Warum ich nicht mehr vegan lebe

Mit der Zeit haben sich drei vier Gründe herauskristallisiert. Keiner davon ist unumstößlich, mindestens einer bestimmt eine Ausrede. Was meint Ihr?

warum ich nicht mehr vegan lebe

Der Veganismus hat mir sehr geholfen. Ich habe mehr auf meinen Körper geachtet, ganz natürlich gesünder gegessen und mich mehr mit mir auseinander gesetzt. Nach drei erfolgreichen veganen Wochen und meiner auch heute größtenteils pflanzlichen Ernährung, habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich möchte nicht streng vegan leben.

Es ist umständlich

Natürlich schreit hier die Bequemlichkeit aus jeder Zeile. „Bequemlichkeit“ ist ein dummer Grund, werden sich viele denken. Ja, auch den ersten Blick scheint es so. Eigentlich ist unsere Bequemlichkeit aber ziemlich entscheidend. Wann hast du das letzte Mal etwas aus Bequemlichkeit nicht getan? Wahrscheinlich erst gestern.

Und in vielen Fällen ist das ok. Weil zwischen Job, Studium und Haushalt manchmal kein Platz mehr für anderes ist. Wer nicht in der Großstadt lebt, ist nicht gerade umzingelt von veganen Restaurants oder flexiblen Speiseplänen. Nicht immer ist Zeit, Veganes selbst herzustellen. Und wer vegan einkauft, zahlt gerne bis zum Vierfachen des normalen Preises.

Natürlich ist ein veganes Leben umsetzbar. Man hat schnell raus, wie der Hase läuft. Vegan zu leben bedeutet aber erst einmal viele Gewohnheiten ändern, den ein oder anderen Verzicht und entweder kostet es viel Zeit oder viel Geld. In machen Phasen des Lebens (Hallo Stress!) ist das einfach schwer umsetzbar. Vielleicht ein dummer Grund, aber leider verdammt wahr.

Nachtrag 17. Juni. 16:

Aufwand und Selfcare

Veganismus hab ich ausprobiert, als ich mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt habe. Das Problem ist: Damit hört es nicht auf. Ich möchte auch möglichst wenig Müll produzieren, regional essen, faire Kleidung tragen, mich viel bewegen. Wenn man all das zusammenzählt, wird es irgendwann zu viel.

Man vergisst sich selbst unter all den Vorsätzen. Man versucht so sehr ein guter Mensch zu sein, dass man irgendwann nur noch verzichtet. Oder sich schlecht fühlt, nur weil man einmal seine eigene Vorgaben nicht eingehalten hat. Das ist Mist.

Mein Ziel ist es, bewusst und reflektiert zu leben. Dafür ist es wichtig, auf mich selbst zu hören. Auch wenn mein Verlangen eine Currywurst oder eine H&M-Hose ist.

Nährstoffmangel

Veganer haben erfahrungsgemäß oft Mangelerscheinungen. Gerade Vitamin D, Vitamin B12 und Calcium kommen bei pflanzlicher Ernährung oft zu kurz (Quelle: PETA). Durch eine bewusste Ernährungsweise können Veganer diesen Mangel natürlich ausgleichen. Sehr oft bleibt aber doch nur der Griff zu Präparaten. Und das ist die Krux.

Veganismus Mangelerscheinung Vitamine Nährstoffe

Mir ist es zuwider, Pillen jeglicher Art einzunehmen. Gerade, wenn es sich um die Abdeckung von Vitaminen und Nährstoffen handelt, die wir eigentlich ganz natürlich aufnehmen. Noch dazu sind die Präparate synthetisch hergestellt. Wie Ungewiss die Wirkung solch unnatürlicher Vitamine ist, wird hier aufgeführt.

In vielen Präparaten finden sich außerdem Stoffe, die selbst bei Veganer gar nicht supplementiert werden müssen. Mehr dazu hier. Medikamente, egal welche, schaden zudem immer der Niere.

Medizin und Gesundheit ist für mich als Nicht-Mediziner ein undurchsichtiges Feld. Meine eigene Gesundheit ist mir aber sehr wichtig. Ich möchte mich möglichst natürlich ernähren und nicht von Präparaten oder ähnlichem abhängig sein.

Ethische Bedenken

Mein Onkel ist ausgezeichneter Milchbauer. Als kleines Kind habe ich selbst die Milchmaschine an die Euter der Kühe gesteckt. Jede der rund 100 Kühe hat einen Namen. Ich kenne die ruhigen Milchkühe und den Bullen, vor dem ich noch heute tiefen Respekt habe.

