Auszeit in der Wildnis: Firewatch Review

Das Spiel wurde seit Release sogar von der ZEIT erwähnt. Die Kritiken loben vor allem die schöne Atmosphäre des Spiels. An anderer Stelle wurde bei Firewatch leider gespart.

In Firewatch handelt der Spieler als Henry, einem Mittvierzigern, der nach einem prägenden persönlichen Erlebnis für einen Sommer Wächter eines amerikanischen Nationalparks wird. Nur durch ein Walkie-Tackie hält er Kontakt zu Delilah, einer anderen Parkwächterin.

Berührende Erzählweise

Das Spiel beginnt mit einem meisterhaften Intro. Nur mithilfe von Text wird dem Spieler die Vorgeschichte von Henry erzählt. Durch kleine Entscheidungen kann der Spieler die Vorgeschichte von Henry individuell gestalten. Vor allem die Musik und das Farbspiel erzeugen die tolle Stimmung im Intro und sorgen für einen fesselnden Einstieg. Man leidet, lebt und freut sich mit Henry.

Auch im Spiel angekommen, bleibt das Spiel packend. Der Nationalpark ist liebevoll gestaltet und die Story begleitet langsam durch das Spiel. Durch das Walkie-Talkie bekommt Henry immer wieder Aufgaben von Delilah. Zum Beispiel muss er Unruhestifter ausfindig machen, die im Park ein illegales Feuerwerk zünden.

Die Aufgaben sind leicht und verständlich und eigentlich ohne große Herausforderungen. Sie bilden aber keineswegs den Kern der Geschichte. Das tun vielmehr die Gespräche zwischen Delilah und Henry. Die sind erstaunlich authentisch, erwachsen und beeinflussen die Beziehung zwischen Henry und Delilah nachhaltig. Thema der Gespräche sind natürlich immer wieder das bisherige Leben der beiden Charaktere, in denen es immer wieder Tiefpunkte gab.

Neben seiner eigentlichen Aufgabe als Feuerwache, wird der ruhige Job von Henry bald ziemlich aufregend. Er entdeckt ein merkwürdige Person im Wald. Kurze Zeit später wird in seinen Hochsitz eingebrochen. Immer mehr Fragen tauchen auf und Henry beginnt, das Rätsel zu lösen

Kein Freiraum zu erkunden

Abseits der schön-erzählten Hauptstory werden eifrige Spieler leider nicht für das Erkunden belohnt. Es gibt keine Nebenhandlungen, keine Items zu sammeln. Das Spiel lädt wenig zum Verweilen oder mehrmaliges Spielen ein.

Die Atmosphäre des Spiels ist absolut packend. Die Musikwahl und die malerischen Bilder sorgen für ein tolles Spielgefühl. Generell lässt es sich angenehm spielen. Leider ist es mit vier Stunden viel zu kurz. Sobald sich das Ende ankündigt, möchte man eigentlich nicht weiter spielen, um es herauszuzögern.

Ein Spiel für Liebhaber

Jeder, der Freude an schön gemachten Spielen hat und eine liebevolle Atmosphäre zu schätzen weiß, wird Spaß an “Firewatch” haben. Das Spiel ist mehr als einen Blick wert, langweilt nicht und nimmt den Spieler gut an die Hand.

Für einen Preis von 20 Euro sind vier Stunden Spielzeit aber deutlich zu weniger. Außerdem hätte ich mir einen freieren Spielablauf gewünscht, der weniger linear abläuft. Außerdem haben mir die Herausforderungen gefehlt. Es war niemals schwer oder kniffelig. Alle Aufgaben waren schnell und ohne Scheitern zu lösen.

Eine weitere Kritik, die auch ein bisschen mehr zur Story verrät, findet Ihr zum Beispiel bei Gamestar.

