Darstellung ist witzig und unterhaltsam. Da die Kandidatinnen allesamt Frauen sind, die die Öffentlichkeit nicht scheuen, lacht man auf eine abstruse Art auch mit ihnen und nicht etwa über die Damen. Kay One zeigt sich nicht immer charmant, ist für mich als Person aber gut hinnehmbar, solange ich ihn nur im TV beobachten muss. Ob er sich mit dieser Show einen Gefallen tut sei dahin gestellt. Fest steht jedoch: Jede Folge von X-Diaries ist schlimmer.

 

Review: Kraftklub >>In Schwarz<<

Bereits im Mai dieses Jahres kursierte ein Video namens “Hand in Hand” der maskierten Newcomerband In Schwarz im Netz. Knapp zwei Wochen später enthüllten sich Kraftklub hinter den schwarzen Masken bei “Circus Halligalli” und konnten somit auf ihr neues Album “In Schwarz” aufmerksam machen. Nun ist es endlich da und ich hab reingehört.

Quelle: universal-music.de
Quelle: universal-music.de

Das Album startet allerdings nicht mit “Hand in Hand”, sondern mit der zweiten Vorab-Single, dem genialen “Unsere Fans”. Gewohnt ironisch meckern Kraftklub über ihre Fans, die mittlerweile zu Mainstream geworden sind und nehmen damit gekonnt eben all die Fans auf die Schippe die meckern, so bald eine Band kommerziell erfolgreich wird. Sehr gelungen, wie ich finde. Fast genau so gut, ist auch der Abschlusstrack des Albums “Deine Gang“, wo sich über den ganzen Representer-Shit lustig gemacht wird, denn “du kennst harte Atzen, Leute mit scharfen Waffen. Ich glaub dir das auch so, du musst nicht andauernd darüber quatschen. 

Opener und Abschlusstrack sind aber nicht die einzigen Schätze des Albums. “Wie ich” setzt sich mit der Unzufriedenheit mit sich selbst, der Bewunderung und Betrachtung anderer auseinander und ist damit ein ehrlicher, selbstreflektierender Song, der viel Platz für Identifikation bietet. Ebenso genial ist “Schüsse in die Luft” der sich mit dem ewigen Meckern und der gleichzeitigen Unmotivation etwas zu verändern auseinandersetzt. Neben einer Aussage, die man der Band super abnehmen kann überzeugt der Song durch einen eingängigen Refrain, den man im Kopf behält..

Auch wenn das Album thematisch etwas ernster und erwachsener wirkt, gibt es Parallelen zum Erstling: So musste ich bei der ersten Strophe des Songs “Blau” total an “Liebe” denken, was sicherlich auch an der ähnliche Thematik liegt. Ironisch und ehrlich wird der Geniestreich erörtert, die Verflossene genau dann anzurufen, wenn es nacht ist und man selbst betrunken. Das Beste: Zu dem Sound kann man locker die Hüften schwingen – auch nüchtern.

Das die Jungs von Kraftklub jetzt reich, berühmt, schön und erwachsen sind, findet selbstredend auch Erwähnung. So wird sich über Leute beschwert, die sich teure Mieten und teure Anwälte nicht leisten können (“Meine Stadt ist zu laut“). Auch dem Berühmtsein und den Promipartys, die Kraftklub mittlerweile von Innen kennen, geht es an den Kragen. Der Song “2 Dosen Sprite” strotz vor Abneigung und Verachtung vor eben dieser Partykultur, die sich mit Koks und Alkohol selbst am Leben hält.

Auch einer meiner Lieblingsmusiker ist auf “In Schwarz” vertreten. Leider rappt Casper nur ein paar Zeilen für “Schöner Tag” und hinterlässt daher keinen bleibenden Eindruck. Der Song gehört aber auch so nicht zu den Stärken des Album.

Mein Rad” ist ein Liebeslied an das geklaute Fahrrad und lässt bestimmt jeden schmunzeln wenn Frontmann Felix gegen den Fahrraddieb wetzt und ihn als “Hundesohn, der Sachen sieht und sie sich einfach nimmt” beschimpft. Wem Liebeslieder an an echte Menschen lieber sind, wird mit “Alles wegen dir” und “Für Immer” versorgt. Wie erwartet, ist hier kein zweites “Kein Liebeslied” zu finden, beide Songs beschäftigen sich mit gescheiterten Beziehungen und so hört man Herrn Brummer gern dabei zu, wie er beteuert: “Ich bin nicht verbittert, verdammt ich bin glücklich” Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mir ein weiteres, ruhiges Liebeslied gewünscht hätte.