Natürlich weiß ich auch, dass es nicht überall so läuft. Trotzdem darf man nicht den Fehler machen und alle Landwirte in eine Tonne stecken. In vielen tierischen Produkten steckt gute Milch von glücklichen Tieren.

Klar ist auch, dass die große Nachfrage der Masse nicht durch solch ethisch korrekte Höfe gesättigt werden kann. Drei Liter Milch in der Woche zu trinken kann nicht gut sein. Den Verzehr von Milchprodukten grundsätzlich zu verteufeln ist aber einfach Unsinn.

Das Gleiche gilt für Eier und Fleisch. Wer Kontakt zum Landleben hat, kennt bestimmt viele Landwirte, die sich beispielhaft um ihre Tiere kümmern. An Lebensmitteln aus guter Haltung kann ich keinen Fehler entdecken.

Viel mehr sollte es doch Ziel sein, sich bewusst zu ernähren. Nichts in Massen zu essen, sondern ausgewogen. Sich zu überlegen, welche tierischen Produkte notwendig sind und welche man ersetzen kann, ohne das es einen Unterschied macht. Kuhmilch durch Hafermilch zu ersetzen oder mit Apfelmus statt Eiern zu backen ist schließlich entsetzlich einfach.

Meine Learnings

Ich würde niemals wieder unreflektiert alles in mich reinstopfen. Ich kaufe keine Eier mehr im Supermarkt. Kuhmilch hab ich durch Soja- und Hafermilch ersetzt. Auch Fleisch gibt es bei mir nicht, da ich mir Biofleisch nicht leisten kann. Und mir Gemüse und Nudeln eh besser schmecken. In Restaurants erfreue ich mich hingegen an Biofleisch. Mein Last sind ganz klar Joghurt, Quark und Frischkäse.

Nachdem ich meine drei Gründe genannt habe, würde ich mich sehr über Eure Kommentare freuen – Kritik ausdrücklich erwünscht.

Vielleicht sind das auch nur drei Ausreden, vielleicht mach ich mir selber etwas vor. Für mich sind das momentan aber drei plausible Gründe, nicht mehr streng vegan zu leben. Ändern kann sich das jederzeit.

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Fest & flauschig: War doch gar nicht so schlimm

Die erste Folge “Fest und Flauschig” von Olli Schulz und Jan Böhmermann ist ab sofort auf Spotify verfügbar. Die neue Freiheit tut den Beiden gut.

Fest und Flauschif von Jan Böhmermann und Olli Schulz
Quelle: Spotify

Ein persönliche Premiere gab es bei mir parallel zur ersten Folge: Noch nie saß ich morgens gespannt mit Müsli, Ingwertee und Kopfhörern im Bett um einen Podcast zu hören.

Meine fast feierliche Zeremonie hat sich aber gelohnt. “Fest & flauschig” fängt genauso an, wie “Sanft und Sorgfältig” letzten Monat endete. Gewohnt wird gemeckert, gelabert und gealbert. Nach ein paar Wochen Pause gibt es bei Schulz und Böhmermann viel Gesprächsbedarf. So wird über Schuhe geredet, über das elendige Erdogan-Thema, aber auch die großen Fünf sind wieder mit dabei. Diesmal: Die großen fünf deutschen Imbissgericht. Kulinarisch also schon sehr hörenswert.

Fest & Flauschig

Natürlich wird auch der Wechsel zu Spotify thematisiert. Gleich zu Beginn betonen die Beiden, dass sie selbst auf den Streamingdienst zugegangen wären. Die weitere Zusammenarbeit mit der ARD scheiterte schlussendlich an 200 Euro, wie Böhmermann und Schulz sagen.

Quelle: Facebook-Page von Olli Schulz
Quelle: Facebook-Page von Olli Schulz

 

Nun genießen die beiden Moderatoren ihre neue Freiheit bei Spotify. Inklusive Werbekampagne, wie die beiden stolz erzählen. Bei Radio Eins, ihrer alten Radioheimat, wäre so etwas immer wieder abgelehnt worden, erklärt Böhmermann. Auch sonst wirken Beide mit dem neuen Arbeitgeber zufrieden, ohne ihn hochzuhalten. Das Korsett der Öffentlich-Rechtlichen ist Geschichte. Dadurch kann frei über alles geredet werden und weder Werbung noch Musik unterbricht den Dialog.

Alles halb so schlimm

Über “Fest & Flauschig” kann jeder meckern, wie er möchte. Einen inhaltlichen Unterschied zu vorher gibt es allerdings nicht. Nur die Art des Abspielens hat sich geändert. Auch in Zukunft wird es launige Folgen geben und richtig gute. Eben so, wie Böhmermann und Schulz gerade drauf sind. Ohne geschriebene Dialoge und eng geplanten Zeitplan. Olli und Jan halt.

