Auszeit in der Wildnis: Firewatch Review

Das Spiel wurde seit Release sogar von der ZEIT erwähnt. Die Kritiken loben vor allem die schöne Atmosphäre des Spiels. An anderer Stelle wurde bei Firewatch leider gespart.

In Firewatch handelt der Spieler als Henry, einem Mittvierzigern, der nach einem prägenden persönlichen Erlebnis für einen Sommer Wächter eines amerikanischen Nationalparks wird. Nur durch ein Walkie-Tackie hält er Kontakt zu Delilah, einer anderen Parkwächterin.

Berührende Erzählweise

Das Spiel beginnt mit einem meisterhaften Intro. Nur mithilfe von Text wird dem Spieler die Vorgeschichte von Henry erzählt. Durch kleine Entscheidungen kann der Spieler die Vorgeschichte von Henry individuell gestalten. Vor allem die Musik und das Farbspiel erzeugen die tolle Stimmung im Intro und sorgen für einen fesselnden Einstieg. Man leidet, lebt und freut sich mit Henry.

Auch im Spiel angekommen, bleibt das Spiel packend. Der Nationalpark ist liebevoll gestaltet und die Story begleitet langsam durch das Spiel. Durch das Walkie-Talkie bekommt Henry immer wieder Aufgaben von Delilah. Zum Beispiel muss er Unruhestifter ausfindig machen, die im Park ein illegales Feuerwerk zünden.

Die Aufgaben sind leicht und verständlich und eigentlich ohne große Herausforderungen. Sie bilden aber keineswegs den Kern der Geschichte. Das tun vielmehr die Gespräche zwischen Delilah und Henry. Die sind erstaunlich authentisch, erwachsen und beeinflussen die Beziehung zwischen Henry und Delilah nachhaltig. Thema der Gespräche sind natürlich immer wieder das bisherige Leben der beiden Charaktere, in denen es immer wieder Tiefpunkte gab.

Neben seiner eigentlichen Aufgabe als Feuerwache, wird der ruhige Job von Henry bald ziemlich aufregend. Er entdeckt ein merkwürdige Person im Wald. Kurze Zeit später wird in seinen Hochsitz eingebrochen. Immer mehr Fragen tauchen auf und Henry beginnt, das Rätsel zu lösen

Kein Freiraum zu erkunden

Abseits der schön-erzählten Hauptstory werden eifrige Spieler leider nicht für das Erkunden belohnt. Es gibt keine Nebenhandlungen, keine Items zu sammeln. Das Spiel lädt wenig zum Verweilen oder mehrmaliges Spielen ein.

Die Atmosphäre des Spiels ist absolut packend. Die Musikwahl und die malerischen Bilder sorgen für ein tolles Spielgefühl. Generell lässt es sich angenehm spielen. Leider ist es mit vier Stunden viel zu kurz. Sobald sich das Ende ankündigt, möchte man eigentlich nicht weiter spielen, um es herauszuzögern.

Ein Spiel für Liebhaber

Jeder, der Freude an schön gemachten Spielen hat und eine liebevolle Atmosphäre zu schätzen weiß, wird Spaß an “Firewatch” haben. Das Spiel ist mehr als einen Blick wert, langweilt nicht und nimmt den Spieler gut an die Hand.

Für einen Preis von 20 Euro sind vier Stunden Spielzeit aber deutlich zu weniger. Außerdem hätte ich mir einen freieren Spielablauf gewünscht, der weniger linear abläuft. Außerdem haben mir die Herausforderungen gefehlt. Es war niemals schwer oder kniffelig. Alle Aufgaben waren schnell und ohne Scheitern zu lösen.

Eine weitere Kritik, die auch ein bisschen mehr zur Story verrät, findet Ihr zum Beispiel bei Gamestar.

 

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Meine Woche in Worten 01/2016

Überflieger oder Schnee von gestern? Im Wochenrückblick kümmere ich mich um Themen, die auch noch morgen für Gesprächstoff sorgen werden. Diese Woche geht es um sehr gute und sehr schlechte Filme und schöne Netzfunde.