Mit Skits habe ich ja seit jeher so meine Probleme, weil sie in den meisten Fällen nicht lustig sind und den Fluss des Album stören. Bei Kraftklub, die sich nun auch an einem versucht haben, sieht das leider nicht anders aus. Dazu hat es mich schon beim ersten Mal hören gelangweilt, aber das sei verziehen.

Fazit: Wie auf dem Vorgänger “Mit K” kann mich auch hier nicht jeder Song begeistern und wird wohl in Zukunft nicht all zu oft abgespielt. Auf der anderen Seite enthält “In Schwarz” super Songs, die mit Charme, Witz und Intelligenz bestechen. “Wie ich”, “Schüsse in die Luft”, “Deine Gang” und auch das vorab veröffentlichte “Unsere Fans” haben das Potential zu richtigen Lieblingen. Damit würde ich die Scheibe (die ich mir übrigens als Vinyl bestellt habe” schon jetzt zu meinen Lieblingsalben 2014 zählen und werde mich bestimmt lange daran erfreuen.

Kraftklub “In Schwarz”

13 Titel

VÖ: 12.09.14

Universal

Review: Cro >>Melodie<<

cro

Vor über zwei Jahren wanderte ein Video ins Netz und schließlich auch in die Musikprogramme deutscher Fernsehsender. Dieses Video löste einen Hype aus, der bis heute anhält. Nicht nur in der Musik, sondern auch in Sachen Mode und Selbstdarstellung. Hypes entstehen durch tausende Bewunderer, bringen aber auch tausende Hater mit sich.

Natürlich rede ich hier von Cro. Der Rapper mit der Pandamaske hat dieser Tage ein neues Album auf den Markt gebracht. Doch bevor ich mich der Rezension des Albums widme, möchte ich für den jungen Künstler einstehen. Denn das hat er verdient. Von vielen wird er verspottet und nicht als Rapper angesehen. Seine Musik sei zu kommerziell, zu pop wird ihm vorgeworfen. Die Kritiker übersehen anscheinend, dass Cro seinen Erstling bewusst „Raop“ genannt hat, weil er eben genau diese neue Nische besetzten wollte.

„Raop“ war bestimmt nicht das HipHop Album das sich viele nach „Easy“ erhofft hatten und sein Mixtape „Sunny“, das er einfach mal kostenlos in die Menge geschossen hat, hatte neben ein paar Rohdiamanten auch viel Murks dabei. Cro hat aber richtig Bock auf Musik, er hat Bock seine Kreativität rauszulassen und er lebt den Zeitgeist. Deswegen kann er die Jungen und Junggebliebenden so mitreisen und eben das beweist er auch eindrucksvoll auf seinem Neuling „Melodie“.

Cro hat sich in der Vorlaufphase des Albums anders verhalten, als viele andere Künstler in letzter Zeit. „Traum“ ist die einzige Single, die vorab veröffentlicht wurde. Dafür erschienen in den letzten Wochen zahlreiche Interviews des Rappers, wo er schon deutlich richtig Hater schießt. In diese Richtung geht auch das Intro „I can feel it“. „Ich kann verstehen, dass du sauer bist, denn du rappst schon viel länger als ich“, geht schon in die richtige Richtung und zeigt mal eine andere Seite der immerfrohen Schwaben. Dazu noch ein paar Erfolge aufzählen, Trompeten und fertig ist das Ding. Geil!

In „Meine Gang (Bang Bang)“ wird uns eine catchy Hook präsentiert, die typisch nach dem Pandamann klingt. Außerdem ist auf diesem Song (als einziger Feature-Gast auf dem Album) Dajuan vertreten, der mich ein bisschen an Karuzo (Genetikk) erinnert. „Erinnerung“ erinnert mich ebenfalls an jemanden, und zwar an niemand geringeren als Sido mit seinem Chartstürmer „Bilder im Kopf“. Die Thematik ist die gleiche und das Lied genauso feierbar wie Sidos Version.