Momentan ist der Podcast nur mit Android und iOS über die Spotify-App zu hören. Angeboten wird es derzeit nur in Deutschland und Österreich. Die Schweiz folgt bald. Auf Youtube findet Ihr aber nach wie vor alle Folgen.

 

 

Personality Blogging mindert Persönlichkeitsschutz

Je mehr eine Person ihr Privatleben öffentlich darstellt, umso weniger ist selbiges geschützt. Eine kleine Lehrstunde im Medienrecht.

Persönlichkeitsschutz Medienrecht

Uff, heute also Medienrecht. Über die Wichtigkeit von Disclaimer und Impressum weiß heute beinahe jeder Bescheid. Dass durch die Darstellung im Netz der eigene Persönlichkeitsschutz leiden kann, wissen die wenigsten. Daher habe ich heute mal mein altes Medienrecht-Buch rausgekramt, um euch den Persönlichkeitsschutz näherzubringen.

Obwohl wir die meisten Personen, deren Blogs wir lesen nie persönlich getroffen haben, wissen wir viel über ihr Leben. Weit mehr als nur Alter, Ausbildung und Wohnort. Meist kennen wir den Freund, die Mutter, den Hund und die beste Freundin. Wissen mehr oder weniger über die letzte Trennung oder persönliche Tragödie Bescheid. Das erzeugt Nähe und Identifikation, ist für die/den BloggerIn aber auch mit Folgen verbunden.

Raab oder Poth

Während Stefan Raab einen hohen Persönlichkeitsschutz besitzt, dürfte der von Verona Poth eher niedrig bewertet werden. Das liegt daran, das Raab sein Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushält. Poth hingegen vermarktet sich als Persönlichkeit bewusst in der Öffentlichkeit.

Wer selbst die Medienöffentlichkeit sucht – dazu kann auch die Selbstdarstellung auf Instagram und dem eigenen Blog zählen – genießt verminderten Rechtsschutz.

Die Schutzbereiche

Im Persönlichkeitsrecht lassen sich u.a. der Schutz der häuslichen Spähre und des Privatlebens oder auch der Imageschutz wiederfinden. Was außerhalb dieser Schutzbereiche liegt, unterliegt der Berichterstattungsfreiheit. Wenn Prominente an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen, darf darüber berichtet werden – auch aus reiner Neugier. (Branahl, 2013, S. 146)

Generell geschützt sind außerdem Daten wie Vermögensverhältnisse, Glaubensansichten und besonders die Intimsphäre.

Privat vs. Öffentlich

Natürlich muss die Berichterstattung wahrheitsgemäß sein. Bei Personen der Öffentlichkeit darf aber deutlich tiefer in die Privatsphäre eingedrungen werden. Wer kontinuierliche private Daten und Geschehnisse mit der Öffentlichkeit teilt, muss unter Umständen damit leben, dass auch Fakten veröffentlicht werden, die er niemals selbst freigegeben hat. (Branahl, 2014, S. 156)

Beispiel: Du berichtest auf deinem Blog immer wieder von deiner Beziehung mit deinem Freund. Postest gemeinsame Bilder, schreibst über Erlebnisse. Wenn ihr euch trennt, hat die Presse die Freiheit, darüber zu berichten. Selbst, wenn du die Trennung selbst nicht thematisiert, sondern die Presse aus anderen Quellen davon erfährt.

Allerdings hat jeder Mensch das Recht, seine Einstellung zur Öffentlichkeit zu ändern. Wenn also beispielsweise eine Bloggerin beschließt, künftig nichts privates mehr preiszugeben und dieses Vorhaben über einen Zeitraum kontinuierlich verfolgt, darf nicht mehr über ihr Privatleben berichtet werden. (Branahl, 2013, S. 156)

 

Dass ihr irgendwann mal so interessant seid, dass die Bildzeitung einen vernichtenden Artikel über Euch schreibt; eher unwahrscheinlich. Mir geht es eher darum darauf aufmerksam zumachen, dass die öffentliche Selbstdarstellung Folgen haben kann.

Viele schreiben unüberlegt ihre halbe Lebensgeschichte ins Netz, ohne zu wissen, dass sich daraus Konsequenzen ergeben können. Am Ende muss natürlich jeder selbst für sich wissen, wie er mit diesem Risiko umgeht.

 

Quelle: Branahl, U. (2013). Medienrecht. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer.