Filme

“Victoria”

 

Dieser Film ist Kunst. Bei “Victoria” werden vier Berliner Freunde eine Nacht lang begleitet. Vor einem Club treffen sie auf die junge Spanierin Victoria. Es beginnt eine wilde Nacht mit viel Alkohol, Küssen und schließlich einer dramatischen Wendung.

Im Cast sind u.a. der großartige Frederik Lau. Außerdem wurde der Film in einem Stück gedreht und viele Stellen wurden improvisiert. Großartig!

“Gut zu Vögeln”

Ich komme gerade frisch aus der Sneak Preview. Und was soll ich sagen, nachdem ich den unfassbar tollen Film “Victoria” hier erwähnt habe, folgt nun leider ein richtig schlechter.

Die Journalistin Merlin wird von ihrem Verlobten verlassen und zieht notgedrungen in das alte WG-Zimmer ihres Bruders. Ihr Mitbewohner ist der Casanova Jacob, der in seiner Bar regelmäßig Frauen aufreisst. Da er die heulende Verlassene kaum erträgt, versucht er ihr mit seinen Tricks zu helfen.

Die Hauptstory klingt jetzt schon dünn und Ihr wisst wahrscheinlich jetzt schon, wie der ganze Spaß enden wird. Dazu sind die Hauptdarsteller insgesamt farblos und unsympathisch – außer die süße Katharina Schlothauer. Die Filmmusik ist schrecklich und die meisten Stellen doch sehr gezwungen lustig. Also bleibt weg von den Kinokassen!

Artikel

Betrunkene an Silvester in Manchester: Wie gemalt” von Spiegel Online

Ok, hier geht es viel mehr um das Bild aus dem Artikel als um den Artikel selbst. Die Kurzfassung: In der Silvesternacht wurde in Manchester ein Bild aufgenommen, dass irgendwo zwischen Wimmelbild und große Malerei einzuordnen ist.

Hörspiel

“Förderschulklassenfahrt” von Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf

Das ist ganz großer Quatsch. Die Förderschulklasse auch Vechta fährt auf Klassenfahrt nach Berlin. Jan und Klaas sprechen alle Charakter und auch wenn das alle ziemlich dämlich ist, ist es doch ein schöner Spaß für zwischendurch. Außerdem gibt’s das umsonst bei Spotify.

Buch

Herbstblond” von Thomas Gottschalk

Die Kritiken sind allesamt ziemlich gut, leider konnte mich Gottschalks Biografie nicht überzeugen.

Gottschalk kann sich auch schriftlich artikulieren und das Buch lässt sich gut und zügig lesen. Leider stinkt es vor Selbstbeweihräucherung. Er kennt wohl jeden Prominenten und hat auch immer die besten Ideen. Leider erfährt man nur wenig Neues und kaum lustige oder interessante “Hinter-den-Kulissen”-Infos.

 

 

Sims 4: Review

Diese Spiel-Reihe kennt wohl jeder: Sims. Über die Weihnachtstage habe ich mich an die Sims 4 rangewagt. Das Spiel hat mich wieder in seinen Bann gezogen. Und doch bin ich enttäuscht.

Weihnachten bringt nicht nur viel Essen mit sich, sondern auch viel Langweile. Zum Glück gab es bei Origin gerade die Sims 4 (und auch viele Erweiterungen) im Angebot. Da ich seit vielen Jahren Fan des Simulationsspiels bin, hab ich mich natürlich gleich rangesetzt.

Worum gehts?

“The Sims” ist eine Simulation, in der Ihr Euer Spielfiguren, die Sims, steuert. Ihr könnt Häuser und Grundstücke erstellen, Euren Sims Jobs, Beziehungen und Hobbies suchen. Ihr seid dabei die Gestalter der Leben Eurer Sims und habt freie Wahl – vom Aussehen bis hin zur Spielwelt.