Ein humoristischer Höhepunkt ist mit Sicherheit „Bad Chick“, der mich einige Male zum Schmunzeln brachte, auch wenn die Hook ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. „Never Cro Up“ und „2006“ zielen beide in die Richtung des nicht erwachsen werden wollen und der Weiterentwicklung die ganz nebenbei stattfindet. Wie schon auf dem Mixtape „Sunny“ findet man auch auf „Melodie“ einen pubertären Song, auf den ich hätte verzichten können. „Cop Love“ mag ganz witzig zu sein, aber kein Song, den man sich öfter anhören möchte. „Hey Girl“ ist eines der vielen Liedern, in der Cro seine fiktive Traumfrau besingt, besonders gut fand ich da die Line „Wärst du ‘n Porno ja dann hätte ich nen Oberlippenbart“, die Hook finde ich hier aber etwas langweilig. Auch Shindy finde ich stilistisch auf dieser Veröffentlichung. „Rennen“ hört sich stimmlich und textlich nach dem Bushido-Schützling. Auch wenn der Text sich darauf bezieht, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht ständig daran zu denken, irgendetwas zu verpassen, kommt der Song eher belanglos daher.  „Vielleicht“ ist eine kleine Überraschung, da sehr untypisch für Cro Verhältnisse und greift Themen wie Zukunftsängste und eigene Zweifel auf. Der Song fügt sich aber sehr schön an das Ende des Albums an. Auch wenn er ein bisschen nach 90s Pop klingt, finde ich ihn nicht schlecht geraten. Generell finde ich es gut, dass Cro sich auch mal traut, ernstere Themen anzusprechen und auch mit der musikalischen Untermalung darauf hinzuweisen. „Jetzt“ greift die momentan sehr im Trend liegenden Girly Vocals auf. Dabei wird die „Lebe den Moment“-Philosophie aufgegriffen und bietet für Teenager bestimmt eine Menge von zitierfähigen Passagen. Kann man aber auch durchaus als Fast-Erwachsene noch hören.

 „Wir waren hier“ klingt nach Indie-Pop und einer schönen Sommerbrise. Textlich kein Bringer, dass Feeling wird aber transportiert. Das Ende bildet der namesgebende Track „Melodie“, der wieder typisch nach Cro klingt und der logische Abschluss des Albums ist.

„Melodie“ ist noch nicht, das Über-Album, zu dem Cro bestimmt fähig wäre. Einige Tracks  höre ich mir unheimlich gerne an, andere wirken eher wie Lückenfüller.  Wenn der junge Mann sich mal für 2, 3 Jahre zurückziehen würde, würde das daraus resultierende Album wahrscheinlich alles platt machen.

Viele Songs des Albums haben mich an andere Musiker und Musikstücke erinnert. Cro scheint ein Meister im Beobachten zu sein und selber viel Musik konsumieren. Kaum ein Rapper heutzutage kann so gut abschätzen, was ankommt. Trotzdem kann er den Liedern seine eigene Note geben. Obwohl die Musik massentauglich ist und eigentlich wenig Platz zum Anecken bietet, wird es weiterhin böse Worte über den Rapper geben. Ihm kann das, wie er im Intro ja schön beweist, herzlich egal sein. Insgesamt wirkt das Album reifer und runder als es noch bei „Raop“ der Fall war. Es ist mehr Rap als sein Debütalbum und bringt natürlich wieder ein unschlagbares Sommergefühl rüber.

Gratulation an Chimperator und Cro für Platz 1 der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz!

Melodie Cover

 

Cro “Melodie”

14 Titel

VÖ :06.06.14

Chimperator

 

Review: OK KID >>Grundlos<<

OK KID

OK KID haben sich im letzten Jahr in mein Herz gesungen. Ihr schlicht mit “OK KID” betiteltes Erstlingswerk hat mit durch Sommer, Herbst und Winter begleitet. Damit ich und alle anderen erspielten Fanherzen den Festivalsommer überstehen können, schicken sie rund ein Jahr später mit “Grundlos” eine EP ins Rennen.

Bereits seit Anfang Mai veröffentlichen die drei jungen Männer aus Gießen wöchentlich einen Song samt Video auf ihrem YouTube-Channel. Soviel vorweg: Es lohnt sich, sich das ganze Spektakel mal anzusehen.

