Rote Khmer: Was Du über Kambodscha wissen solltest

Kambodscha gilt heute als Backpackerparadies. Erst seit den 90ern wird das Land wieder von Touristen besucht. Vorher herrschte lange Bürgerkrieg.

Jede Familie in Kambodscha hat in dieser Zeit Menschen verloren” erzählt unser Tourguide im Genozid-Museum. Sie selbst habe ihren Vater, ihre Schwester und ihren Bruder in der Zeit der Roten Khmer verloren. Woran ihre Geschwister starben weiß sie bis heute nicht.

Bis zu meinem Besuch in Siem Reap wusste ich nichts von der schlimmen Vergangenheit Kambodschas. In der Schule habe ich nie davon gehört, nie zufällig eine Doku dazu im Fernsehen gesehen. Auch vor meiner Reise habe ich mich abseits von Sehenswürdigkeiten und schönen Orten nicht über Kambodscha informiert. Ich Nachhinein find ich das sehr dumm und ignorant von mir. Die Geschichte eines Landes ist schließlich der Grund warum die Gegenwart ist wie sie ist. Meine Freundin Fernanda empfahl mir einen Besuch des Genozid-Museums sowie der Killing Fields. Nach meinem Besuch im Angkor Park ging es also zurück in die Hauptstadt.

Die Geschichte Kambodschas

Kambodscha war einst eine französische Kolonie und eine Monarchie. Unter dem Einfluss Frankreichs hatte die Königsfamilie allerdings nicht viel zu sagen. Im Zuge der Unabhängigkeit Vietnams von Frankreich, wurde auch Kambodscha frei von ihren Kolonialherren.

Im Hintergrund hatte sich schon lange eine kommunistische Bewegung geformt: Die roten Khmer. Oder auch Khmer Rouge. Khmer bezeichnet die ethische Mehrheit in Kambodscha, Rouge oder Rot ist die Farbe des Kommunismus. Die Bewegung rund um ihren Anführer Pol Pat war verärgert über die Unmündigkeit der eigenen Regierung und der Monarchie. Dem Volk ging es schlecht, die Regierung war korrupt. Jahrelang bildeten die Roten Khmer im Urwald an der vietnamesischen Grenze Soldaten aus, oft noch Kinder.

Der Vietnamkrieg griff auch auf Kambodscha über. Da die Amerikaner Angst vor einem weiteren kommunistischen Staat hatten, intervenierten sich auch in Vietnams Nachbarländern. Nach fünf Jahren voller Kämpfe in Vietnam konnten die Roten Khmer 1975 über die Amerikaner und den eigenen Regierungstruppen siegen.

Zunächst freuten sich die Kambodschaner über den Sieg der Roten Khmer und erhoffte sich Besserung. Die Hauptstadt war von der kommunistischen Bewegung schnell eingenommen. Die Republik Kampuchea wurde ausgerufen. Innerhalb weniger Tage verwandelten die Roten Khmer Phnom Penh in eine Geisterstadt. Sie zwangen die Einwohner aufs Land zu ziehen, um dort eine Agrargesellschaft aufzubauen. Wer sich weigerte wurde erschossen. Doch auch die Märsche zu den Agrarfeldern forderte zahlreiche Tote. Die Nahrung war knapp und der Weg zu den Feldern dauerte Wochen.

Agrargesellschaft ohne Bildung

Die Kommunisten wollten eine einfache Gesellschaft, die unabhängig vom Ausland ist und sich selbst versorgt. Intellektuelle und Mönche wurden getötet. Schon wer eine Fremdsprache beherrschte wurde als Gefahr empfunden, deportiert und getötet. Wahllos wurden Menschen festgenommen, da sie hinter jedem einen Spitzel und Verräter vermuteten. In Phnom Penh wurden die Sträflinge ins S21-Gefängnis gebracht, wo sie gefoltert wurden. Wer nicht im Gefängnis starb, wurde zu den sogenannten Killing Fields deportiert, wo sie gleich nach ihrer Ankunft umgebracht wurden sind.

Geld und Privatbesitz war in dieser Zeit verboten. Religiöse und kulturelle Stätte wurden größtenteils zerstört. In vier Jahren Herrschaft sind mindestens 1,7 Millionen Menschen um ihr Leben gekommen.

