Personality Blogging mindert Persönlichkeitsschutz

Je mehr eine Person ihr Privatleben öffentlich darstellt, umso weniger ist selbiges geschützt. Eine kleine Lehrstunde im Medienrecht.

Persönlichkeitsschutz Medienrecht

Uff, heute also Medienrecht. Über die Wichtigkeit von Disclaimer und Impressum weiß heute beinahe jeder Bescheid. Dass durch die Darstellung im Netz der eigene Persönlichkeitsschutz leiden kann, wissen die wenigsten. Daher habe ich heute mal mein altes Medienrecht-Buch rausgekramt, um euch den Persönlichkeitsschutz näherzubringen.

Obwohl wir die meisten Personen, deren Blogs wir lesen nie persönlich getroffen haben, wissen wir viel über ihr Leben. Weit mehr als nur Alter, Ausbildung und Wohnort. Meist kennen wir den Freund, die Mutter, den Hund und die beste Freundin. Wissen mehr oder weniger über die letzte Trennung oder persönliche Tragödie Bescheid. Das erzeugt Nähe und Identifikation, ist für die/den BloggerIn aber auch mit Folgen verbunden.

Raab oder Poth

Während Stefan Raab einen hohen Persönlichkeitsschutz besitzt, dürfte der von Verona Poth eher niedrig bewertet werden. Das liegt daran, das Raab sein Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushält. Poth hingegen vermarktet sich als Persönlichkeit bewusst in der Öffentlichkeit.

Wer selbst die Medienöffentlichkeit sucht – dazu kann auch die Selbstdarstellung auf Instagram und dem eigenen Blog zählen – genießt verminderten Rechtsschutz.

Die Schutzbereiche

Im Persönlichkeitsrecht lassen sich u.a. der Schutz der häuslichen Spähre und des Privatlebens oder auch der Imageschutz wiederfinden. Was außerhalb dieser Schutzbereiche liegt, unterliegt der Berichterstattungsfreiheit. Wenn Prominente an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen, darf darüber berichtet werden – auch aus reiner Neugier. (Branahl, 2013, S. 146)

Generell geschützt sind außerdem Daten wie Vermögensverhältnisse, Glaubensansichten und besonders die Intimsphäre.

Privat vs. Öffentlich

Natürlich muss die Berichterstattung wahrheitsgemäß sein. Bei Personen der Öffentlichkeit darf aber deutlich tiefer in die Privatsphäre eingedrungen werden. Wer kontinuierliche private Daten und Geschehnisse mit der Öffentlichkeit teilt, muss unter Umständen damit leben, dass auch Fakten veröffentlicht werden, die er niemals selbst freigegeben hat. (Branahl, 2014, S. 156)

Beispiel: Du berichtest auf deinem Blog immer wieder von deiner Beziehung mit deinem Freund. Postest gemeinsame Bilder, schreibst über Erlebnisse. Wenn ihr euch trennt, hat die Presse die Freiheit, darüber zu berichten. Selbst, wenn du die Trennung selbst nicht thematisiert, sondern die Presse aus anderen Quellen davon erfährt.

Allerdings hat jeder Mensch das Recht, seine Einstellung zur Öffentlichkeit zu ändern. Wenn also beispielsweise eine Bloggerin beschließt, künftig nichts privates mehr preiszugeben und dieses Vorhaben über einen Zeitraum kontinuierlich verfolgt, darf nicht mehr über ihr Privatleben berichtet werden. (Branahl, 2013, S. 156)

 

Dass ihr irgendwann mal so interessant seid, dass die Bildzeitung einen vernichtenden Artikel über Euch schreibt; eher unwahrscheinlich. Mir geht es eher darum darauf aufmerksam zumachen, dass die öffentliche Selbstdarstellung Folgen haben kann.

Viele schreiben unüberlegt ihre halbe Lebensgeschichte ins Netz, ohne zu wissen, dass sich daraus Konsequenzen ergeben können. Am Ende muss natürlich jeder selbst für sich wissen, wie er mit diesem Risiko umgeht.

 

Quelle: Branahl, U. (2013). Medienrecht. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer.