Ein erklärtes Ziel gibt es dabei nicht. Ein Anreiz ist es aber bestimmt, Geld zu verdienen, damit Eure Sims in ein schönes Haus ziehen können. Ebenso die Partnerwahl und das Gründen einer großen Familie gehören zu den Attraktionen des Spiels.

Am 4. September 2014 erschien der 4. Teil der Reihe.

Welche Änderungen gibt es zu Sims 3?

Bisher war jeder neue Sims-Teil ein logischer Nachfolger der vorherigen Teile. Diesmal ist das anders.

Die Spielwelt und die Charaktere sind wieder sehr liebevoll gestaltet. Schon das Erstellen der Sims erschuf bei mir viel Nostalgie und Freude beim Entdecken. Aber ich brauchte anfangs auch etwas Zeit, um alle neuen Funktionen und die neue Navigation im Spiel zu verstehen.

Mein Eindruck ist, dass die Macher dem Spiel wieder die Einfachheit zurückgeben wollten. Zugegeben, Sims 3 war teils ziemlich überladen. Alle Möglichkeiten und Spielwege waren kaum zu erfassen. Als Konsequenz gibt es in Sims 4 keine offene Welt mehr. Es gibt zwar Gemeinschaftsgrundstücke, aber ein Ladebildschirm trennt deinen Haushalt von ihnen. Auch die Altersstufe “Kleinkinder” wurde rausgenommen. Es gibt Babys, die nichts können außer weinen . Nach ein paar Tagen werden sie sofort zu Kinder. Das heißt, es ist kein Reden und Laufen lernen mehr nötig.

Außerdem könnt Ihr die Sims nicht mehr zur Arbeit begleitet bzw. bestimmen, wie sie ihre Arbeitszeit verbringen.

Was ich persönlich schade finde, ist, dass die Sims nicht mehr auf Betrug ihres Partners reagieren. Während die Sims bei Sims 3 einen Ruf (zu verlieren) hatten, hat das öffentliche Verhalten der Sims jetzt anscheinend keinen Einfluss mehr.

Alle fehlenden Features findet Ihr hier.

Gibt es auch Verbesserungen?

Wie bereits gesagt, Sims 4 wurde in vielen Punkten vereinfacht. So wurde der Bau- und der Kaufmodus zusammen gepackt, was meiner Meinung nach sehr viel Sinn macht. Im Baumodus gibt es außerdem jetzt fertige Räume zu kaufen, was sehr viel Arbeit ersparen kann.

Während Eure Sims sich auf einem Gemeinschaftsgrundstück aufhalten, könnt Ihr jetzt den Baumodus aufrufen und die Welt verändern.

Außerdem wurden die Beziehung etwas verändert. Der Aufbau einer Liebesbeziehung ist nun deutlich schwieriger. Das macht es zwar, naja, schwieriger, dafür ist es aber auch realistischer.

Das beste neue Feature ist aber das Multi-Tasking: Die Sims können Essen und gleichzeitig ein richtiges Gespräch führen. Oder beim fernsehen essen. Spart Zeit und ist nochmal ein Tick realistischer.

Wie ist es denn nu’?

Die Sims 4 ist ein würdiger Nachfolger der bisherigen Teile. Das Spiel macht immer noch Spaß und es gibt viel zu entdecken. Trotz allem wird Sims 3 wohl mein Lieblingsteils der Reihe bleiben.

Wo gibt es das?

Das Spiel gibt es in allen möglichen Elektronikfachgeschäften und natürlich auch online. Ich hab es bei Origin gekauft, da ist es momentan auch im Angebot. Außerdem bietet Origin ein 48-Stunden-Testphase an. Das heißt, Ihr dürft spielen und könnt Euch danach entscheiden, ob Ihr es kaufen wollt.

