Serien: Tipps für das schlechte Wetter

Bei dem komischen Wetter schau ich gerne Serien. Womit es sich jetzt anzufangen lohnt:

Serien Tipps für schlechtes Wetter

Durch zahlreiche Abgabetermine in der Uni, hab ich leider gerade nicht so viel Zeit für einen Serienmarathon. In den letzten Wochen sind trotzdem ein paar dazugekommen, die sich anzuschauen lohnen. Gerade, weil dieses Wetter perfekt für ein paar Folgen am Stück ist.

Homeland

homeland

Im Zentrum der Geschichte steht Carrie, eine CIA-Agentin. Als Nick Brody nach acht Jahren Gefangenschaft auf dem Irak zurückkommt, verdächtigt sie ihn, eine Schläferzelle der Terroristen zu sein. Bei ihrem Versuch, ihn zu entlarven, kommt sie Brody gefährlich nah.

Bei Homeland weiß ich ehrlich gesagt selbst nicht weiter. Die erste Staffel hat mich total gefesselt, bei der zweiten haben mich die Hauptcharaktere immer mehr genervt. Der Kampf gegen den Terror rückt in den Hintergrund, stattdessen werden mehr und mehr die privaten Probleme beleuchtet. An sich ja schön, nur sind mir die Protagonisten Carrie und Brody gar nicht sympathisch.

Daredevil

Daredevil Kommentar Kritik

Murdock versucht tagsüber als junger Anwalt Fuß zu fassen und kämpft nachts gegen das Verbrechen. Eine Kleinigkeit unterscheidet ihn aber von den sonstigen Superhelden: Er ist blind.

Mit Daredevil habe ich gerade erst angefangen, aber bin schon sehr begeistert. Die Darstellung ist detailverliebt und selbst die Kämpfe finde ich durch die eindrucksvolle Inszenierung spannend. Das Storytelling suggeriert außerdem, dass die Vorgeschichte der Charakter noch viele Geheimnisse verbirgt.

House of Cards

House Of Cards Kritik Kommentar

In House of Cards verfolgt Ihr das Spiel um die Macht von Frank Underwood. Er ist Kongressabgeordneter der Demokraten, kämpft in der ersten Staffel aber um den Platz als Außenminister. Um seine Ziele zu erreichen, greift er zu jedem Mittel.

House of Cards ist ein Must-See. Das politische Geschick von Underwood ist großartig. Die Geschichte ist immer in Fahrt, weil jederzeit eine Intrige oder ein Hinterhalt auffliegen könnte. Mein Lieblingscharakter ist Claire Underwood, weil sie durch ihre selbstbewusste und teils hinterlistige Art, Frauen endlich auf eine Stufe mit Männern stellt. Bei House of Cards hab ich außerdem das Gefühl, etwas Intelligentes zu schauen und nicht bloß belangloses Zeug.

The Man in the High Castle

The man in the high castle kritik

Die Serie spielt in einer alternativen Zukunft. Die Nazis und die Japaner haben den zweiten Weltkrieg gewonnen und die Welt unter sich aufgeteilt. Ein junge Amerikanerin findet einen Film, der die Allierten als Sieger darstellt und beginnt, das System zu hinterfragen. Bald trifft sie auf Joe Blake, der angeblich für den Widerstand an der Ostküste arbeitet. Trotz unterschiedlicher Ziele helfen die beiden sich immer wieder.

Auch bei The Man in the High Castle brauchte ich ein paar Folgen, um die Geschichte richtig einordnen zu können. Wenn Ihr erstmal drin seid, sorgt die Serie durch ihre Erzählweise aber für ordentlich Adrenalin. Vor allem die strikte Erbarmungslosigkeit der Nazis und der Japaner ist erschafft ein beklemmendes Gefühl, sobald sie die Szenerie betreten.

Better Call Saul

Better Call Saul Kritik

Better Call Saul beschäftigt sich mit der Vorgeschichte von Saul Goodmann, dem Anwalt aus Breaking Bad. Als Jimmy McGill bekommt er seine Karriere nicht wirklich auf die Kette, entdeckt dann aber durch Zufall einen riesigen Betrug von Seniorenheimen an ihren Bewohnern. Er selbst und sein Bruder legen ihn aber immer wieder Steine in den Weg.

