Warum es mehr Serien wie “Narcos” geben sollte

“Narcos” erzählt die Geschichte von der Jagd nach Pablo Escobar. Wiedermal beweist Netflix, dass es Serien versteht. Und mehr im Stil gebraucht wird.

Start drücken, pausieren, googeln. Wenn ich Netflix’ “Narcos” schaue, bin ich ständig dabei, Ereignisse zu googeln. Zu erschreckend und unfassbar sind Escobars Taten als Drogenbaron auf der Flucht vor dem Gesetz.

“Narcos” begeistert nicht einfach als Unterhaltung. Die Serie muss verdaut werden und eröffnet immer wieder spannende Blickwinkel.

EINS: Narcos vermittelt Geschichte

Die Serie setzt in Kolumbien in den 70er Jahren ein. Marihuana wird über die Grenze nach Florida geschafft, wird aber zunehmend von Kokain verdrängt. Nicht zuletzt ist der erst junge Escobar aus Medellin dafür verantwortlich.

Narcos zeigt schließlich die Tricks der Drogenkartelle, die Arbeit der Polizei, aber auch den Einfluss von Escobar auf die Bevölkerung Kolumbiens. Auch wenn die Serie die Geschichte nicht hundertprozentig wahr wiedergibt, vermittelt sie Kolumbiens jüngere Geschichte und die Intervention der USA.

2. Sensibilität für Schrecken

Narcos wird auch aus der Perspektive zweier US-Amerikaner, die in Kolumbien für die DEA arbeiten, erzählt. Desto mehr sich Amerika einmischt und je näher die Ermittler Escobar und seinen Leuten auf die Spur kommen, desto skrupelloser handeln auch die Kartelle.

Wegen Drogengeschäften mussten in Kolumbien Hunderte, wenn nicht Tausende ihr Leben lassen. Die Hemmschwelle der Gewalt sinkt in jeder Folge.

So schrecklich diese Geschichte ist, es ist wichtig, dass sie erzählt wird. Dass solche Taten nicht vergessen werden, dass den Opfern gedenkt wird. Und das wir daraus lernen!

DREI: Authentischer Blick in andere Länder

US-Serien und Filme präsentieren sich gerne in Hochglanz-Optik. “Narcos” geht glücklicherweise einen anderen Weg. Es wird ein schönes und bürgerliches Kolumbien gezeigt. Gutes Essen, Familie und Zusammenhalt sind zentrale Fäden durch die Serie.

Die Dekadenz mit der in armen Ländern die Reichen wohnen, wird ebenfalls in “Narcos” vermittelt.

VIER: Zwischen Terror und Familie

Escobar hat in Kolumbien keinen Kleinkrieg mit Gaunern und der Polizei geführt. Er ist Schuld an der Explosion eines Flugzeuges, zahlreichen Autobomben und Anschlägen.

Narcos Pablo Escobar Ende Netflix

Die Serie wirft aber auch einen Blick auf Escobar als fürsorglichen Vater und liebenden Ehemann (trotz zahlreicher Affären). Bei jeglichen Angriff auf seine Häuser steht die Sicherheit seiner Frau und seiner Kinder an erster Stelle.

Schon “Breaking Bad” hat uns mit Walter White einen Protagonisten beschert, den man nicht mehr einordnen kann. Auch “Narcos” treibt solch ein Gedankenspiel an. Das Monster Escobar bekommt menschliche Züge sobald seine Familie in Gefahr ist. Für den Zuschauer führt “Narcos” dadurch immer wieder zum Twist mit sich selbst.

FÜNF: Beeindruckende Bilder

Wie viele Serien des aktuellen Serien-Hypes beweist “Narcos” Gefühl für berührende Bilder, die oft mehr sagen als die Worte der Protagonisten. Besonders, wenn die Kamera ein bisschen zu lang draufhält, Momente nicht ausklingen wollen, spürt man den Druck, der auf Escobar liegt.

Besonders während Escobars Flucht vor DEA und Regierung werden solche Momente ausgezehrt. Wer sich mitziehen lässt, erfährt die Serie dadurch noch intensiver!