 

Nostalgie & Wahnsinn: Radio Nukular

Videospiele, animierte Serien und lustige Comics werden viele mit ihrer Kindheit und Jugend verbinden.  Oft und gerne denken viele an die schöne Zeit als das größte Problem noch das Erreichen des nächsten Levels war und man sich nachmittags zum spielen verabredet hat. Noch heute vergehen heute im Freundeskreis viele Abende gefüllt mit Anekdoten Erinnerungen. 

Quelle: radionukular.de
Quelle: radionukular.de

Unter dem Namen Radio Nukular widmen sich drei Herren, die die Liebe zum Fandom vereint, genau dieser Nostalgie. Max Nachtsheim, der vielen unter seinem Rapper-Pseudonym “Rockstah” bekannt sein dürfte. Chris, Redakteur bei gameswelt und damit einer der Glücklichen, die ihr Lebensunterhalt mit Videospielen verdienen. Komplettiert wird das Trio von Dominik Hammes, der als Teil von der Medien-KuH bereits Podcast-Erfahrungen mitbringt.

Jede Folge beschäftigen sich die drei mit einem anderen Thema, dass die Kindheit und Jugend vieler Menschen begleitet hat. So geht es mal um Videospiele, Fernsehserien oder gleich um eine bestimmte Konsole. Die Themen spiegeln nicht nur ihre Interessen wieder, sondern beschäftigen sich mit Dingen, die früher (und zum Teil noch heute) allgegenwärtig waren. Selbst wenn man Spiele wie Call of Duty oder Resident Evil nie gespielt hat, unterhält einen die Mischung aus lustigen Geschichten, Insiderinfos und Spielerfahrungen.

Die einzelnen Episoden haben eine Dauer von bis zu vier Stunden, wobei man nicht selten liebend gern an der Unterhaltung mitwirken würde. Das funktioniert auch aufgrund der großartigen Zusammenspiels der Akteure. Dominik sorgt immer wieder für die nötige Struktur und hat vor allem bei TV und Kino viel Hintergrundwissen, während Max besonders gut auf den Punkt bringen kann, was an Spielen, Filmen usw. so richtig stört. Seine kleinen Tobsuchtsanfälle sind ebenso witzig wie die Informationen von Chris interessant. Seine Erfahrungen und sein Wissen als Redakteur lässt er wunderbar mit einfließen.

Neben all dem Rumgealber und “Wissensgewichse” bleibt aber auch Platz für ernste Themen. In der Zeit in der sich die Geschichten von Radio Nukular abspielen, waren bunte Comichelden auf der Leggins und Videospielaffinität noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Nicht umsonst trägt der Podcast den Untertitel “Ein Vergangenheitsbewältigungsposcast”. Umso schöner ist es zu erleben, was Chris, Max und Dominik aus ihrer Leidenschaft machen konnten und wie viele positive Erfahrungen sie mittlerweile damit verbinden können.

Von “Radio Nukular” sind bisher fünf Episoden erschienen. Hier könnt ihr euch den Spaß runterladen. Viel Spaß!

Review: Kraftklub >>In Schwarz

Bereits im Mai dieses Jahres kursierte ein Video namens “Hand in Hand” der maskierten Newcomerband In Schwarz im Netz. Knapp zwei Wochen später enthüllten sich Kraftklub hinter den schwarzen Masken bei “Circus Halligalli” und konnten somit auf ihr neues Album “In Schwarz” aufmerksam machen. Nun ist es endlich da und ich hab reingehört.

Quelle: universal-music.de
Quelle: universal-music.de

Das Album startet allerdings nicht mit “Hand in Hand”, sondern mit der zweiten Vorab-Single, dem genialen “Unsere Fans”. Gewohnt ironisch meckern Kraftklub über ihre Fans, die mittlerweile zu Mainstream geworden sind und nehmen damit gekonnt eben all die Fans auf die Schippe die meckern, so bald eine Band kommerziell erfolgreich wird. Sehr gelungen, wie ich finde. Fast genau so gut, ist auch der Abschlusstrack des Albums “Deine Gang“, wo sich über den ganzen Representer-Shit lustig gemacht wird, denn “du kennst harte Atzen, Leute mit scharfen Waffen. Ich glaub dir das auch so, du musst nicht andauernd darüber quatschen. 