Die eigene Paranoia brachte die Roten Khmer schließlich zum Fall. Sie vermuteten, dass Vietnam ins Land einmarschieren wollte und starteten selbst die Offensive gegen ihr Nachbarland. Nachdem sie erfolgreich einige Dörfer einnehmen konnten, konnten das vietnamesische Militär 1979 Phnom Penh einnehmen. Sie marschieren in Kambodscha ein und entdeckten die grausamen Gefängnisse und Killing Fields. Vorher waren die Vorkommnisse in Kambodscha im Ausland völlig unbeachtet.

Ein Grauen ohne Büße

Bis heute wurden die meisten Anführer und Mitläufer der Roten Khmer nicht bestraft. Im Untergrund könnten sie noch bis in die 90er agieren und weiterhin Vernichtungslager betreiben. Die Roten Khmer wurden international als Regierung sogar lange anerkannt. Noch bis 1991 hatten sie einen Sitz bei den Vereinten Nationen. 

Nach dem Sieg der Vietnamesen über Phnom Penh folgten viele Jahre Bürgerkrieg in Kambodscha. Erst 1991 kamen Truppen der Vereinten Nationen ins Land und bildeten eine Übergangsregierung, die Wahlen organisierte und den Waffenstillstand überwachte.

Kambodscha heute

In Städten wie Siem Reap oder Sihanoukville ist diese Vergangenheiten kaum zu spüren. Die Städte haben sich in wahre Touristenhochburgen verwandelt. Voll von Bars, Restaurants und buntem Touriramsch. Doch Phnom Penh sieht in vielen Ecken noch aus wie eine Geisterstadt. Die grauen Fassaden und die tristen Straßenzüge stehen im Widerspruch zu anderen asiatischen Metropolen. Die Veränderung kommt langsam. An immer mehr Ecken entstehen riesige Baustellen. Bald werden sich Supersize-Malls und Luxus-Hotels die Skyline teilen.

Kambodscha hat damals beinahe eine ganze Generation verloren. Kaum einer spricht heute Englisch, viele können weder lesen noch schreiben. Die Arbeitslosigkeit ist groß. In der technischen Entwicklung hängt Kambodscha hinterher. Landminen schlummern versteckt unter abgelegenen Feldern und Wegen.

Die Geschichte von Kambodscha hat mich sprachlos zurückgelassen. Wie kann es sein, dass ich in 23 Jahren nicht einmal von diesem Genozid am eigenen Volk gehört habe? Auch wenn man sich im Urlaub oder beim Reisen lieber mit schönen Dinge beschäftigt, ist der Besuch des Genozid-Museums und der Killing Fields ein Muss. 

Für den Besuch des Genozid-Museums und der Killing Fields habe ich eine Tour über Viator gebucht, mit der ich sehr zufrieden war. Nur die Zeit war leider etwas knapp, so dass im Museum nur eine kurze Tour möglich war.

Natürlich ist das nur eine Zusammenfassung der Geschehnisse, die keinesfalls die ganze Tragik und dem Ausmaß gerecht werden kann.

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Kambodscha: Zwei Tage in Phnom Penh

Vor Phnom Penh hatte ich ein bisschen Angst. Warum das Quatsch war und wie ich überhaupt in der kambodschanischen Hauptstadt gelandet bin:

Als ich Ende Dezember an der Schlange der Passkontrolle in Bangkok stand, bekam ich einen kleinen Anfall. Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob das Visum für Thailand umsonst ist und ob ich nicht einen Weiterflug benötige. Die Nacht vorher habe ich in Jakarta meinen letzten Abend mit Freunden gefeiert, aufgewacht bin ich morgens eher aus Zufall und gepackt hab ich innerhalb von 30 Minuten. Die 3 1/2 Stunden Flug von Jakarta nach Bangkok hab ich damit verbracht immer wieder mit meinem Kopf gegen den Sitz vor mir zu knallen. Immer wieder.