Ich bin großer Breaking Bad-Fan, braucht aber doch ein paar Folgen, um mit Better Call Saul warm zu werden. Dem Rezipienten werden am Anfang viele Puzzleteile hingeschmissen, die ich erst nicht zusammensetzen konnte. Ab der fünften Folge gewinnt die Serie aber etwas an Fahrt und die Zuschauer erfahren immer mehr über die Hintergründe. Und Jimmy McGill aka Saul Goodmann ist einfach ein spannender Charakter, der durch Bob Odenkirk hervorragend gespielt wird.

 

Alle Serien sind meiner Meinung nach sehr storylastig. Es ist also Konzentration gefragt, statt Multitasking. Gerade, weil Ihr sonst viele Details verpassen werdet. Für das Wetter sind solche Serien, die einen etwas fordern und in ihren Bann ziehen, richtig super.

Welche Serien könnt Ihr empfehlen?

Fest & flauschig: War doch gar nicht so schlimm

Die erste Folge “Fest und Flauschig” von Olli Schulz und Jan Böhmermann ist ab sofort auf Spotify verfügbar. Die neue Freiheit tut den Beiden gut.

Fest und Flauschif von Jan Böhmermann und Olli Schulz
Quelle: Spotify

Ein persönliche Premiere gab es bei mir parallel zur ersten Folge: Noch nie saß ich morgens gespannt mit Müsli, Ingwertee und Kopfhörern im Bett um einen Podcast zu hören.

Meine fast feierliche Zeremonie hat sich aber gelohnt. “Fest & flauschig” fängt genauso an, wie “Sanft und Sorgfältig” letzten Monat endete. Gewohnt wird gemeckert, gelabert und gealbert. Nach ein paar Wochen Pause gibt es bei Schulz und Böhmermann viel Gesprächsbedarf. So wird über Schuhe geredet, über das elendige Erdogan-Thema, aber auch die großen Fünf sind wieder mit dabei. Diesmal: Die großen fünf deutschen Imbissgericht. Kulinarisch also schon sehr hörenswert.

Fest & Flauschig

Natürlich wird auch der Wechsel zu Spotify thematisiert. Gleich zu Beginn betonen die Beiden, dass sie selbst auf den Streamingdienst zugegangen wären. Die weitere Zusammenarbeit mit der ARD scheiterte schlussendlich an 200 Euro, wie Böhmermann und Schulz sagen.

Quelle: Facebook-Page von Olli Schulz
Quelle: Facebook-Page von Olli Schulz

 

Nun genießen die beiden Moderatoren ihre neue Freiheit bei Spotify. Inklusive Werbekampagne, wie die beiden stolz erzählen. Bei Radio Eins, ihrer alten Radioheimat, wäre so etwas immer wieder abgelehnt worden, erklärt Böhmermann. Auch sonst wirken Beide mit dem neuen Arbeitgeber zufrieden, ohne ihn hochzuhalten. Das Korsett der Öffentlich-Rechtlichen ist Geschichte. Dadurch kann frei über alles geredet werden und weder Werbung noch Musik unterbricht den Dialog.

Alles halb so schlimm

Über “Fest & Flauschig” kann jeder meckern, wie er möchte. Einen inhaltlichen Unterschied zu vorher gibt es allerdings nicht. Nur die Art des Abspielens hat sich geändert. Auch in Zukunft wird es launige Folgen geben und richtig gute. Eben so, wie Böhmermann und Schulz gerade drauf sind. Ohne geschriebene Dialoge und eng geplanten Zeitplan. Olli und Jan halt.

Momentan ist der Podcast nur mit Android und iOS über die Spotify-App zu hören. Angeboten wird es derzeit nur in Deutschland und Österreich. Die Schweiz folgt bald. Auf Youtube findet Ihr aber nach wie vor alle Folgen.

 

 

Facebooks F8: Unmündigkeit durch Innovation?