Opener und Abschlusstrack sind aber nicht die einzigen Schätze des Albums. “Wie ich” setzt sich mit der Unzufriedenheit mit sich selbst, der Bewunderung und Betrachtung anderer auseinander und ist damit ein ehrlicher, selbstreflektierender Song, der viel Platz für Identifikation bietet. Ebenso genial ist “Schüsse in die Luft” der sich mit dem ewigen Meckern und der gleichzeitigen Unmotivation etwas zu verändern auseinandersetzt. Neben einer Aussage, die man der Band super abnehmen kann überzeugt der Song durch einen eingängigen Refrain, den man im Kopf behält..

Auch wenn das Album thematisch etwas ernster und erwachsener wirkt, gibt es Parallelen zum Erstling: So musste ich bei der ersten Strophe des Songs “Blau” total an “Liebe” denken, was sicherlich auch an der ähnliche Thematik liegt. Ironisch und ehrlich wird der Geniestreich erörtert, die Verflossene genau dann anzurufen, wenn es nacht ist und man selbst betrunken. Das Beste: Zu dem Sound kann man locker die Hüften schwingen – auch nüchtern.

Das die Jungs von Kraftklub jetzt reich, berühmt, schön und erwachsen sind, findet selbstredend auch Erwähnung. So wird sich über Leute beschwert, die sich teure Mieten und teure Anwälte nicht leisten können (“Meine Stadt ist zu laut“). Auch dem Berühmtsein und den Promipartys, die Kraftklub mittlerweile von Innen kennen, geht es an den Kragen. Der Song “2 Dosen Sprite” strotz vor Abneigung und Verachtung vor eben dieser Partykultur, die sich mit Koks und Alkohol selbst am Leben hält.

Auch einer meiner Lieblingsmusiker ist auf “In Schwarz” vertreten. Leider rappt Casper nur ein paar Zeilen für “Schöner Tag” und hinterlässt daher keinen bleibenden Eindruck. Der Song gehört aber auch so nicht zu den Stärken des Album.

Mein Rad” ist ein Liebeslied an das geklaute Fahrrad und lässt bestimmt jeden schmunzeln wenn Frontmann Felix gegen den Fahrraddieb wetzt und ihn als “Hundesohn, der Sachen sieht und sie sich einfach nimmt” beschimpft. Wem Liebeslieder an an echte Menschen lieber sind, wird mit “Alles wegen dir” und “Für Immer” versorgt. Wie erwartet, ist hier kein zweites “Kein Liebeslied” zu finden, beide Songs beschäftigen sich mit gescheiterten Beziehungen und so hört man Herrn Brummer gern dabei zu, wie er beteuert: “Ich bin nicht verbittert, verdammt ich bin glücklich” Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mir ein weiteres, ruhiges Liebeslied gewünscht hätte.

Mit Skits habe ich ja seit jeher so meine Probleme, weil sie in den meisten Fällen nicht lustig sind und den Fluss des Album stören. Bei Kraftklub, die sich nun auch an einem versucht haben, sieht das leider nicht anders aus. Dazu hat es mich schon beim ersten Mal hören gelangweilt, aber das sei verziehen.

Fazit: Wie auf dem Vorgänger “Mit K” kann mich auch hier nicht jeder Song begeistern und wird wohl in Zukunft nicht all zu oft abgespielt. Auf der anderen Seite enthält “In Schwarz” super Songs, die mit Charme, Witz und Intelligenz bestechen. “Wie ich”, “Schüsse in die Luft”, “Deine Gang” und auch das vorab veröffentlichte “Unsere Fans” haben das Potential zu richtigen Lieblingen. Damit würde ich die Scheibe (die ich mir übrigens als Vinyl bestellt habe” schon jetzt zu meinen Lieblingsalben 2014 zählen und werde mich bestimmt lange daran erfreuen.