Aufgehorcht! Ich studiere irgendwas mit Medien und bin kein Jurist. Alle Angaben also ohne Gewähr auf Richtig- und Vollständigkeit.

Facebooks F8: Unmündigkeit durch Innovation?

Mark Zuckerberg stellt sich auf der F8 als Weltverbesserer dar. Und seine Pläne mit Facebook klingen beim ersten Hören großartig. Ob die zukünftigen Features unser Leben wirklich verbessern, stelle ich aber ernsthaft in Frage.

Facebook F8 Mark Zuckerberg
Quelle: facebook

 

F8 in San Francisco

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz hat Mark Zuckerberg einen 10-Jahres-Plan für Facebook vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um Facebook allein, sondern auch um die eingekauften Plattformen wie Instagram und Whatsapp. Den Schwerpunkt der Veranstaltung setzte Zuckerberg auf die Vernetzung der Welt mit dem Internet. Laut Zuckerberg haben vier Millionen Menschen weltweit noch keinen Zugang zum Internet. Neben der schlichten regionalen Unverfügbarkeit, seien auch Kosten und Skepsis wichtige Punkte, die Menschen am Internetzugang hindern.

Ebenso wichtig war natürlich die weitere Entwicklung der Plattform Facebook, insbesondere des Messengers. In Zukunft sollen wir durch Bots Essen und andere Produkte bestellen können. Nachrichtenseiten sollen uns individuell News schicken können. Facebook hat bei dem Event die Freigabe der API verkündet, was bedeutet, dass Entwickler nun an ihren eigenen Bots arbeiten können, um diese bei Facebook zu integrieren.

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Riesige Wahnvorstellung

Wer Innovationen mag, wird die F8 mit riesigen Augen verfolgt haben. Die Zukunft fühlt sich so nah und begehrenswert an. Doch der Zuschauer kann das Event auch in einem anderen Licht betrachten.

Mark Zuckerberg möchte die Menschen nicht nur ins Internet, sondern auch zu Facebook und seinen Tochterfirmen bringen. Möglichst all unsere Begehren – von Anerkennung bis Lieferdienst – sollen von dem sozialen Netzwerk bedient werden. Das schafft Abhängigkeit. Als Produzent und Konsument von Inhalten müssen wir uns den Richtlinien unterwerfen. Wer durch Facebook Absatz generiert ist von jeder Änderung im Algorithmus direkt betroffen. Die künftig gewünschte Omnipräsenz von Facebook klingt wie eine riesige Wahnvorstellung und nicht nach glorreicher Zukunft.

“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”

Doch nicht nur der Produzent wird in seiner Freiheit beraubt: In der Schule mussten wir wohl alle Kants Theorien lernen. Die Unmündigkeit der Menschen in der Vergangenheit war für mich damals schwer zu begreifen. Facebook und andere Internetdienste könnten diese Unmündigkeit zurückbringen.

Plattformen werden heute immer einfacher und intuitiver. Das erspart den Nutzer Zeit und Frust. Er muss aber auch weit weniger nachdenken. Wenn es um die reine Benutzung geht, ist simpel hervorragend. Wenn Algorithmen zukünftig unser Denken und Handeln bestimmen, ist es gefährlich.

Algorithmus statt Selbstständigkeit

Schon jetzt zeigt uns die Facebook-Timeline an, was uns interessieren könnte. Dadurch verpassen wir einen großen Teil der Inhalte, die unsere Freunde, aber auch Fanseiten posten. Bei recht irrelevanten Posts ist das egal. Bei Nachrichten, zum Beispiel die Berichterstattung über Wahlen, kann ein Informationsdefizit zum Problem werden.

Wenn der Facebook-Messenger für viele Menschen die einzige Bezugsquelle für Nachrichten wird, wird die Nachrichtenselektion noch undurchsichtiger. Mehr Nachrichten gehen für uns verloren. Weil der Automatismus uns das Interesse für Themen nicht zutraut oder uns bewusst nur Nachrichten anzeigt, die der Produzent verbreitet haben will.

Im Journalismus gibt es eine Theorie: Von 99 Prozent der Geschehnisse auf der Welt bekommt der Journalist/die Medien nichts mit. Und 99 Prozent der Dinge, die der Medienschaffende mitbekommt, werden nicht veröffentlicht, weil der Journalist den Nachrichtenwert für zu gering bewertet. In Zukunft reiht sich hinter dem publizierenden Medium noch eine Software, die die Nachricht bewertet und entscheidet, ob sie dem Leser angezeigt wird und wenn, an welcher Stelle. Unser Nutzungserlebnis wird dadurch personalisiert, aber vor allem beschnitten.