Mark Zuckerberg stellt sich auf der F8 als Weltverbesserer dar. Und seine Pläne mit Facebook klingen beim ersten Hören großartig. Ob die zukünftigen Features unser Leben wirklich verbessern, stelle ich aber ernsthaft in Frage.

Facebook F8 Mark Zuckerberg
Quelle: facebook

 

F8 in San Francisco

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz hat Mark Zuckerberg einen 10-Jahres-Plan für Facebook vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um Facebook allein, sondern auch um die eingekauften Plattformen wie Instagram und Whatsapp. Den Schwerpunkt der Veranstaltung setzte Zuckerberg auf die Vernetzung der Welt mit dem Internet. Laut Zuckerberg haben vier Millionen Menschen weltweit noch keinen Zugang zum Internet. Neben der schlichten regionalen Unverfügbarkeit, seien auch Kosten und Skepsis wichtige Punkte, die Menschen am Internetzugang hindern.

Ebenso wichtig war natürlich die weitere Entwicklung der Plattform Facebook, insbesondere des Messengers. In Zukunft sollen wir durch Bots Essen und andere Produkte bestellen können. Nachrichtenseiten sollen uns individuell News schicken können. Facebook hat bei dem Event die Freigabe der API verkündet, was bedeutet, dass Entwickler nun an ihren eigenen Bots arbeiten können, um diese bei Facebook zu integrieren.

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Riesige Wahnvorstellung

Wer Innovationen mag, wird die F8 mit riesigen Augen verfolgt haben. Die Zukunft fühlt sich so nah und begehrenswert an. Doch der Zuschauer kann das Event auch in einem anderen Licht betrachten.

Mark Zuckerberg möchte die Menschen nicht nur ins Internet, sondern auch zu Facebook und seinen Tochterfirmen bringen. Möglichst all unsere Begehren – von Anerkennung bis Lieferdienst – sollen von dem sozialen Netzwerk bedient werden. Das schafft Abhängigkeit. Als Produzent und Konsument von Inhalten müssen wir uns den Richtlinien unterwerfen. Wer durch Facebook Absatz generiert ist von jeder Änderung im Algorithmus direkt betroffen. Die künftig gewünschte Omnipräsenz von Facebook klingt wie eine riesige Wahnvorstellung und nicht nach glorreicher Zukunft.

“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”

Doch nicht nur der Produzent wird in seiner Freiheit beraubt: In der Schule mussten wir wohl alle Kants Theorien lernen. Die Unmündigkeit der Menschen in der Vergangenheit war für mich damals schwer zu begreifen. Facebook und andere Internetdienste könnten diese Unmündigkeit zurückbringen.

Plattformen werden heute immer einfacher und intuitiver. Das erspart den Nutzer Zeit und Frust. Er muss aber auch weit weniger nachdenken. Wenn es um die reine Benutzung geht, ist simpel hervorragend. Wenn Algorithmen zukünftig unser Denken und Handeln bestimmen, ist es gefährlich.

Algorithmus statt Selbstständigkeit

Schon jetzt zeigt uns die Facebook-Timeline an, was uns interessieren könnte. Dadurch verpassen wir einen großen Teil der Inhalte, die unsere Freunde, aber auch Fanseiten posten. Bei recht irrelevanten Posts ist das egal. Bei Nachrichten, zum Beispiel die Berichterstattung über Wahlen, kann ein Informationsdefizit zum Problem werden.

Wenn der Facebook-Messenger für viele Menschen die einzige Bezugsquelle für Nachrichten wird, wird die Nachrichtenselektion noch undurchsichtiger. Mehr Nachrichten gehen für uns verloren. Weil der Automatismus uns das Interesse für Themen nicht zutraut oder uns bewusst nur Nachrichten anzeigt, die der Produzent verbreitet haben will.

Im Journalismus gibt es eine Theorie: Von 99 Prozent der Geschehnisse auf der Welt bekommt der Journalist/die Medien nichts mit. Und 99 Prozent der Dinge, die der Medienschaffende mitbekommt, werden nicht veröffentlicht, weil der Journalist den Nachrichtenwert für zu gering bewertet. In Zukunft reiht sich hinter dem publizierenden Medium noch eine Software, die die Nachricht bewertet und entscheidet, ob sie dem Leser angezeigt wird und wenn, an welcher Stelle. Unser Nutzungserlebnis wird dadurch personalisiert, aber vor allem beschnitten.