Kraftklub “In Schwarz”

13 Titel

VÖ: 12.09.14

Universal

Review: Kraftklub >>In Schwarz<<

Bereits im Mai dieses Jahres kursierte ein Video namens “Hand in Hand” der maskierten Newcomerband In Schwarz im Netz. Knapp zwei Wochen später enthüllten sich Kraftklub hinter den schwarzen Masken bei “Circus Halligalli” und konnten somit auf ihr neues Album “In Schwarz” aufmerksam machen. Nun ist es endlich da und ich hab reingehört.

Quelle: universal-music.de
Quelle: universal-music.de

Das Album startet allerdings nicht mit “Hand in Hand”, sondern mit der zweiten Vorab-Single, dem genialen “Unsere Fans”. Gewohnt ironisch meckern Kraftklub über ihre Fans, die mittlerweile zu Mainstream geworden sind und nehmen damit gekonnt eben all die Fans auf die Schippe die meckern, so bald eine Band kommerziell erfolgreich wird. Sehr gelungen, wie ich finde. Fast genau so gut, ist auch der Abschlusstrack des Albums “Deine Gang“, wo sich über den ganzen Representer-Shit lustig gemacht wird, denn “du kennst harte Atzen, Leute mit scharfen Waffen. Ich glaub dir das auch so, du musst nicht andauernd darüber quatschen. 

Opener und Abschlusstrack sind aber nicht die einzigen Schätze des Albums. “Wie ich” setzt sich mit der Unzufriedenheit mit sich selbst, der Bewunderung und Betrachtung anderer auseinander und ist damit ein ehrlicher, selbstreflektierender Song, der viel Platz für Identifikation bietet. Ebenso genial ist “Schüsse in die Luft” der sich mit dem ewigen Meckern und der gleichzeitigen Unmotivation etwas zu verändern auseinandersetzt. Neben einer Aussage, die man der Band super abnehmen kann überzeugt der Song durch einen eingängigen Refrain, den man im Kopf behält..

Auch wenn das Album thematisch etwas ernster und erwachsener wirkt, gibt es Parallelen zum Erstling: So musste ich bei der ersten Strophe des Songs “Blau” total an “Liebe” denken, was sicherlich auch an der ähnliche Thematik liegt. Ironisch und ehrlich wird der Geniestreich erörtert, die Verflossene genau dann anzurufen, wenn es nacht ist und man selbst betrunken. Das Beste: Zu dem Sound kann man locker die Hüften schwingen – auch nüchtern.

Das die Jungs von Kraftklub jetzt reich, berühmt, schön und erwachsen sind, findet selbstredend auch Erwähnung. So wird sich über Leute beschwert, die sich teure Mieten und teure Anwälte nicht leisten können (“Meine Stadt ist zu laut“). Auch dem Berühmtsein und den Promipartys, die Kraftklub mittlerweile von Innen kennen, geht es an den Kragen. Der Song “2 Dosen Sprite” strotz vor Abneigung und Verachtung vor eben dieser Partykultur, die sich mit Koks und Alkohol selbst am Leben hält.

Auch einer meiner Lieblingsmusiker ist auf “In Schwarz” vertreten. Leider rappt Casper nur ein paar Zeilen für “Schöner Tag” und hinterlässt daher keinen bleibenden Eindruck. Der Song gehört aber auch so nicht zu den Stärken des Album.

Mein Rad” ist ein Liebeslied an das geklaute Fahrrad und lässt bestimmt jeden schmunzeln wenn Frontmann Felix gegen den Fahrraddieb wetzt und ihn als “Hundesohn, der Sachen sieht und sie sich einfach nimmt” beschimpft. Wem Liebeslieder an an echte Menschen lieber sind, wird mit “Alles wegen dir” und “Für Immer” versorgt. Wie erwartet, ist hier kein zweites “Kein Liebeslied” zu finden, beide Songs beschäftigen sich mit gescheiterten Beziehungen und so hört man Herrn Brummer gern dabei zu, wie er beteuert: “Ich bin nicht verbittert, verdammt ich bin glücklich” Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mir ein weiteres, ruhiges Liebeslied gewünscht hätte.