Und selbst wenn uns Bots und Algorithmen zukünftig genau das anzeigen, was uns interessiert, herausfordert und weiterbildet. Die Mündigkeit und Selbstbestimmtheit fehlt. Wir nutzen unsere Fähigkeit zu freien Informationsbeschaffenheit nicht mehr.

Und das kann nicht gut sein!

 

Fuller House: Fremdscham und Nostalgie

“Fuller House” ist seit einigen Wochen auf Netflix verfügbar. Oft ist die Serie ganz schön drüber, in vielen Momenten aber auch einfach schön und witzig. Meine Kritik:

Der Hype um “Fuller House” hielt in Deutschland nicht lange an. Und ehrlich gesagt, kann die Serie weder mit sonstigen Netflix-Krachern, noch mit anderen typischen Sitcoms mithalten. Die 13 Folgen der Netflix Original Serie haben mir trotzdem einige schöne Momente beschert.

Die Story

Fuller House Netflix Original
Quelle: Netflix

“Fuller House” holt dich genau dort ab, wo “Full House” endete, nur 20 Jahre später. Die Tanner-Mädchen sind längst erwachsen. DJ ist Mutter von drei Jungen, Stephanie tourt erfolgreich als DJ um die Welt und Michelle baut ihr Modeimperium auf.

Auch Joey, Onkel Jesse und die anderen, damaligen Erwachsenen tauchen in der ersten Folge auf. Beruflich geht es für sie nach L.A. und Las Vegas, wodurch die Mädels allein zurückbleiben. Das trifft vor allem DJ schwer. Da ihr Mann bei einem Feuerwehreinsatz ums Leben gekommen ist, erwartet sie nun das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter. Aus Mitgefühl entscheiden sich schließlich Stephanie und Kimmy Gibbler ins Tanner-Haus einzuziehen um DJ zu unterstützen.

Beziehungen und andere Probleme

Von da an geht es in den Folgen um Beziehungen, Dating, die Jugend und allerlei Probleme und Sorgen einer Patchwork-Familie. Natürlich immer mit Humor und einer ordentlichen Portion Moral am Ende.

Trotz Veränderung bzw. Alterung des Casts sind die Geschichten also sehr nah an “Full House”. Meiner Meinung nach etwas zu nah. Die bunte Patchwork-Familie passt natürlich zum Hause Tanner, hätte aber moderner sein können. Anstatt des drastischen Todes von DJs Ehemann hätte eine “einfache” Trennung deutlich mehr Dynamik und Abwechslung in die Serie bringen können. Und hätte gleichzeitig die Realität vieler Haushalte widergespiegelt. Stattdessen werden alte “Full House”-Geschichten wieder aufgebrüht. Die Anlehnung an alte Folgen birgt schön Erinnerung, für die zweite Staffel wünsche ich mir aber mehr Eigenständigkeit.

Der Cast

Full House from abc
Quelle: abc

Außer den Olsen-Zwillingen sind alle Schauspieler wieder mit dabei. Plus die neuen Kinder. DJ hat mit Jackson, Max und Tommy drei Jungen, die im selben Alter sind, wie in der ersten “Full House”-Staffel DJ und ihre Schwestern. Gerade das mittlere Kind Max bietet durch seine witzige und etwas altkluge Art viel Potential. Baby Tommy und Jackson blieben bisher etwas farblos.

Auch Kimmy bringt mit ihrer Tochter Ramona ein neues Gesicht mit in die Serie. Ramona ist 13 und tritt am Anfang zickig und unwillig auf. Im Verlauf der ersten Staffel verliert sich das etwas, einen bleibenden Eindruck hinterlässt sie sonst nicht. Ebenfalls neu ist DJs Kollege Matt, der ihr schon bald den Kopf verdreht. Matt fand ich durchweg sehr sympathisch und auf seine Entwicklung freue ich mich am meisten.

Im Zentrum stehen DJ, Stephanie und Kimmy. Während Kimmy etwas zu überzeichnet und nervig ist, machen die anderen beiden viel Spaß. Stephanie als etwas unbeholfene Tante bringt viel Lockerheit in die Familie Tanner. Da sie weder beruflich noch beziehungstechnisch auf einen grünen Zweig kommt, dürfen wir in Zukunft viele witzige Situation erwarten.

DJ hingegen sorgt für Ruhe und Ordnung. Durch ihre Figur könnten in der zweiten Staffel längerfristige Storylines ermöglicht werden. Als Mutter und Herrin des Hauses sind außerdem viele Parallelen zu ihrem Vater erkennbar.