Die EP startet mit “Borderline”, einem Song über Erwartungsdruck von außen und dem Zwang dem gerecht zu werden. “Wenn alle Stricke reißen bleibt die Borderline” zeichnet die Hook nicht nur aus, weil sie einfach im Kopf hängen bleibt, sondern erzeugt beim ersten Hören auch ein anspannendes Gefühl. Der Song erzeugt eine düsteres, negatives Bild, bis zum Schluss der Aufbruch kommt. Diesem Prinzip schließt sich auch “Februar (Kaffee Warm 2)” an. Beide Songs richten sich mit dem Appell an uns, uns mal eine Pause zu nehmen, unseren Weg zu gehen und unsere Träume zu verwirklichen. Trotz der anfänglichen trostlosen Stimmung, bleibt am Ende das Gefühl zurück, stark zu sein. Zuerst wird Identifikation geschaffen, die uns später hilft, aus dem Tief heraus zu kommen. OK KID schaffen wie kaum ein anderer Interpret Gefühle zu transportieren, die bewegen.

“Unterwasserliebe” erklingt in eine andere Richtung. Obwohl auch der Song textlich in eine zweifelnde Richtung geht und schlechte Erfahrungen thematisiert, ist der Klang hier deutlich positiver. “Grundlos” steht dagegen vollkommen im Zeichen des Schönen und besingt das grundlos glücklich sein:  “Ohne doppelten Boden // Nicht mehr da will ich hin, da werd ich sein // Nicht mehr unten, nicht oben // Grundlos glücklich. Grundlos sein” 

Die Ep schließt mich dem Song “Und dann war da ein Beat” ab. Das ist auch der einzige Titel, der nicht vorab als Video veröffentlicht wurde, obwohl er einer der stärksten Songs ist. Nicht nur ein sehr gut ausgewählter Abschlusssong, sondern dank (vielleicht auch obwohl) seiner Allgemeingültigkeit auch sehr emotional.
“Grundlos”knüpft nahtlos an “OK KID” an. Thematisch und musikalisch sind diese Songs typisch OK KID. Das sie eine EP veröffentlich haben und nicht einfach ein “OK KID +5” ist nur die Kirsche auf der Sahne des Eisbechers. Ich habe durch diese Veröffentlichung ein paar neue Lieblingssongs gefunden und fülle damit jetzt mal meine Playlisten.

Grundlos Cover

 

OK KID “Grundlos”

5 Titel

VÖ: 06.06.14

Four Music

 

 

Meine Top Alben 2013 – Rap Version

Zunächst erstmal ein frohes neues Jahr. Ich hoffe, dass ihr euch Dinge vorgenommen habt, die sich umsetzen lassen und das Jahr bereits gut für Euch begonnen hat. Ich habe mir nichts vorgenommen, aber wünsche mir einfach, wie jedes Jahr, das ich ein insgesamt schönes und glückliches Jahr vor mir habe und das ich mir selbst nicht im Wege stehe. Da ich dieses Jahr wohl ein Studium beginnen werde, kann ich jetzt schon versichern, dass es aufregend, turbolent und neu für mich werden wird. Das Jahr beginne ich nun, indem ich mit den alten musikalischen Ergüssen abschließe. Meine Top-Rap-Alben 2013, bitteschön:

lieblingsalben rap

OK KID – O K K I D
Ich lege mich ja ungern fest, aber ich muss mir selbst eingestehen, dass ich OK Kid mit ihrem gleichnamigen Album wohl am häufigsten gehört habe und damit auch mein absoluter Liebling 2013 sind. Das Album bietet einfach einen Haufen toller Lieder. Quasi für jede Lebenslage eine Textzeile, die dir aus der Seele spricht. Die 3 jungen Männer sind so authentisch wenn sie ihre Ziellosigkeit besingen, die damit verbundene Hilflosigkeit und wie sie es trotzdem schaffen, dass das Album nicht negativ klingt, sondern wie eine Aufmunterungs-Pille wirkt.
Anspieltipps: Einsatz // Verschwende mich // Mehr Mehr