Mit Skits habe ich ja seit jeher so meine Probleme, weil sie in den meisten Fällen nicht lustig sind und den Fluss des Album stören. Bei Kraftklub, die sich nun auch an einem versucht haben, sieht das leider nicht anders aus. Dazu hat es mich schon beim ersten Mal hören gelangweilt, aber das sei verziehen.

Fazit: Wie auf dem Vorgänger “Mit K” kann mich auch hier nicht jeder Song begeistern und wird wohl in Zukunft nicht all zu oft abgespielt. Auf der anderen Seite enthält “In Schwarz” super Songs, die mit Charme, Witz und Intelligenz bestechen. “Wie ich”, “Schüsse in die Luft”, “Deine Gang” und auch das vorab veröffentlichte “Unsere Fans” haben das Potential zu richtigen Lieblingen. Damit würde ich die Scheibe (die ich mir übrigens als Vinyl bestellt habe” schon jetzt zu meinen Lieblingsalben 2014 zählen und werde mich bestimmt lange daran erfreuen.

Kraftklub “In Schwarz”

13 Titel

VÖ: 12.09.14

Universal

Review: Cro >>Melodie

cro

Vor über zwei Jahren wanderte ein Video ins Netz und schließlich auch in die Musikprogramme deutscher Fernsehsender. Dieses Video löste einen Hype aus, der bis heute anhält. Nicht nur in der Musik, sondern auch in Sachen Mode und Selbstdarstellung. Hypes entstehen durch tausende Bewunderer, bringen aber auch tausende Hater mit sich.

Natürlich rede ich hier von Cro. Der Rapper mit der Pandamaske hat dieser Tage ein neues Album auf den Markt gebracht. Doch bevor ich mich der Rezension des Albums widme, möchte ich für den jungen Künstler einstehen. Denn das hat er verdient. Von vielen wird er verspottet und nicht als Rapper angesehen. Seine Musik sei zu kommerziell, zu pop wird ihm vorgeworfen. Die Kritiker übersehen anscheinend, dass Cro seinen Erstling bewusst „Raop“ genannt hat, weil er eben genau diese neue Nische besetzten wollte.

„Raop“ war bestimmt nicht das HipHop Album das sich viele nach „Easy“ erhofft hatten und sein Mixtape „Sunny“, das er einfach mal kostenlos in die Menge geschossen hat, hatte neben ein paar Rohdiamanten auch viel Murks dabei. Cro hat aber richtig Bock auf Musik, er hat Bock seine Kreativität rauszulassen und er lebt den Zeitgeist. Deswegen kann er die Jungen und Junggebliebenden so mitreisen und eben das beweist er auch eindrucksvoll auf seinem Neuling „Melodie“.

Cro hat sich in der Vorlaufphase des Albums anders verhalten, als viele andere Künstler in letzter Zeit. „Traum“ ist die einzige Single, die vorab veröffentlicht wurde. Dafür erschienen in den letzten Wochen zahlreiche Interviews des Rappers, wo er schon deutlich richtig Hater schießt. In diese Richtung geht auch das Intro „I can feel it“. „Ich kann verstehen, dass du sauer bist, denn du rappst schon viel länger als ich“, geht schon in die richtige Richtung und zeigt mal eine andere Seite der immerfrohen Schwaben. Dazu noch ein paar Erfolge aufzählen, Trompeten und fertig ist das Ding. Geil!