Und selbst wenn uns Bots und Algorithmen zukünftig genau das anzeigen, was uns interessiert, herausfordert und weiterbildet. Die Mündigkeit und Selbstbestimmtheit fehlt. Wir nutzen unsere Fähigkeit zu freien Informationsbeschaffenheit nicht mehr.

Und das kann nicht gut sein!

 

Fuller House: Fremdscham und Nostalgie

“Fuller House” ist seit einigen Wochen auf Netflix verfügbar. Oft ist die Serie ganz schön drüber, in vielen Momenten aber auch einfach schön und witzig. Meine Kritik:

Der Hype um “Fuller House” hielt in Deutschland nicht lange an. Und ehrlich gesagt, kann die Serie weder mit sonstigen Netflix-Krachern, noch mit anderen typischen Sitcoms mithalten. Die 13 Folgen der Netflix Original Serie haben mir trotzdem einige schöne Momente beschert.

Die Story

Fuller House Netflix Original
Quelle: Netflix

“Fuller House” holt dich genau dort ab, wo “Full House” endete, nur 20 Jahre später. Die Tanner-Mädchen sind längst erwachsen. DJ ist Mutter von drei Jungen, Stephanie tourt erfolgreich als DJ um die Welt und Michelle baut ihr Modeimperium auf.

Auch Joey, Onkel Jesse und die anderen, damaligen Erwachsenen tauchen in der ersten Folge auf. Beruflich geht es für sie nach L.A. und Las Vegas, wodurch die Mädels allein zurückbleiben. Das trifft vor allem DJ schwer. Da ihr Mann bei einem Feuerwehreinsatz ums Leben gekommen ist, erwartet sie nun das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter. Aus Mitgefühl entscheiden sich schließlich Stephanie und Kimmy Gibbler ins Tanner-Haus einzuziehen um DJ zu unterstützen.

Beziehungen und andere Probleme

Von da an geht es in den Folgen um Beziehungen, Dating, die Jugend und allerlei Probleme und Sorgen einer Patchwork-Familie. Natürlich immer mit Humor und einer ordentlichen Portion Moral am Ende.

Trotz Veränderung bzw. Alterung des Casts sind die Geschichten also sehr nah an “Full House”. Meiner Meinung nach etwas zu nah. Die bunte Patchwork-Familie passt natürlich zum Hause Tanner, hätte aber moderner sein können. Anstatt des drastischen Todes von DJs Ehemann hätte eine “einfache” Trennung deutlich mehr Dynamik und Abwechslung in die Serie bringen können. Und hätte gleichzeitig die Realität vieler Haushalte widergespiegelt. Stattdessen werden alte “Full House”-Geschichten wieder aufgebrüht. Die Anlehnung an alte Folgen birgt schön Erinnerung, für die zweite Staffel wünsche ich mir aber mehr Eigenständigkeit.

Der Cast

Full House from abc
Quelle: abc

Außer den Olsen-Zwillingen sind alle Schauspieler wieder mit dabei. Plus die neuen Kinder. DJ hat mit Jackson, Max und Tommy drei Jungen, die im selben Alter sind, wie in der ersten “Full House”-Staffel DJ und ihre Schwestern. Gerade das mittlere Kind Max bietet durch seine witzige und etwas altkluge Art viel Potential. Baby Tommy und Jackson blieben bisher etwas farblos.

Auch Kimmy bringt mit ihrer Tochter Ramona ein neues Gesicht mit in die Serie. Ramona ist 13 und tritt am Anfang zickig und unwillig auf. Im Verlauf der ersten Staffel verliert sich das etwas, einen bleibenden Eindruck hinterlässt sie sonst nicht. Ebenfalls neu ist DJs Kollege Matt, der ihr schon bald den Kopf verdreht. Matt fand ich durchweg sehr sympathisch und auf seine Entwicklung freue ich mich am meisten.