 

Leider nur durchschnittlich: “Im Westen Nix Neues” von Prinz Pi

Mit den drei im Vorfeld veröffentlichten Songs hat Prinz Pi unterschiedliche Facetten gezeigt und große Hoffnung auf sein zwölftes Album gemacht. Diese Versprechen kann “Im Westen Nix Neues” leider nicht halten.

Fast einem Jahr nach seinem Prinz Porno Rival kehrt Prinz Pi wieder zu seinem neuen Selbst zurück. Statt dreckigem Sound und betont überheblicher Rhetorik, kommen mit Pi nachdenkliche Texte und ergreifende Melodien zurück.

Brücke zu “Kompass ohne Norden

Gleich mit dem ersten Song “Rebell ohne Grund (Kompass Reprise)” schlägt Prinz Pi eine Schleife zu seinem Vorgängerwerk von 2013. “Ist mir auch heut nicht peinlich, jede Zeile passt für immer” nimmt er allen Kritikern den Wind aus den Segeln, die die Themen von KoN als zu jugendlich für einen 30-Jährigen empfanden.

Ansonsten klingt das Album allerdings deutlich ernster als der Vorgänger. Auch der Wiedererkennungswert fehlt bei den meisten Songs. “Familienalbum Seite 19” schafft es allerdings gerade durch den eingängigen Refrain im Gehör zu bleiben und erinnert im Sound sehr an “Rebell ohne Grund“.

Die lyrische Eleganz fehlt

Die größte Stärke von Pi war immer das Geschichtenerzählen. Die Treffgenauigkeit seiner Texte hat mich oft berührt, mich gestärkt und mir weiter geholfen.

Auf IWnN gibt es wenige Zeilen, die sofort aus meinem Herzen sprechen. Beim ersten Hören ist kaum ein Song hängen geblieben. Die Themen, die Pi auf dem Album behandelt sind klasse und wichtig. Ob das Lügengebilde, das wir um uns herum schaffen (“Die Füllung von Kissen“) oder die Kritik an der hiesigen (Konsum)gesellschaft wie in “Kartenhaus“.

Während ältere Songs aber meist mindestens eine prägnante Zeile hatten, sucht man diese heute teils vergeblich. Die Message der Songs ist großartig, aber es fehlt die Zitierfähigkeit.

Viel musikalische Abwechslung

Der musikalische Feinschliff auf “Im Westen Nix Neues” ist erneut großartig. Mal fette Beats (“Weiße Tapete“, “Werte“), mal tolle musikalische Instrumentierung. Dadurch wirkt es abwechslungsreich und erzeugt durchaus eine gewisse Spannung beim Hören.

Die große Ballade fehlt leider. Auch wenn “1,40” schön ist und tolle Ideale anspricht, ist es zu mainstream, um richtig zu berühren. “Ballade für Jojo” beschäftigt sich mit den Wirren des Liebesleben Pis. Wirkt aber leider lieblos geschrieben und kommt nicht im Ansatz an Klassiker wie “Du bist” heran.

Fazit: Leider enttäuschend

Nach den tollen Vorab-Veröffentlichungen habe ich mit Großem gerechnet. Leider kommt das Album nicht im Entferntesten an meine Erwartungen heran. Ich hab mehr Tracks wie “Weiße Tapete” erwartet und auf ein neues schönes Liebeslied gehofft.

Allerdings muss ich auch sagen, dass das Album mit jedem Hören besser wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Songs erst nach mehrmaligem Hören ihr volles Potential entfalten. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das Album besonders oft hören werde.

 

Meine Woche in Worten: Schulz und Böhmermann, Veganismus und Prinz Pi

Überflieger oder Schnee von gestern? Im Wochenrückblick kümmere ich mich um Themen, die auch noch morgen für Gesprächstoff sorgen werden. Diese Woche geht es um Veganismus, neue Bands und alte Formate in neuer Erscheinung.