In „Meine Gang (Bang Bang)“ wird uns eine catchy Hook präsentiert, die typisch nach dem Pandamann klingt. Außerdem ist auf diesem Song (als einziger Feature-Gast auf dem Album) Dajuan vertreten, der mich ein bisschen an Karuzo (Genetikk) erinnert. „Erinnerung“ erinnert mich ebenfalls an jemanden, und zwar an niemand geringeren als Sido mit seinem Chartstürmer „Bilder im Kopf“. Die Thematik ist die gleiche und das Lied genauso feierbar wie Sidos Version.

Ein humoristischer Höhepunkt ist mit Sicherheit „Bad Chick“, der mich einige Male zum Schmunzeln brachte, auch wenn die Hook ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. „Never Cro Up“ und „2006“ zielen beide in die Richtung des nicht erwachsen werden wollen und der Weiterentwicklung die ganz nebenbei stattfindet. Wie schon auf dem Mixtape „Sunny“ findet man auch auf „Melodie“ einen pubertären Song, auf den ich hätte verzichten können. „Cop Love“ mag ganz witzig zu sein, aber kein Song, den man sich öfter anhören möchte. „Hey Girl“ ist eines der vielen Liedern, in der Cro seine fiktive Traumfrau besingt, besonders gut fand ich da die Line „Wärst du ‘n Porno ja dann hätte ich nen Oberlippenbart“, die Hook finde ich hier aber etwas langweilig. Auch Shindy finde ich stilistisch auf dieser Veröffentlichung. „Rennen“ hört sich stimmlich und textlich nach dem Bushido-Schützling. Auch wenn der Text sich darauf bezieht, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht ständig daran zu denken, irgendetwas zu verpassen, kommt der Song eher belanglos daher.  „Vielleicht“ ist eine kleine Überraschung, da sehr untypisch für Cro Verhältnisse und greift Themen wie Zukunftsängste und eigene Zweifel auf. Der Song fügt sich aber sehr schön an das Ende des Albums an. Auch wenn er ein bisschen nach 90s Pop klingt, finde ich ihn nicht schlecht geraten. Generell finde ich es gut, dass Cro sich auch mal traut, ernstere Themen anzusprechen und auch mit der musikalischen Untermalung darauf hinzuweisen. „Jetzt“ greift die momentan sehr im Trend liegenden Girly Vocals auf. Dabei wird die „Lebe den Moment“-Philosophie aufgegriffen und bietet für Teenager bestimmt eine Menge von zitierfähigen Passagen. Kann man aber auch durchaus als Fast-Erwachsene noch hören.

 „Wir waren hier“ klingt nach Indie-Pop und einer schönen Sommerbrise. Textlich kein Bringer, dass Feeling wird aber transportiert. Das Ende bildet der namesgebende Track „Melodie“, der wieder typisch nach Cro klingt und der logische Abschluss des Albums ist.

„Melodie“ ist noch nicht, das Über-Album, zu dem Cro bestimmt fähig wäre. Einige Tracks  höre ich mir unheimlich gerne an, andere wirken eher wie Lückenfüller.  Wenn der junge Mann sich mal für 2, 3 Jahre zurückziehen würde, würde das daraus resultierende Album wahrscheinlich alles platt machen.

Viele Songs des Albums haben mich an andere Musiker und Musikstücke erinnert. Cro scheint ein Meister im Beobachten zu sein und selber viel Musik konsumieren. Kaum ein Rapper heutzutage kann so gut abschätzen, was ankommt. Trotzdem kann er den Liedern seine eigene Note geben. Obwohl die Musik massentauglich ist und eigentlich wenig Platz zum Anecken bietet, wird es weiterhin böse Worte über den Rapper geben. Ihm kann das, wie er im Intro ja schön beweist, herzlich egal sein. Insgesamt wirkt das Album reifer und runder als es noch bei „Raop“ der Fall war. Es ist mehr Rap als sein Debütalbum und bringt natürlich wieder ein unschlagbares Sommergefühl rüber.

Gratulation an Chimperator und Cro für Platz 1 der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz!

Melodie Cover

 

Cro “Melodie”

14 Titel

VÖ :06.06.14

Chimperator