Aufgehorcht! Ich studiere irgendwas mit Medien und bin kein Jurist. Alle Angaben also ohne Gewähr auf Richtig- und Vollständigkeit.

Facebooks F8: Unmündigkeit durch Innovation?

Mark Zuckerberg stellt sich auf der F8 als Weltverbesserer dar. Und seine Pläne mit Facebook klingen beim ersten Hören großartig. Ob die zukünftigen Features unser Leben wirklich verbessern, stelle ich aber ernsthaft in Frage.

Facebook F8 Mark Zuckerberg
Quelle: facebook

 

F8 in San Francisco

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz hat Mark Zuckerberg einen 10-Jahres-Plan für Facebook vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um Facebook allein, sondern auch um die eingekauften Plattformen wie Instagram und Whatsapp. Den Schwerpunkt der Veranstaltung setzte Zuckerberg auf die Vernetzung der Welt mit dem Internet. Laut Zuckerberg haben vier Millionen Menschen weltweit noch keinen Zugang zum Internet. Neben der schlichten regionalen Unverfügbarkeit, seien auch Kosten und Skepsis wichtige Punkte, die Menschen am Internetzugang hindern.

Ebenso wichtig war natürlich die weitere Entwicklung der Plattform Facebook, insbesondere des Messengers. In Zukunft sollen wir durch Bots Essen und andere Produkte bestellen können. Nachrichtenseiten sollen uns individuell News schicken können. Facebook hat bei dem Event die Freigabe der API verkündet, was bedeutet, dass Entwickler nun an ihren eigenen Bots arbeiten können, um diese bei Facebook zu integrieren.

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Riesige Wahnvorstellung

Wer Innovationen mag, wird die F8 mit riesigen Augen verfolgt haben. Die Zukunft fühlt sich so nah und begehrenswert an. Doch der Zuschauer kann das Event auch in einem anderen Licht betrachten.

Mark Zuckerberg möchte die Menschen nicht nur ins Internet, sondern auch zu Facebook und seinen Tochterfirmen bringen. Möglichst all unsere Begehren – von Anerkennung bis Lieferdienst – sollen von dem sozialen Netzwerk bedient werden. Das schafft Abhängigkeit. Als Produzent und Konsument von Inhalten müssen wir uns den Richtlinien unterwerfen. Wer durch Facebook Absatz generiert ist von jeder Änderung im Algorithmus direkt betroffen. Die künftig gewünschte Omnipräsenz von Facebook klingt wie eine riesige Wahnvorstellung und nicht nach glorreicher Zukunft.

“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”

Doch nicht nur der Produzent wird in seiner Freiheit beraubt: In der Schule mussten wir wohl alle Kants Theorien lernen. Die Unmündigkeit der Menschen in der Vergangenheit war für mich damals schwer zu begreifen. Facebook und andere Internetdienste könnten diese Unmündigkeit zurückbringen.

Plattformen werden heute immer einfacher und intuitiver. Das erspart den Nutzer Zeit und Frust. Er muss aber auch weit weniger nachdenken. Wenn es um die reine Benutzung geht, ist simpel hervorragend. Wenn Algorithmen zukünftig unser Denken und Handeln bestimmen, ist es gefährlich.

Algorithmus statt Selbstständigkeit

Schon jetzt zeigt uns die Facebook-Timeline an, was uns interessieren könnte. Dadurch verpassen wir einen großen Teil der Inhalte, die unsere Freunde, aber auch Fanseiten posten. Bei recht irrelevanten Posts ist das egal. Bei Nachrichten, zum Beispiel die Berichterstattung über Wahlen, kann ein Informationsdefizit zum Problem werden.

Wenn der Facebook-Messenger für viele Menschen die einzige Bezugsquelle für Nachrichten wird, wird die Nachrichtenselektion noch undurchsichtiger. Mehr Nachrichten gehen für uns verloren. Weil der Automatismus uns das Interesse für Themen nicht zutraut oder uns bewusst nur Nachrichten anzeigt, die der Produzent verbreitet haben will.