Man merkt die Uni hat wieder angefangen, denn gleich wird der Wochenrückblick wieder viel voller. Bevor ich also vollends unter Klausurschwerpunkten zusammenbreche, hier meine Themen der letzten Woche:

Musik

X Ambassadors “VHS”

Gerade frisch entdeckt und schon laufen sie im Hintergrund, während ich das hier tippe. Sehr energiegeladener Alternative-Rock mit Radiotauglichkeit.

Die vier Musiker kommen aus Brooklyn und waren schon im Sommer 2014 mit “Jungles” in den deutschen Charts. Ist damals leider vollkommen an mir vorbeigegangen.

Prinz Pi “1,40m”

Anfang Februar kommt das von mir heißersehnte Album “Im Westen Nix Neues”. Zusammen mit Philipp Dittberner zeigt Pi mal wieder sein Händchen für die perfekten Worte. Durch den Featuregast wirkt das alles auch schon ziemlich radiotauglich und mehr für die Masse als vorherigen Veröffentlichungen. Ich als alter Fan bin überzeugt und heiß aufs Album.

TV

Schulz und Böhmermann auf ZDFneo

Die unkonventionelle Talkshow ist zurück! Diesmal ist Oli Schulz an der Seite von Jan Böhmermann. Auch wenn in der ersten Sendung noch wenig zu Zigaretten und Whiskey gegriffen wurde, war das ein gelungener Auftakt. Mit Kollegah, dem Hochstapler Gert Postel und Jörg Kachelmann hatten die zwei Moderatoren aber auch vielversprechende Gäste. Einzig Anika Decker, Deutschland erfolgreichste Drehbuchautorin, blieb etwas blass. Die Chemie zwischen Böhmermann und Schulz stimmt in jedem Fall. Auch wenn Roche ein bisschen fehlt.

Blogs

Apfelmädchen

Über das Rezept einer Kartoffelsuppe bin ich auf den Blog gestoßen. Dort geht es um nachhaltiges und bewusstes Leben. Zu finden sind zum Beispiel viele Anregungen für Konsumverzicht und ein minimalistisches Leben. Klickt euch doch mal durch!

Artikel

Handy statt Hormone: Clue-CEO Ida Tin über Health Tracking & moderne Verhütung” bei wired.de

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Bye, Bye, Pille! Der CEO von der Zyklus-App Clue spricht von der Zukunft der Verhütung und hat einige schlaue Worte parat. Ein wirklich wichtig Thema, dass viel zu wenig Aufmerksamkeit zu Gute kommt.

22 Times Tina Fey And Amy Poehler Shut Down Sexism In The Best Damn Way” auf Buzzfeed

Ich liebe Tina Fey und diese 22 Bilder und Gifs sind der Beweis warum!

Printcheck: Couch Magazin

Interior ist so im Trend wie nie. Kaum ein Blog oder ein Zeitung, die momentan nicht über Trends und Klassiker der Inneneinrichtung berichtet. Ach das Magazin mit dem treffenden Titel “Couch” hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben. 

Jeder der umzieht wird das bestätigen können: Spätestens wenn der Mietvertrag unterschrieben ist, fängt man wie wild an nach Einrichtung, tollen Wandfarben, praktischen Idee und coolen Geschäften in der neuen Wohngegend zu suchen. Funktionell, frisch, schön und bezahlbar soll das ganze am besten sein. So durchstöbere auch ich zur Zeit nicht nur online sämtliche Einrichtungsshops, sondern befülle auch mein Pinterest-Board täglich nach Inspiration. Zufällig stieß ich im Kiosk auf das “Couch”-Magazin. Da 2,20 Euro gut ins studentische Budget passen, nahm ich sie mit.

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Das “Couch”-Magazin erscheint bei Gruner + Jahr und bewirbt sich in den Mediadaten als  “junges Wohn-&Fashion-Magazin”, das “die Lücke zwischen klassischen Wohnzeitschriften und jungen Lifestylemagazinen” füllt. Jung kommt die “Couch” auf jeden Fall daher. Der Titel erscheint im erfrischenden Pink und es wird mit verschiedenen Schriftarten gespielt. Die Aufmachung erinnert stark an Zeitschriften wie Joy oder Maxi. Ansprechend ist das allemal, ich habs schließlich mit nach Hause genommen.