Im Zentrum stehen DJ, Stephanie und Kimmy. Während Kimmy etwas zu überzeichnet und nervig ist, machen die anderen beiden viel Spaß. Stephanie als etwas unbeholfene Tante bringt viel Lockerheit in die Familie Tanner. Da sie weder beruflich noch beziehungstechnisch auf einen grünen Zweig kommt, dürfen wir in Zukunft viele witzige Situation erwarten.

DJ hingegen sorgt für Ruhe und Ordnung. Durch ihre Figur könnten in der zweiten Staffel längerfristige Storylines ermöglicht werden. Als Mutter und Herrin des Hauses sind außerdem viele Parallelen zu ihrem Vater erkennbar.

Die Episoden

Die Serie hat mir je nach Episode mal sehr viel Spaß gemacht – oder für Kopfschütteln gesorgt. Wer “Fuller House” anklickt, erwartet natürlich keine tiefgründige Unterhaltung. Oftmals arten die Folgen allerdings in Tanzen oder unsinnigen Erlebnissen aus. Vieles wirkt etwas drüber und zu sehr gewollt.

Die Machart wirkt oft veraltet. Alles im Hause Tanner wirkt perfekt, nur oberflächlich tauchen ab und an Risse auf. Jegliche Geschichten gehen immer gut für die Tanners aus. Das mag natürlich zu “Fuller House” gehören, wirkt aber unauthentisch in Hinblick zu Serie wie “How I Met Your Mother” oder “Modern Family”.

Der Handlung fehlt zwar jegliche Tiefe, trotz dessen macht die Serie Spaß. Schon der guten alten Zeit wegen. Viele Situation sind einfach witzig oder schön, weil die Familie am Ende immer zusammenhält. Gerade durch die Vielfalt der Charakter gibt es oft überraschende Situationen, aber auch wiederkehrende Elemente, die ihren Charme entfalten.

Mein Ausblick

Auch wenn die erste Staffel mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt, werde ich in die zweite mit Sicherheit reinsehen. Die erste Staffel wurde vor allem benutzt, um die neue Charakter vorzustellen, von der zweiten erwarte ich also etwas mehr Handlung und Entwicklung. Eine besondere Dynamik erhält die Serie natürlich dadurch, dass die Kinder kontinuierlich älter werden und die Storyline sich so natürlich weiterentwickeln kann.

Die erste Staffel endet übrigens bewusst sehr offen. Auf kritische Stimmen zur ersten Staffel können Produzenten und Drehbuchautoren also gut reagieren. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Folgen!

Alle 13 Episoden der ersten Staffel “Fuller House” sind exklusiv auf Netflix verfügbar.

Ein Film ohne Schnitt: “Victoria”

Nachts in Berlin. Vier Jungs feiern, trinken, machen Quatsch und treffen auf eine junge Spanierin. Der Abend wird aufregend, spannend und endet tragisch.

Deutsche Filme können meist in zwei Kategorien eingeteilt werden: Peinlich oder überraschend gut. Auf “Victoria” trifft das nicht zu. Der Film spielt locker auf internationalem Niveau.”Victoria” ist ein Film über den man sprechen will, weil das Gesehene einen begeistert und verstört. Und sobald man die Hintergründe erfährt, hört man mit dem Schwärmen gar nicht mehr auf.

Streifzug durch Berlin

Die Männerclique von Sonne, Blinker, Fuß und Boxer fliegt nachts aus einem Berliner Club. Aufgeheitert durch die Situation und etwas Alkohol quatschen sie die junge Spanierin Victoria an. Victoria, neu in Berlin, begleitet die vier jungen Männer daraufhin durch die Nacht. Sonne, der an Victoria interessiert zu sein scheint, bringt sie schließlich zu dem Cafe, in dem sie arbeitet. Nur kurze Zeit später tauchen die restlichen Jungs beim Cafe auf. Boxer, ein ehemaliger Häftling, ist einem ehemaligen Zellenkameraden etwas schuldig. Die Truppe soll eine Bank überfallen.