Im Journalismus gibt es eine Theorie: Von 99 Prozent der Geschehnisse auf der Welt bekommt der Journalist/die Medien nichts mit. Und 99 Prozent der Dinge, die der Medienschaffende mitbekommt, werden nicht veröffentlicht, weil der Journalist den Nachrichtenwert für zu gering bewertet. In Zukunft reiht sich hinter dem publizierenden Medium noch eine Software, die die Nachricht bewertet und entscheidet, ob sie dem Leser angezeigt wird und wenn, an welcher Stelle. Unser Nutzungserlebnis wird dadurch personalisiert, aber vor allem beschnitten.

Und selbst wenn uns Bots und Algorithmen zukünftig genau das anzeigen, was uns interessiert, herausfordert und weiterbildet. Die Mündigkeit und Selbstbestimmtheit fehlt. Wir nutzen unsere Fähigkeit zu freien Informationsbeschaffenheit nicht mehr.

Und das kann nicht gut sein!

 

Meine Woche in Worten: Von Konsumverhalten und schmutzigen Tatorten

Überflieger oder Schnee von gestern? Im Wochenrückblick kümmere ich mich um Themen, die auch noch morgen für Gesprächstoff sorgen werden. Diese Woche hab ich mir ein paar Gedanken um Konsum gemacht und eine tolle Serie wiederentdeckt.

Diese Woche beginnt die Klausurenphase und die Prakrastination ist bei mir im vollem Gang. Die Wohnung ist sauber und ein lecker duftender Kuchen steht auf dem Tisch. Womit ich mir diese Woche sonst noch die Zeit vertrieben habe, lest Ihr hier:

Serien

Der “Tatortreiniger” ist hoffentlich hinreichend bekannt. Wenn nicht: Die Serie dreht sich um Schotty und seinen Job als Tatortreiniger. In jeder Episode trifft er auf skurrile Situationen und spannende Persönlichkeiten. Das wird alles so schön locker und authentisch erzählt, es ist wunderbar.

Ich schaue gerade die fünfte Staffel, die wieder alle Erwartungen erfüllt. Alle Folgen gibt es bei Amazon Prime.

Artikel

Selbstversuch: 365 Tage secondhand” vom Greenpeace-Blog

Klar, ein Jahr lang keine neue Kleidung zu kaufen klingt erstmal toll. Es stößt mir aber wirklich bitter auf, dass ein Jahr lang nur secondhand kaufen als Leistung gilt. Noch dazu, ist das eben ein Experiment, was kaum alltagstauglich ist.

Besser wäre doch, ein Jahr lang zu versuchen, nur vier neue Kleidungsstücke zu kaufen. Denn die Minimierung des Konsums sollte das Ziel sein, nicht einjährige Experimente, die schwer in den Alltag zu integrieren sind.

Ich brauche das, wirklich”  auf doyouliketohurt.com

Kim hat sich mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinander gesetzt. Wie wir uns immer wieder neu manipulieren, damit der fünfte graue Cardigan auch noch bei uns einziehen darf. Sehr selbstreflektiert und ehrlich geschrieben.

Shopping tötet” von der Zeit

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Jup, diese Woche bin ich ganz schön konsumkritisch unterwegs. Pünktlich zur Fashion Week hat sich auch die Zeit mit Mode als Konsumgut beschäftigt. Der Beitrag setzt sich auch mit dem Dokumentarfilm “The True Cost” auseinander, der die ganze Wertschöpfungskette der Modeindustrie dokumentiert.

Jumpsuits aus PET-Flaschen” von spiegel.de

Damit ich nicht nur mecker, gibt es hier auch was konstruktives: Der Spiegel hat anlässlich zur Fashion Week ein paar Eco-Labels vorgestellt. Ich hab mir gleich ein paar Labels gebookmarked und freue mich schon darauf, mich näher mit den einzelnen Marken auseinandersetzen zu können.

Ein Informatiker will Alzheimer mit Mensch-Computern bekämpfen” von Wired

In Deutschland leiden 1,3 Millionen Menschen an Alzheimer. Eine Chance auf Heilung gibt es derzeit nicht. Ein Wissenschaftler und ein Informatiker forschen derzeit an der Krankheit und wollen das Internet bei der Auswertung von Ergebnissen mit einbeziehen.