Inhaltlich geht es vor allem um Wohnen, aber auch Mode, Reise und Beauty werden in dem Magazin abgearbeitet. So werden zum Beispiel die Lieblings-Trends der Redaktion präsentiert. Nochmal zur Erinnerung: Das Magazin kostet 2,20 Euro. Daher war ich ein bisschen verwirrt, dass fast ausschließlich Möbel vorgestellt werden, die ab 500 Euro aufwärts kosten. Laut einer Leserumfrage sind die Leser der Zeitschrift “jung, gebildet und urban” und zwischen “20 und 30 Jahren”. Also mein Alter, wahrscheinlich auch Studenten oder gerade ausgelernt. Ich bezweifle, dass in der Zielgruppe viele Menschen sind solche Möbel kaufen können oder überhaupt wollen. Wenn ich mal 500 Euro gespart habe, denke ich nicht sofort an einen Couchtisch.

Wirklich schön finde ich die Homestorys. Ich finde es wahnsinning spannend zu sehen, wie andere Menschen leben. Mehr Inspiration geht einfach nicht. Besondern süß in der visuellen Aufbereitung finde ich die “freihand” gemalten Grundrisse der Wohnungen, die ihr auch auf dem Bild erkennen könnt. Wobei ich auch hier wieder bemängeln muss, dass diese Wohnungen eher Traumwohnungen sind. Warum stellt man nicht tolle Wohnungen von Studenten und jungen Erwachsenen vor? Gerade bei Instagram geben so viele Leute Einblick in ihr Leben, die würden eine Homestory doch bestimmt begrüßen.

 

Wirklich vermisst habe ich übrigens eines: Text. Ich habe den Eindruck, im ganzen Magazin ist weniger Text als in diesem Artikel. Es gibt viele Beschreibungen und Anreißer, aber Artikel, Kolumnen? Fehlanzeige! Ich lese sehr gerne und verspreche mir von einer Zeitschrift auch eine gewisse Expertise. Ein Fachwissen oder einfach ein Interesse an Einrichtung und Mode, das über Affinität hinaus geht, vermisse ich hier vollkommen. So halte ich einfach nur ein ausgedrucktes Pinterest-Board in der Hand.

Nun sind zwei Euro ganz bestimmt kein heraus geschmissenes Geld für diese Zeitschrift. Man bekommt viele Anregungen, tolle Bilder und verschiedene Stile präsentiert. Ein schöne Unterhaltung zum Durchblättern beim Musik hören, am Strand oder in der Mittagspause. Wer sich wirklich mit einem Thema auseinander setzten will, ist bei der “Couch” falsch. Online-Magazine wie Journelles beweisen bei dem Thema deutlich mehr Hintergrund. Ich will nicht ausschließen, dass ich mir die “Couch” noch einmal kaufe, wirklich glauben tue ich es aber nicht.

Die Anmerkungen beziehen sich auf die Ausgabe 2/2015

Angespielt – Musikkritik u.a. mit Olson, Taylor Swift und Ahzumjot

Nachdem ich euch das neue Kraftklub Album ja schon wärmstens ans Herz gelegt habe, geht es heute mit weiteren musikalischen Favoriten der letzten Tage weiter. Wieder mal haben es mir vor allem deutsche Sprachbegabte angetan, ich habe aber auch ein längst überfällige amerikanische Entdeckung gemacht.