Ohne Schnitt – viel Authenzität

Der Film wurde in eins durchgedreht. Ohne Schnitt, ohne Pause. Und gerade das gibt dem Film seine Magie. Durch das ungewöhnliche Setting wird viel improvisiert, die Schauspieler verhalten sich absolut authentisch. Sind sympathisch, mal verkopft, mal nervig. Trotz 140 min Spieldauer, kommt in dem Film nie Langweile auf. Die Story wird in Echtzeit gedreht, allerdings verharrt die Geschichte nie lange an einem Ort. Zum Höhepunkt wird der Film schließlich immer schneller, das Drama nimmt seinen Lauf. Das Ende wird wieder ruhig, trügerisch, wie die Stille ihren Raum einnimmt..

Victoria – Ab auf deine Filmliste

“Victoria” ist ein Film, den man gesehen haben sollte. Gerade diejenigen, die deutschen Filmen sonst den Rücken kehren, sollten diesem unbedingt eine Chance geben. Gerade dadurch, dass es ein One-Take ist, ist der Film anders, als alles vorher dagewesene. Eine kleine Revolution der deutschen Filmlandschaft. Als Protagonist agiert außerdem der hervorragende Frederick Lau -ein Grund, der für sich spricht.

Auszeit in der Wildnis: Firewatch Review

Das Spiel wurde seit Release sogar von der ZEIT erwähnt. Die Kritiken loben vor allem die schöne Atmosphäre des Spiels. An anderer Stelle wurde bei Firewatch leider gespart.

In Firewatch handelt der Spieler als Henry, einem Mittvierzigern, der nach einem prägenden persönlichen Erlebnis für einen Sommer Wächter eines amerikanischen Nationalparks wird. Nur durch ein Walkie-Tackie hält er Kontakt zu Delilah, einer anderen Parkwächterin.

Berührende Erzählweise

Das Spiel beginnt mit einem meisterhaften Intro. Nur mithilfe von Text wird dem Spieler die Vorgeschichte von Henry erzählt. Durch kleine Entscheidungen kann der Spieler die Vorgeschichte von Henry individuell gestalten. Vor allem die Musik und das Farbspiel erzeugen die tolle Stimmung im Intro und sorgen für einen fesselnden Einstieg. Man leidet, lebt und freut sich mit Henry.

Auch im Spiel angekommen, bleibt das Spiel packend. Der Nationalpark ist liebevoll gestaltet und die Story begleitet langsam durch das Spiel. Durch das Walkie-Talkie bekommt Henry immer wieder Aufgaben von Delilah. Zum Beispiel muss er Unruhestifter ausfindig machen, die im Park ein illegales Feuerwerk zünden.

Die Aufgaben sind leicht und verständlich und eigentlich ohne große Herausforderungen. Sie bilden aber keineswegs den Kern der Geschichte. Das tun vielmehr die Gespräche zwischen Delilah und Henry. Die sind erstaunlich authentisch, erwachsen und beeinflussen die Beziehung zwischen Henry und Delilah nachhaltig. Thema der Gespräche sind natürlich immer wieder das bisherige Leben der beiden Charaktere, in denen es immer wieder Tiefpunkte gab.

Neben seiner eigentlichen Aufgabe als Feuerwache, wird der ruhige Job von Henry bald ziemlich aufregend. Er entdeckt ein merkwürdige Person im Wald. Kurze Zeit später wird in seinen Hochsitz eingebrochen. Immer mehr Fragen tauchen auf und Henry beginnt, das Rätsel zu lösen

Kein Freiraum zu erkunden

Abseits der schön-erzählten Hauptstory werden eifrige Spieler leider nicht für das Erkunden belohnt. Es gibt keine Nebenhandlungen, keine Items zu sammeln. Das Spiel lädt wenig zum Verweilen oder mehrmaliges Spielen ein.

Die Atmosphäre des Spiels ist absolut packend. Die Musikwahl und die malerischen Bilder sorgen für ein tolles Spielgefühl. Generell lässt es sich angenehm spielen. Leider ist es mit vier Stunden viel zu kurz. Sobald sich das Ende ankündigt, möchte man eigentlich nicht weiter spielen, um es herauszuzögern.

Ein Spiel für Liebhaber

Jeder, der Freude an schön gemachten Spielen hat und eine liebevolle Atmosphäre zu schätzen weiß, wird Spaß an “Firewatch” haben. Das Spiel ist mehr als einen Blick wert, langweilt nicht und nimmt den Spieler gut an die Hand.