Die Episoden

Die Serie hat mir je nach Episode mal sehr viel Spaß gemacht – oder für Kopfschütteln gesorgt. Wer “Fuller House” anklickt, erwartet natürlich keine tiefgründige Unterhaltung. Oftmals arten die Folgen allerdings in Tanzen oder unsinnigen Erlebnissen aus. Vieles wirkt etwas drüber und zu sehr gewollt.

Die Machart wirkt oft veraltet. Alles im Hause Tanner wirkt perfekt, nur oberflächlich tauchen ab und an Risse auf. Jegliche Geschichten gehen immer gut für die Tanners aus. Das mag natürlich zu “Fuller House” gehören, wirkt aber unauthentisch in Hinblick zu Serie wie “How I Met Your Mother” oder “Modern Family”.

Der Handlung fehlt zwar jegliche Tiefe, trotz dessen macht die Serie Spaß. Schon der guten alten Zeit wegen. Viele Situation sind einfach witzig oder schön, weil die Familie am Ende immer zusammenhält. Gerade durch die Vielfalt der Charakter gibt es oft überraschende Situationen, aber auch wiederkehrende Elemente, die ihren Charme entfalten.

Mein Ausblick

Auch wenn die erste Staffel mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, werde ich in die zweite mit Sicherheit reinsehen. Die erste Staffel wurde vor allem benutzt, um die neue Charakter vorzustellen, von der zweiten erwarte ich also etwas mehr Handlung und Entwicklung. Eine besondere Dynamik erhält die Serie natürlich dadurch, dass die Kinder kontinuierlich älter werden und die Storyline sich so natürlich weiterentwickeln kann.

Die erste Staffel endet übrigens bewusst sehr offen. Auf kritische Stimmen zur ersten Staffel können Produzenten und Drehbuchautoren also gut reagieren. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Folgen!

Alle 13 Episoden der ersten Staffel “Fuller House” sind exklusiv auf Netflix verfügbar.

Clue: Der digitale Menstruationskalender

Das eigene Körpergefühl per App tracken klingt intim und befremdlich. Es bringt uns aber auch mehr Bewusstsein für unseren Körper bei.

Die weibliche Menstruation ist tabuisiert. Erwachsene Männer scheuen sich aus Ekel und auch Frauen laufen bei dem Thema oft rot an. Eine moderne Auseinandersetzung mit dem Thema ist längst überfällig. Die App Clue bringt die Periode nicht nur ins digitale Zeitalter, sondern erleichtert auch das Bewusstwerden über den eigenen Körper.

Wie funktioniert das?

Clue ist mittlerweile eine recht umfangreiche App. Die Grundfunktion ist allerdings die Dokumentation der Menstruation. Dazu dient ein Kalender, indem du einfach die Tage vermerkst, in denen du deine Periode hast. Zusätzlich kann auch die Schwere der Blutung eingetragen werden.

Außerdem kannst du Daten zu deinem allgemeinen Wohlbefinden eintragen, in etwa Übelkeit oder Schwindel. Wenn du möchtest, kannst du auch Geschlechtsverkehr eintragen. Clue eignet sich nach eigener Angabe aber nicht zur natürlichen Verhütung.

Wenn du möchtest, erinnert dich Clue an deinen nächsten Zyklus, dem bevorstehenden Eisprung oder dem Ende deiner fruchtbaren Phase. Die Benachrichtigungen kannst du selbst einstellen und anpassen, damit du über das informiert wirst, wann dich interessiert. Die Push-Nachrichten sind für mich eine der nützlichen Punkte der App.

Clue App Menstruationskalender

Bringt das was?

Sein Körper- und Wohlbefinden zu notieren – ob online oder offline – ist Gewöhnungssache. Dass es Sinn macht, sich über seinen eigenen Körper mehr bewusst zu werden, muss ich wohl niemanden erklären. Clue unterstützt mich dabei von Monat zu Monat besser.

Dabei geht es nicht nur um die Regelmäßigkeit meiner Periode. Auch Unterleibs- oder Brutschmerzen werden dadurch getrackt. Für eine eigene Übersicht ist das super. Auch Zusammenhängen kann ich mir dadurch klar machen. Eine ärztliche Untersuchung und Absicherung kann eine App natürlich nicht ersetzen.

Bald sollen die Daten übrigens auch mit dem Partner teilbar werden. So sieht diese_r, ob ihre gerade Eure Periode habt oder dich andere Beschwerden beeinträchtigen. Für aufgeschlossene Paare sicherlich eine spannende neue Möglichkeit.

Was passiert mit meinen Daten?