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Chakuza hat sich glücklichweise längst von seiner Gangsterrap-Karriere abgewandt und überzeugt seitdem mit melancholischem Sprechgesang, der immer wieder die Anfänge seiner Schaffenszeit thematisiert. “Exit” ist damit die logische Nachfolge von “Magnolia” und kann durch gute Texte und Chakuzas starke Stimme punkten. Anspieltipps: Charlie Brown, Dunkel Hell

Mit Olson folgt ein weiterer Aussteiger des harten HipHop-Gefildes. Sein Debütalbum “Ballonherz” wurde von Universal Music veröffentlicht und das hört man. Was in mir anfangs Befremdlichkeit ausgelöst hat, gefällt mir nach mehrmaligem Hören unglaublich gut. Auch wenn die Texte etwas einfältig wirken, schaffen sie es doch Stimmungen zu transportieren und spiegeln unsere Generation ganz gut wieder. Anspieltipps: James Dean, Flugmodus, Feuerwerk

Auf dem diesjährigen Splash feierte Teesys Song “Generation Maybe” Premiere. Bis dahin hatte ich den Berliner gar nicht auf dem Schirm. Doch nicht nur die erste Single aus dem folgendem Album “Glücksrezepte” kann sich sehen lassen. Teesy macht deutschsprachigen Soul, RnB mit ein bisschen Sprechgesang – aber echt nur ein bisschen. Anspieltipps: Danke, Generation Maybe, SOS (feat. Cro)

Den Namen Chet Faker hat man bestimmt schon öfter gehört, seine Musik ist in Deutschland aber noch ein Geheimtipp. Der Soul-Sänger mischt seine Musik mit elektronischen  Elementen und erzeugt damit einen Sound für den Hintergrund und zum zuhören. Für Sonntage und verbesserungswürdige Montage. Anspieltipps: Gold, Talk is cheap, Melt

Der letzte in der Runde ist der Newcomer und Prinz Pi-Schützling eRRdeka. Sein Album “Paradies” wird erst im Oktober veröffentlicht, aber schon jetzt ist das Video zu “Atme ein Atme aus” zu bestaunen. Was beginnt wie ein Lied von Mentor Pi explodiert im Refrain mit einer starken Hook, die mir schon einige Male im Ohr hängen blieb. Der Text überzeugt durch Erzähltechnik wie Wortwahl.

Weitere Veröffentlichungen:

Auch Rockstah hat mit “Pubertät” ein weiteres Album rausgebracht. Während der Opener noch ganz gut Laune macht und mit richtig Power um die Ecke kommt, kann ich mich immer noch nicht ganz mit Rockstahs Stimme anfreunden, besondern wenn er versucht den Refrain zu singen. Ich hab mir aber fest vorgenommen, ihm bald noch eine Chance zu geben. Ein weiteres Album das im Netz Lobeshymnen hat regnen lassen, lässt mich leider auch kalt: Ahzumjots “Nichts mehr egal” ist mir zu gewollt poppig und auf Hit produziert. Dazu finde ich das Timing, von Alan gewöhnungsbedürftig. Auch hier finde ich die Hooks etwas befremdlich.

Sehr gespannt bin ich auf das kommende Album von Taylor Swift. Bereits von einigen Wochen hat die ehemalige Country-Sängerin das Video zu “Shake it off” veröffentlicht. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll und habe Sorge, dass sie zu Einheitsbrei verkommt. Wenn es zeitlich passt, schnappe ich mir “1989” zur Langrezension.

Review: Kraftklub >>In Schwarz<<

Bereits im Mai dieses Jahres kursierte ein Video namens “Hand in Hand” der maskierten Newcomerband In Schwarz im Netz. Knapp zwei Wochen später enthüllten sich Kraftklub hinter den schwarzen Masken bei “Circus Halligalli” und konnten somit auf ihr neues Album “In Schwarz” aufmerksam machen. Nun ist es endlich da und ich hab reingehört.

Quelle: universal-music.de
Quelle: universal-music.de

Das Album startet allerdings nicht mit “Hand in Hand”, sondern mit der zweiten Vorab-Single, dem genialen “Unsere Fans”. Gewohnt ironisch meckern Kraftklub über ihre Fans, die mittlerweile zu Mainstream geworden sind und nehmen damit gekonnt eben all die Fans auf die Schippe die meckern, so bald eine Band kommerziell erfolgreich wird. Sehr gelungen, wie ich finde. Fast genau so gut, ist auch der Abschlusstrack des Albums “Deine Gang“, wo sich über den ganzen Representer-Shit lustig gemacht wird, denn “du kennst harte Atzen, Leute mit scharfen Waffen. Ich glaub dir das auch so, du musst nicht andauernd darüber quatschen. 