ALLIGATOAH – T R I E B W E R K E
Alligatoah ist schon fast mehr Singer/Songwriter als Rapper und das im positivsten Sinne. Alligatoahs ältere Alben waren für mich immer ein Hin-und-Her zwischen Genialität und Quatsch. Die Angst war groß, dass „Triebwerke“enttäuschend wird und stieg nach der Veröffentlichung von „Narben“, was mich nicht sonderlich vom Hocker riss. Mit „Willst du“ hatte Alligatoah dann wahrscheinlich alle von 13-29 in seinen Bann gerissen und wie das Album später verriet, zu Recht! Witz, Intelligenz und das Talent Ohrwürmer zu schaffen, brachte Alligatoah die #1 und ist auch eines der meistgespieltesten Alben 2013 von mir. Der Erfolg sei ihm gegönnt.
Anspieltipps: Wer weiß // Fick ihn doch // Erntedank

CASPER – H I N T E R L A N D
Ist das nun Rap oder nicht, fragt sich die Masse. Für mich ist es feinster Indie-Rap! Ich muss gestehen, beim ersten Mal durchhören war ich noch nicht überzeugt. Aber ich war gespannt. Ich konnte mich kaum auf den laufenden Titel konzentrieren, weil ich so neugierig war, was als nächstes kommt. Die wohl schwächsten Songs des Albums „Alles Endet“ und „Nach der Demo gings bergab“ sind etwas unglücklich nach den beiden vorab-Singles platziert, danach nimmt das Album aber Fahrt auf. Abwechslungsreich, kreativ und emotional ist Hinterland. Und bevor er auf dem letzten Track über die vergangene Zeit resümiert, zeigt Cas auf „Jambalaya“ was er raptechnisch drauf hat.
Anspieltipps: Ariel // Ganz schön ok // Jambalaya

GENETIKK – D N A
Worüber bei Casper gestritten wird, kann man bei Genetikk nicht bestreiten. Genetikk sind für mich Hip-Hop. Karuzo und Sikk hätten schon 2005 in einer Reihe mit Sido, Bushido und Konsorten genannt werden konnten, wären zu der Zeit nicht zu jung gewesen. Der Unterschied liegt nur daran, dass Genetikk textlich und technisch dem ersten Schwung Deutschrappern deutlich überlegen sind und ganz ohne gezielte Beleidigungen und Drohungen auskommen. Was die beiden so ausmacht, ist vermutlich die nahe Zusammenarbeit beim texten und Beats bauen. Da passt einfach alles.
Anspieltipps: Spezies // Champions // A la muerte

GERARD – B L A U S I C H T
Erst wenige Wochen vor dem Blausicht-Release entdeckte ich Gerards Musik eher zufällig. Nachdem ich mich durch die vorab veröffentlichten Lieder auf youtube gehört habe, hab ich ZACK das Album bestellt. Das Album ist ganz groß, lyrisch wie auch musikalisch. Gerard gehört ganz klar zu der neuen Welle des Raps, aber nicht in die 2. Reihe! Der Österreicher steht auf seinen eigenen Beinen und hat seine Nische gefunden.

Anspieltipps: Manchmal // Lissabon // Irgendwas mit Rot

SIDO – 3 0 – 1 1 – 8 0
Wer Sidos neue Ausgüsse immer noch mit Maske oder den die Sekte Zeug vrgliecht, ist ein Idiot. Sido ist erwachsen geworden und das hört man auch. Was ich früher noch als Zeicher erste Rebellion laut aus meinen Computerboxen schallte ist heute radiotauglich. Und hörbar! Es ist immer noch Hip Hop, aber facettenreicher. Was mit dem typischen Ich-bin-zurück-und-immer-noch-der-Beste-Opener beginnt, endet mit einem zehnminütigen Meisterwerk. Dazwischen gibt es Helge Schneider, Marius Müller-Westernhagen und mit “Maskerade” einen meiner Lieblingssongs des Albums.
Durch Sido bin ich zum Rap gekommen und eigentlich ist doch nichts schöner, als zusammen mit der Musik, die man liebt, groß zu werden.

Anspieltipps: Maskerade // Grenzenlos // Liebe

Das waren meine Top Rap Alben 2013. Dieses Jahr war ein starkes Jahr für Hip-Hop, daher bin ich gespannt, ob nächstes Jahr genau so gut werden kann. Freuen tue ich mich auf jeden Fall schon auf das im Januar erscheinende Album von Marteria und das noch nicht terminierte Album von MoTrip. Cro überrascht vielleicht auch mit einem neuen Longplayer und die Genossen von Die Orsons lassen auch munkeln.
Reinhören werde ich auf jeden Fall mal in die Alben von SDP, Psaiko Dino, Kollegah und Bushido.