Daten zur Gesundheit und zum Zyklus sind höchst privat – und das sollen sie auch bleiben! Deswegen halte ich den Blick auf die Datenschutzerklärung für dringend notwendig.

Clue lässt sich ohne Anmeldung nutzen. Wenn du das tust, sind die eingetragenen Daten nur auf deinem Gerät zu finden und Clue hat auf sie keinen Zugang. Per Mail kannst du deine Daten übrigen auch backuppen, wenn du keinen Account hast.

Wenn Ihr Clue mit Account nutzt, werde die Daten möglicherweise anonymisiert für klinische Studien zur Verfügung gestellt. Damit soll langfristig der weibliche Zyklus weiter untersucht und erforscht werden. Und natürlich soll Clue dadurch verbessert werden.

Wer steckt dahinter?

Intime Daten möchte ich eigentlich nur Vertrauenspersonen anvertrauen. Daher sind mir die Gesichter, die hinter der App stehen, wichtig. Ich möchte sicherstellen, dass wir die selben Ideale vertreten, wenn es um die Intimsphäre geht. Dass die App nicht von heute auf morgen ihre Datenschutzerklärung ändert oder meine Daten für Dritte verfügbar macht.

Hinter Clue steht Ida Tin. Die Dänin wurde 2015 sogar zur “Female Entrepreneur of the year” gekürt. In Interviews mit ihr wird schnell klar, dass sie Clue vor allem als Möglichkeit sieht, das eigene Körpergefühl zu verbessern. In Zukunft soll Clue durch die Auswertung der Daten dir vorhersagen können, wann du körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen bekommst. Und wann es besser ist, einen Arzt aufzusuchen. Laut Tin soll die App irgendwann bei der Kommunikation mit dem Arzt helfen und eine Schnittstelle bilden.

Ob du deine intimsten Daten mit einer App teilen möchtest, ist natürlich dir überlassen. Wenn du aber oft körperliche Beschwerden hast oder ständig vergisst, wann du das nächste Mal deine Tage bekommst, ist das Ausprobieren für dich bestimmt spannend und hilfreich.

Kennst du weitere Apps oder Webadressen, die die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit moderner machen?

Ich hab übrigens schon vor zwei Wochen darüber geschrieben, wie sich das Frauenbild in den letzten Jahren verändert hat > “#Girlboss: Was ist das eigentlich?

Welche Möglichkeiten uns Instagram jetzt bietet

Instagrams angekündigte Änderungen haben viel Panik hervorgerufen. Dabei kann uns der neue Feed zu mehr Entspanntheit verhelfen.

Über kaum etwas kursieren momentan mehr Unwahrheiten als zu der neuen Feed-Ordnung bei Instagram. Dazu kommt die #Instapanic, die uns im sozialen Netzwerk gerade überflutet. Besonders die erfolgreichen Instagrammer haben Angst, dass ihre Fotos in Zukunft keine Beachtung mehr finden. Das könnte weniger Likes und dadurch weniger Kooperationen bedeuten.

Instagram New Feed
Quelle: Instagram

Das passiert wirklich:

Instagram teilte die bevorstehende Änderung am 15. März durch den Blogpost “See the Moments You Care About First” der Öffentlichkeit mit. Einen Artikel, den wohl kaum jemand gelesen hat. Daher eine kleine Zusammenfassung:

  • Laut Instagram verpasst der durchschnittliche User rund 70 Prozent seines Feeds. Es gibt einfach zu viel Content.
  • Damit jeder User sieht, was ihn wirklich interessiert, werden künftig die Bilder von Nutzern oben angezeigt, die erfahrungsgemäß am interessantesten für dich sind. Dazu berechnet Instagram die Beziehung (also die Interaktion) zu dem Nutzer, als auch die Aktualität des Inhalts ein.
  • Sobald die neue Ordnung verfügbar ist, wird Instagram kontinuierlich an der Verbesserung arbeiten. Es ist also noch nichts final!

Finito, mehr steht nicht in dem recht kurzen Beitrag.

Ich finde es auch schade, dass die Chronologie flöten geht. Trotzdem bin ich gespannt auf die Änderungen. Bei Instagram und Facebook arbeiten viele klüge Köpfe in der Entwicklung. Die wissen schon ziemlich genau was sie machen und warum. Daher sollten wir schleunigst aufhören zu meckern und lieber gespannt sein, was die neue Ordnung bringt. Ich seh nämlich auch ein paar Vorteile!