Opener und Abschlusstrack sind aber nicht die einzigen Schätze des Albums. “Wie ich” setzt sich mit der Unzufriedenheit mit sich selbst, der Bewunderung und Betrachtung anderer auseinander und ist damit ein ehrlicher, selbstreflektierender Song, der viel Platz für Identifikation bietet. Ebenso genial ist “Schüsse in die Luft” der sich mit dem ewigen Meckern und der gleichzeitigen Unmotivation etwas zu verändern auseinandersetzt. Neben einer Aussage, die man der Band super abnehmen kann überzeugt der Song durch einen eingängigen Refrain, den man im Kopf behält..

Auch wenn das Album thematisch etwas ernster und erwachsener wirkt, gibt es Parallelen zum Erstling: So musste ich bei der ersten Strophe des Songs “Blau” total an “Liebe” denken, was sicherlich auch an der ähnliche Thematik liegt. Ironisch und ehrlich wird der Geniestreich erörtert, die Verflossene genau dann anzurufen, wenn es nacht ist und man selbst betrunken. Das Beste: Zu dem Sound kann man locker die Hüften schwingen – auch nüchtern.

Das die Jungs von Kraftklub jetzt reich, berühmt, schön und erwachsen sind, findet selbstredend auch Erwähnung. So wird sich über Leute beschwert, die sich teure Mieten und teure Anwälte nicht leisten können (“Meine Stadt ist zu laut“). Auch dem Berühmtsein und den Promipartys, die Kraftklub mittlerweile von Innen kennen, geht es an den Kragen. Der Song “2 Dosen Sprite” strotz vor Abneigung und Verachtung vor eben dieser Partykultur, die sich mit Koks und Alkohol selbst am Leben hält.

Auch einer meiner Lieblingsmusiker ist auf “In Schwarz” vertreten. Leider rappt Casper nur ein paar Zeilen für “Schöner Tag” und hinterlässt daher keinen bleibenden Eindruck. Der Song gehört aber auch so nicht zu den Stärken des Album.

Mein Rad” ist ein Liebeslied an das geklaute Fahrrad und lässt bestimmt jeden schmunzeln wenn Frontmann Felix gegen den Fahrraddieb wetzt und ihn als “Hundesohn, der Sachen sieht und sie sich einfach nimmt” beschimpft. Wem Liebeslieder an an echte Menschen lieber sind, wird mit “Alles wegen dir” und “Für Immer” versorgt. Wie erwartet, ist hier kein zweites “Kein Liebeslied” zu finden, beide Songs beschäftigen sich mit gescheiterten Beziehungen und so hört man Herrn Brummer gern dabei zu, wie er beteuert: “Ich bin nicht verbittert, verdammt ich bin glücklich” Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mir ein weiteres, ruhiges Liebeslied gewünscht hätte.

Mit Skits habe ich ja seit jeher so meine Probleme, weil sie in den meisten Fällen nicht lustig sind und den Fluss des Album stören. Bei Kraftklub, die sich nun auch an einem versucht haben, sieht das leider nicht anders aus. Dazu hat es mich schon beim ersten Mal hören gelangweilt, aber das sei verziehen.

Fazit: Wie auf dem Vorgänger “Mit K” kann mich auch hier nicht jeder Song begeistern und wird wohl in Zukunft nicht all zu oft abgespielt. Auf der anderen Seite enthält “In Schwarz” super Songs, die mit Charme, Witz und Intelligenz bestechen. “Wie ich”, “Schüsse in die Luft”, “Deine Gang” und auch das vorab veröffentlichte “Unsere Fans” haben das Potential zu richtigen Lieblingen. Damit würde ich die Scheibe (die ich mir übrigens als Vinyl bestellt habe” schon jetzt zu meinen Lieblingsalben 2014 zählen und werde mich bestimmt lange daran erfreuen.

