Frei und unabhängig; aber nicht allein

Freiheit und Unabhängigkeit. Danach streben wir doch alle. Leider hab ich viel zu lange gedacht, so richtig frei und unabhängig könnte ich nur alleine sein.

Wer frei sein will, muss auch damit klar kommen allein zu sein“. Diesen Satz habe ich vor Jahren mal auf Twitter gelesen. Und er ist hängen geblieben, weil ich dachte, dass er wahr ist.

Machen was man will. Entscheidungen treffen und nur sich selbst fragen. Einfach reisen und umziehen und sich ein Tattoo stechen. Kleine, wie große Dinge, die man einfach tun kann ohne jemand anderen Rechenschaft zu schulden.

Ich glaube nicht an Freiheit als Tatsache. Freiheit ist ein Gefühl. Unabhängigkeit auch. Es geht nicht darum, wie frei von Konventionen man wirklich ist. Wie unabhängig von Familie, Job und Staat. Sondern darum, dass man sich so fühlt. Das Mindset muss stimmen.

Freiheit fühlen, Gemeinschaft wertschätzen

Wie ein wandelndes Klischee, habe ich mich auf meiner Südostasien-Reise das erste Mal so richtig frei gefühlt. Mit dem Scooter alleine durch Ubud fahren, allein an einem Flughafen ankommen ohne das mich jemand abholt. Morgens aufstehen und gehen wohin der Wind mich trägt. Ohne Kompromiss.

Andererseits habe ich während meines Auslandssemesters in Indonesien auch Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit so richtig zu schätzen gelernt. In einem fremden Land hab ich tolle Freunde und Bekannte gefunden, die mein Leben wirklich bereichert haben.

Und zwischen diesen beiden Welten habe ich verstanden, was Unabhängigkeit und Freiheit bedeuten. Ich kann mein eigenes Leben leben. Sachen allein wuppen, mein Ding machen. Und trotzdem wunderbare Menschen um mich haben.

Unabhängig zu sein, bedeutet auch andere einfach machen zu lassen. Selbstbewusste Entscheidungen treffen und auch anderen in ihr Leben nicht reinreden. Und wenn sich dann die Wege kreuzen, trotz der hunderten Möglichkeiten, die man hat, ist das doch der schönste Umstand der Welt. Eine Gruppe von Menschen, die sich gefunden hat, weil jeder einzelne gerne dort ist. Gemeinsam einen Moment genießen und die absolute Freiheit spüren.

Du bist nicht frei, du bist egoistisch!

Ich glaube, dass wie Unabhängigkeit zu oft mit Egoismus verwechseln. Immer darauf bestehen, sein eigenes Ding zu machen, ist vor allem egozentrisch. Keine Verpflichtungen eingehen zu wollen, zeigt meistens nur, dass wir uns dazu nicht bereit fühlen. Dass wir selbst als Mensch und Individuum noch nicht gefestigt sind.

Du kannst frei und unabhängig sein und trotzdem einen festen Freundeskreis haben oder in einer erfüllenden Partnerschaft. Sich frei zu fühlen heißt letztendlich mit sich selbst zufrieden zu sein. Nicht mehr das Gefühl von Rechtfertigung verspüren. Und keine selbstbezogenen Erwartungen mehr an andere zu stellen.

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