Ich war müde, wahrscheinlich noch nicht ganz nüchtern und hatte Hunger. Völlig übernächtigt war ich auf einmal der festen Überzeugung einen Weiterflug aus Thailand zu brauchen, um das Visum zu bekommen. Also raus aus der Schlange, freies WIFI gesucht und völlig verballert einen Flug nach Phnom Penh, Hauptstadt von Kambodscha, gebucht. Danach hab ich mich noch kurz mit dem Mann vom Geldschalter angelegt, weil er meine Indonesischen Rupiah partout nicht in Thailändische Baht tauschen wollte.

Ende vom Lied: Mit deutschem Pass braucht man als Tourist kein Visum, es gibt dementsprechend auch keine Gebühr und einen Weiterflug habe ich auch nicht gebraucht.

Die Einreise nach Kambodscha

Dank meines kleinen Nervenzusammenbruchs stand ich also knapp zwei Wochen später wieder am Don Mueng Flughafen von Bangkok. Deutlich entspannter gab es dieses Mal keine Probleme. Dank des frühen Flugs war es in am kambodschanischen Flughafen morgens noch ruhig und der ganze Immigration-Prozess ging richtig flott.

Für Kambodscha braucht es allerdings ein Visa-On-Arrival. Für den Antrag fühlt ihr am Flughafen einen Zettel aus und braucht außerdem ein Passfoto. Die Visagebühr beträgt 30 US-Dollar. In Kambodscha werden größere Summen in amerikanischen Dollar gezahlt. Das Wechselgeld gibt es dann meist in der kambodschanischen Währung Riel.

Phnom Penh: Eine gefährliche Stadt?

Mit einem Tuk-Tuk ging es dann in die Stadt zum Hostel. Als ich dort eincheckte, beklagte sich gerade ein anderer Gast darüber, das am Abend zuvor sein Smartphone aus seiner Hand geklaut wurde. An der Rezeption wollte man mich sofort belehren, ich solle ja nicht meine Wertgegenstände in der Öffentlichkeit spazieren führen. Das gilt für ganz Asien, in Kambodscha wird das gerne besonders betont. “Ich hab in Jakarta gelebt, ich kenne das”, denke ich etwas großkotzig. Trotzdem mache ich mich eine halbe Stunde später etwas mulmig auf den Weg um die Stadt zu entdecken.

Phnom Penh liegt in der Entwicklung etwa 10 Jahre hinter Jakarta und locker 20 hinter Bangkok. Durch den langen Bürgerkrieg in Kambodscha entwickelt sich der Tourismus erst langsam wieder seit den 90ern. Dazu ist Kambodscha eines der ärmsten Länder der Welt, das Geld für Hotels und Co kommt also von ausländischen Investoren.

Die kambodschanische Hauptstadt wird sich in den nächsten Jahren wahnsinnig entwickeln. Noch kann man aber einen Hauch des ursprünglichen Asiens entdecken. Phnom Penh, lange eine Geisterstadt, ist noch nicht von Einkaufszentren und internationalen Ketten eingenommen. Es gibt kein Starbucks, kein McDonalds. Stattdessen kann man das alltägliche Leben beobachten.

Tuk Tuk, Lady?

Dieses Ursprünglich, nicht-Internationale kann einen etwas Angst machen. Alle fünf Meter ruft jemand „Tuk Tuk Lady?“. Ich sage „No“ oder schüttle mit dem Kopf. Nach ein paar Sekunden geht das Spiel von vorne los. Es ist anstrengend und etwas bedrängend. Ich will eigentlich zum Königspalast, habe mich aber verlaufen. Um auf mein Smartphone zu schauen, gucke ich mir erst eine sichere Ecke aus. Ich hab echt Angst, dass mir mein Handy geklaut wird.

Im Endeffekt habe ich den Palast gefunden, wurde nicht beklaut und habe mich sogar gewappnet gefühlt für diese Stadt. Nach Siem Reap bin ich sogar noch einmal für zwei Tage zurück nach Phnom Penh gekommen, um mehr über die Geschichte Kambodschas zu erfahren.

Phnom Penh ist nicht gefährlich. Aber es gibt es paar Menschen dort, die Chancen nutzen, wenn sie sich ergeben. Man muss nicht super vorsichtig durch die Stadt schleichen, aber bewusst und aufmerksam. Dann klappt auch alles!

Phnom Penh Hausfassaden

Phnom Penh Hausfassaden

Phnom Penh Post Office

Phnom Penh Ufer Riverside