Kraftklub “In Schwarz”

13 Titel

VÖ: 12.09.14

Universal

Home is where my books are: Von Bushido bis zur Verwesung

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Lesen ist für mich viel mehr als ein Hobby, ich würde es fast als eine kleine Leidenschaft bezeichnen. Bereits seit Ende des letzten Jahres führe ich eine Liste darüber, welche Bücher ich gelesen habe, verfüge sie mit einem kleinen Kommentar und schreibe mir auch auf von wann bis wann ich es gelesen habe.

 

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“Du schon wieder” von Sophia Kinsella war eigentlich als kurzweiliges, witziges Vergnügen für Zwischendurch gedacht, hat mich aber leider sehr enttäuscht. Die Hauptfigur verliert ihr Gedächnis und avanciert dadurch von der intriganten Zicke zum Gutmenschen. Leider absolut vorhersehbar, dadurch absolut nicht zu empfehlen. Leider.

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Sebastian Fitzek hat zusammen mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos den Thiller “Abgeschnitten” geschrieben. Das Buch ist typisch Fitzek schaurug und enthält uns keine Einzelheit über die Opfer. Der Protagonist und Rechtsmediziner findet im Kopf einer Leiche die Telefonnummer seiner entführten Tochter. Wie alles wo Fitzek drauf steht – ein Muss für jeden Thiller-Fan.

 

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Simon Beckett ist einer meiner liebsten Autoren und hat auch mit “Verwesung”, dem 4. Teil der David Hunter-Serie, für Spannung gesorgt. Ich muss mich leider der Meinung vieler anschließen, dass dieser Band nicht der beste der Reihe war. Trotzdem gelang es Beckett mich zu fesseln, wenn er einen Entführer mehrerer Frauen aus dem Gefängnis ausbrechen lässt und ihn durch das Moor hindurch jagt. Ebenfalls ein Genuss für Thiller-Fans.

 

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Wir erinnern uns: Jonas Jonasson hat mit “Dem Hundertjährigen” sämtliche Bestsellerlisten gestürmt. “Die Analphabetin, die rechnen konnte” erzählt eine ähnliche Geschichte, die eigentlich schwer zu erklären ist. Eine kleine Afrikanerin kommt über Umwege nach Schweden und hat zufällig eine Atombombe im Gepäck. Diese Kombination bringt uns eine aberwitzige Geschichte, die leider am Ende etwas Schwung verliert.

 

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Sehr interessiert habe ich “Auch wir sind Deutschland” von Anis Ferchichi alias Bushido gelesen. Gewohnt etwas selbstgefällig und prollig bringt er uns zusammen mit Marcus Staiger Dinge nah, die Deutsche noch von Ausländern lernen können und gibt uns gleichzeitig einen Einblick in die Strukturen und Hierachien einer arabischen Familie. Geschmückt wird das noch mit teils sinnigenThesen, die mitsamt gut pointierter Geschichten erläutert werden. Kein Muss, aber wirklich interessant und unterhaltend.

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Liebesromane sind oft vor allem eins: vorhersehbar. Gegen den Trend hat die wunderbare Jojo Moyes geschrieben und uns damit “Ein ganzes halbes Jahr” beschert. Ein junge Frau, die einfach nicht aus ihrem Heimatdorf rauskommt wird die Betreuerin für einen mieslaunigen, reichen Mann, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Zu Beginn finden die Beiden einfach keinen Draht zueinander, doch bald entwickelt sich eine schöne, manchmal bedrückende Dynamik zwischen den Beiden. Dieser Roman stimmt nachdenklich und traurig, ruft aber auch schöne Gefühle hervor. Wirklich richtig toll!