Für einen Preis von 20 Euro sind vier Stunden Spielzeit aber deutlich zu weniger. Außerdem hätte ich mir einen freieren Spielablauf gewünscht, der weniger linear abläuft. Außerdem haben mir die Herausforderungen gefehlt. Es war niemals schwer oder kniffelig. Alle Aufgaben waren schnell und ohne Scheitern zu lösen.

Eine weitere Kritik, die auch ein bisschen mehr zur Story verrät, findet Ihr zum Beispiel bei Gamestar.

 

Leider nur durchschnittlich: “Im Westen Nix Neues” von Prinz Pi

Mit den drei im Vorfeld veröffentlichten Songs hat Prinz Pi unterschiedliche Facetten gezeigt und große Hoffnung auf sein zwölftes Album gemacht. Diese Versprechen kann “Im Westen Nix Neues” leider nicht halten.

Fast einem Jahr nach seinem Prinz Porno Rival kehrt Prinz Pi wieder zu seinem neuen Selbst zurück. Statt dreckigem Sound und betont überheblicher Rhetorik, kommen mit Pi nachdenkliche Texte und ergreifende Melodien zurück.

Brücke zu “Kompass ohne Norden

Gleich mit dem ersten Song “Rebell ohne Grund (Kompass Reprise)” schlägt Prinz Pi eine Schleife zu seinem Vorgängerwerk von 2013. “Ist mir auch heut nicht peinlich, jede Zeile passt für immer” nimmt er allen Kritikern den Wind aus den Segeln, die die Themen von KoN als zu jugendlich für einen 30-Jährigen empfanden.

Ansonsten klingt das Album allerdings deutlich ernster als der Vorgänger. Auch der Wiedererkennungswert fehlt bei den meisten Songs. “Familienalbum Seite 19” schafft es allerdings gerade durch den eingängigen Refrain im Gehör zu bleiben und erinnert im Sound sehr an “Rebell ohne Grund“.

Die lyrische Eleganz fehlt

Die größte Stärke von Pi war immer das Geschichtenerzählen. Die Treffgenauigkeit seiner Texte hat mich oft berührt, mich gestärkt und mir weiter geholfen.

Auf IWnN gibt es wenige Zeilen, die sofort aus meinem Herzen sprechen. Beim ersten Hören ist kaum ein Song hängen geblieben. Die Themen, die Pi auf dem Album behandelt sind klasse und wichtig. Ob das Lügengebilde, das wir um uns herum schaffen (“Die Füllung von Kissen“) oder die Kritik an der hiesigen (Konsum)gesellschaft wie in “Kartenhaus“.

Während ältere Songs aber meist mindestens eine prägnante Zeile hatten, sucht man diese heute teils vergeblich. Die Message der Songs ist großartig, aber es fehlt die Zitierfähigkeit.

Viel musikalische Abwechslung

Der musikalische Feinschliff auf “Im Westen Nix Neues” ist erneut großartig. Mal fette Beats (“Weiße Tapete“, “Werte“), mal tolle musikalische Instrumentierung. Dadurch wirkt es abwechslungsreich und erzeugt durchaus eine gewisse Spannung beim Hören.

Die große Ballade fehlt leider. Auch wenn “1,40” schön ist und tolle Ideale anspricht, ist es zu mainstream, um richtig zu berühren. “Ballade für Jojo” beschäftigt sich mit den Wirren des Liebesleben Pis. Wirkt aber leider lieblos geschrieben und kommt nicht im Ansatz an Klassiker wie “Du bist” heran.

Fazit: Leider enttäuschend

Nach den tollen Vorab-Veröffentlichungen habe ich mit Großem gerechnet. Leider kommt das Album nicht im Entferntesten an meine Erwartungen heran. Ich hab mehr Tracks wie “Weiße Tapete” erwartet und auf ein neues schönes Liebeslied gehofft.

Allerdings muss ich auch sagen, dass das Album mit jedem Hören besser wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Songs erst nach mehrmaligem Hören ihr volles Potential entfalten. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das Album besonders oft hören werde.