Medium: Neues Bezahlmodell für Blogging-Plattform

Medium wird von Journalisten und Medienschaffenden geliebt. Kam aber nie auf den grünen Zweig. Das neue Bezahlmodell soll das ändern.

Für gute Inhalte muss bezahlt werden. Ein nicht ganz falscher Ansatz. Schließlich müssen Reportagen, Hintergrundberichte und Porträts finanziert werden. Zahlreiche Paywalls bei der Bild Zeitung, der Zeit und dem Spiegel versuchen den Leser zum Zahlen zu motivieren.

Eilmeldungen und Basic-News gibt es für umme, für mehr Inhalt muss bezahlt werden.

Auch Medium möchte diesen Weg nun einschlagen. Medium ist eine Blogging-Plattform, die für ihre Einfachheit bekannt ist. Der Editor ist einfach zu benutzen, trotzdem sehen veröffentlichte Artikel wertig aus. Auf Medium kann jeder schreiben; ob CEO eines internationalen Unternehmens, Putzfrau oder StudentIn aus einem Entwicklungsland.

Bisher war Medium für alle umsonst. Nur ist auch für den Gründer und sein Team bisher keine grüne Zahl herausgesprungen. Nach einem gescheiterten Versuch mit Native Advertising soll es nun anders laufen. Bestimmt Artikel werden in Zukunft nur für Mitglieder verfügbar sein. Solch Mitgliedschaften müssen natürlich vom Nutzer bezahlt werden.

Würde ich für Medium bezahlen? Nö!

Ich finde Medium großartig, denn es verbindet mich mit Menschen und Geschichten, denen ich sonst gar nicht begegnen würde.

Medium ist allerdings auch das Quellbecken für Selfie-Journalismus. Menschen berichten von ihrem Leben, ihren Problemen, ihren Lösungen. Auf Zahlen, Statistiken, universelle Beispiele verzichten sie dabei gerne.

“Let me break down exactly how we’ve screwed over creative people”

“Google and Facebook Can’t Just Make Fake News Disappear”

“I quit toilet paper for a month – Here is what happened”

Jup. In eine kleine Überschrift können viele Versprechungen passen. Die Ansichten sind oft interessant und zeigen anderen Perspektiven. Es sind meistens keine Must-Reads, aber sie bereichern meine Meinungsbildung.. Aber es ist nicht relevant.

Nun steckt Mediums neues Mitgliedschaftsmodell noch in den Kinderschuhen. Die Öffentlichkeit weiß noch nicht, was man wirklich für sein Geld bekommt. Aber ich bezweifle, dass es Content sein wird, für den ich Geld ausgeben möchte.

 

Der erste nicht so schlaue Move ist einen Artikel über die Ansprüchen des neuen Bezahlmodells hinter eben dieser Paywall zu verstecken.

Ernsthaft, Medium?

 

Amy&Pink: Von provokativen Inhalten zur Belanglosigkeit

Amy&Pink war im Netz lange allgegenwärtig. Der Mix aus nerdy Themen, dem lockeren Umgang mit Sexualität und überheblicher Coolness kam gut an und provozierte. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Amy & Pink beschreibt sich selbst als eine der “innovativsten und mutigsten Online-Publikationen unserer Zeit“. Thematisch befasst sich das Online-Magazin mit Musik, Technik, schönen Frauen, viel Sex und zweifelhaften Trends.

Der Anfang

Ich hab Amy&Pink vor etwa 5 bis 6 Jahren entdeckt. Damals gab es Netzmädchen, Teen Little Missions und jede Woche tolle Blogtipps. Ich war jung, unerfahren und ins Internet verliebt. (Heute ist es ja eher eine Beziehung mit Höhen und Tiefen).

Ich fand die selbstbewussten Mädchen, die sich nackt in ihrer Wohnung zeigten unangepasst, selbstbewusst und wunderschön. Beim Lesen der Wochenendtipps fühlte ich mich selbst unheimlich langweilig und war begeistert von Marcels Humor und seiner Kreativität.

Ich hab jeden Artikel aufgesogen wie heute Gin Tonic. Ich will nicht übertreiben, aber es war meine kleine Bibel, die mir den Weg ins gr0ße Berlin erschloss.

Der Wandel

Als Fan von Amy&Pink war man jeher Gegenwind gewohnt. Kritische Kommentare zu den Themen, der Vorwurf der billigen Provokation und der Belanglosigkeit.

Vor drei, vier Jahren nannte sich Amy&Pink in “Neue Elite” um. Gründer und Herausgeber Marcel Winatschek war unzufrieden mit der vergangenen Entwicklung seines Blogs. “Neue Elite” sollte anders werden und scheiterte. Nach einem halben Jahr hieß alles wieder Amy&Pink. Danach wurde Amy&Pink englischsprachig. Danach wieder deutsch. Wieder englischsprachig. Seit ein paar Wochen ist es wieder deutschsprachig.

(Verzeiht mir, wenn ich was durcheinander geschmissen habe, meine Erinnerungen sind nur selektiv.)

Die Unzuverlässigkeit

Wer einen Blog hat – oder zumindest einen Instagram-Account – weiß, welch ein großes Risiko Umbenennung und Neuausrichtung mit sich bringen. Ich hab Marcel immer dafür bewundert, wie locker er solch ein Risiko auf sich nahm.

Was dein digitales Ich aber wirklich killt, ist Unzuverlässigkeit und Unregelmäßigkeit. In jedes Relaunch ist Marcel mit vielen Erwartungen und großen Ankündigungen gestartet, um sie alle ein paar Wochen später wieder auf den Haufen zu werfen. Aber ohne es zu kommunizieren.

Ein Blog, darf, ja muss sogar frei sein. Es muss nicht alles getaktet sein oder perfekt. Doch wer sich selbst Magazin nennt, seine Seite mit Werbung zuklatscht, erweckt gewissen Erwartungen. Diese ständig zu enttäuschen, kratzt am Image. Statt jung, provokativ und neu wirkt es aufgesetzt, unschlüssig und naiv.

Das Heute

Zurzeit nennt sich Amy&Pink im Untertitel”die neue Stimme“. Wofür die Seite aber genau steht, könnte ich euch nicht mehr sagen. Die Themenmischung ist wirr, keine Meinung mehr erkennbar. Und die Werbung hat die Überhand gewonnen. Die Seite wirkt lieblos, versucht durch Artikel wie “Warum ich gut im Schwänze lutschen bin – und du nicht” zu provozieren. Nur das es heute kaum noch jemanden zu interessieren scheint.

Amy&Pink war die Stimme einer Generation – heute ist es nur noch ein krätzenes Flüstern.

Einen guten Text über Amy&Pink, deren Wandel zu “Neue Elite” und zurück gibt es übrigens bei meedia.