Folgen für dich und deinen Kanal:

Wenn ein Nutzer nicht mit deinen Fotos interagiert, landest du weit hinten im Feed. Dadurch werden deine Bilder wahrscheinlich weniger angesehen, aber das Risiko, dass dir jemand entfolgt, der deine Fotos uninteressant findet, wird dadurch auch geringer. Natürlich gibt es aber noch weitaus bessere Gründe, die mich neugierig auf die Änderungen machen. Besonders in puncto bewusster Umgang mit Social Media.

Instagram textgesteuert
Quelle: https://www.instagram.com/textgesteuert/
  • Du siehst, was dich interessiert > Wenn du die App öffnest, sieht du gleich die Beiträge, die dich potentiell am meisten interessieren. In den fünf Minuten zwischendurch sieht du also die Dinge, die dich inspirieren und motivieren.
  • Keine Angst mehr, etwas zu verpassen > In manchen Wochen benutze ich Instagram kaum. Keine Lust oder zu viel zu tun. Wenn ich nach mehreren Wochen Abstinenz die App öffne, hab ich plötzlich das Gefühl was verpasst zu haben. Mit der neuen Ordnung behalte ich selbst nach einer Instagram-Pause den Überblick und sehe die wichtigen Dinge weit oben.
  • Mehr Aufmerksamkeit von weniger Aktiven > Nicht jeder benutzt Instagram morgens, mittags, abends und viermal zwischendurch. Es gibt genug Nutzer, die nur unregelmäßig reinsehen. Dein tolles Bild, dass du vor drei Wochen gepostet hast, würden sie also niemals sehen. Die neue Reihenfolge ist also vor allem für weniger aktive Nutzer sinnvoll.
  • Kein nerviges Vielposten und Planen mehr > Gerade große Instagram-Accounts posten mehrmals am Tag. Bei einem chronologischen Feed macht das auch Sinn, da man so auch bei den Leuten auftaucht, die nur die letzten zehn Fotos checken. Bei der neuen Sortierung sehen dich deine Fans eh ganz oben. Du kannst also entspannt in einer ruhigen Minute posten und musst nicht mehr fünf tolle Fotos am Tag machen. Auch die Gedanken über gute Zeiten zum Posten fallen (fast) weg.
  • Neue Herausforderung > Ich finde es herrlich, wie die Internetwelt aus allen Wolken fällt, wenn Netzwerke ihre Regeln ändern. Sie ärgern sich plötzlich über Machenschaften der fiesen Internetkonzerne und sind eigentlich nur sauer, dass die gut ausgetüftelte Strategie nicht weiter funktionieren wird. Dabei können Änderungen auch einfach als Herausforderung angesehen werden. Die Karten werden neu gemischt, auch kleine Accounts haben jetzt eine Chance oben mitzumischen. Ist doch spannend!
  • Mehr Wertschätzung des eigenen Blogs: Soziale Netzwerke ändern gerne ihre Spielregeln und demonstrieren dadurch auch Macht. Oft fällt uns in solchen Momenten erst auf, wie viel Abhängigkeiten der Erfolg auf Instagram und Co schafft. Daher sollten wir Änderungen immer zum Anlass nehmen, uns wieder mehr auf unser Herzstück zu konzentrieren: unseren Blog. Auch wenn deutlich weniger Leute Blogs lesen, steht der Mehrwert auf einem Blog doch im Vordergrund. Könntest du mir die letzten fünf Beiträge verraten, die du auf Instagram geherzt hast? Also ich könnte es dir nicht sagen. Dafür weiß ich ziemlich genau, welche Blogs ich mir zuletzt angesehen habe.

Mein Fazit

Wie du bestimmt heraus gelesen hast, blicke ich den Änderungen interessiert und optimistisch zu. Instagram würde niemals seine riesige Reichweite für eine unüberlegte Änderungen riskieren. Ich finde es auch ganz witzig, wie “Instagram-Stars” gerade die blanke Panik bekommen. Ihr kleines Social-Media-Imperium scheint einzubrechen.

Die Änderungen sind vor allem für weniger aktive Nutzer interessant. Wer sich nur zweimal in der Woche bei Instagram anmeldet, wurde bisher von den Beiträgen erschlagen. Und mal ehrlich, nicht jeder ist Blogger oder Student und kann es sich leisten, sich den halben Tagen in sozialen Netzwerken zu tummeln. Die Chronologie ist einfach etwas unpraktisch.

Auch mich haben die vielen Beiträge manchmal unter Druck gesetzt. Aus “mal eben gucken” wurde schnell eine halbe Stunde. Mit der neuen Änderungen verschwende ich hoffentlich weniger Zeit bei Instagram.

Was meinst du? Siehst du neben den Nachteilen auch Vorzüge?