Das ist nicht nur unglaublich spannend, es schafft auch Hoffnung. Außerdem klingt es wie eine kleine Revolution der Wissenschaft.

Winterblues? Attacke!” von je-suis-huck.com

Zum Abschluss etwas zum Aufheitern. Der Winter macht uns doch alle mürbe und miesepetrig. Ellen hat sich dem Winterblues mit ganz viel Humor angenommen und mir auf jeden Fall einen schönen Tag damit bereitet. Euch hoffentlich auch!

Wenn Ihr Linktipps habt oder einfach etwas tolles im Netz gefundet habt, immer her damit. Ich freue mich über Ablenkung!

Meinung: Der WDR traut sich was

#Freiheit, Sami Slimani und Lets Plays. Youtuber zeigen sich vielsetig – mit Erfolg. Gerade bei Jugendlichen und junge Erwachsenen sind die Videos rund um News, Tutorials und Trivia beliebt. Nun will auch der WDR ein Stück vom Kuchen.

“Kennen Sie Youtube?”, fragt Jörg Schöneborn, Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks einen jungen Mitarbeiter. Die Antwort lautet selbstverständlich “Ja”. Und würde sich der WDR in weiteren Teilen Deutschlands umhören würden sie wohl kaum jemanden zwischen 12 und 30 treffen, der noch nie etwas von Googles Tochter gehört hat.

Seit gestern gehört auch der WDR zu dem großen Pool deutscher Youtuber. Mit einem selbstironischen Trailer haben sie bereits am Sonntag visuell ihren Einstand verkündet. Vorgestellt wurden dabei nicht nur die drei jungen Moderatoren, die künftig das Gesicht des Formats #3sechzich sein werden. Auch die Leitwerte wurden vorgestellt. “Unabhängig, meinungsfreudig, relevant” möchten sie sein.

Auf dem Kanal soll es fast täglich aktuelle Beiträge und Nachrichten geben. Die erste Sendung beschäftigte sich gestern mit dem allgegenwärtigen Thema Pegida. Die Absage der Demo in Dresden und die Pressekonferenz waren Gesprächsstoff für Moderatorin M3lly, die allerdings nicht als neutrale, apolitische Journalisten auftrat, sondern den Nachrichten durchaus etwas Spott mitgab. Die Ausschnitte von außerhalb werden so gewählt, dass sie der Meinung des #3sechzich-Teams untermauern. Man fühlt sich ein bisschen an Stefan Raab erinnert, der ebenfalls nur die Szenen zeigt, die die Protagonisten in ein unangenehmes Licht rücken.

Die Darstellung wirkt insgesamt ungezwungener als man es von öffentlich-rechtlichen Programmen gewohnt ist. Die Moderatorin steht locker im Raum, die Sprache ist einfach und verständlich und auch ein paar “Ähs” und Ähms” lassen sich raushören. Bei den großen Youtubern hat sich der WDR auch etwas abgeschaut: Am Ende des Videos wird brav um Kommentare, Likes und Meinungen gebettelt.

Ob der WDR mit diesem Format wirklich an die junge Zielgruppe anschließen kann, wag ich zu bezweifeln. Auch wenn die Darstellungsform lockerer wirkt, so ist es doch nur ein Thema der Tagesschau, dass in drei Minuten “meinungsfreudig” bearbeitet wird. Ich würde mir mehr Visualisierungen wünschen, wie z.B. bei Logo vom Kinderkanal, angepasst an junge Erwachsene. Außerdem fehlt mir der Mehrwert. Was wirklich neues habe ich nicht erfahren. Der Bericht über Pegida war außerdem sehr einseitig, wobei es gerade bei diesem Thema wichtig ist, beide Seiten zu zeigen. Am Ende schießt sich die “Lügenpresse” damit noch ins eigene Bein.

Natürlich war das erst die erste Folge und ich werde auf jeden Fall dranbleiben und beobachten, was für eine Entwicklung #3sechzich annimmt.